Die Globalisierung und die Expansion in Schwellenmärkte bieten generell viele Chancen, zugleich aber auch Risiken, wie etwa am Beispiel Russlands zu beobachten ist. Doch auch China, das inzwischen eines der bedeutendsten Absatz- und Produktionsländer ist, steht diesbezüglich verstärkt im Rampenlicht. Insbesondere die jüngsten Spannungen in Taiwan aber bergen Risiken, die Unternehmen nicht ignorieren sollten.
Während die Absicherung von Währungsrisiken bei Umsätzen in Lokalwährung, also dem im Ausland gehandelten Offshore Renminbi (CNH) und dem Onshore Renminbi (CNY), in China im Tagesgeschäft oft bereits etwa durch den Einsatz von Devisen-Termingeschäften oder Optionen erfolgt, stellt sich vermehrt die Frage, wie man sich auch gegen strategische makroökonomische sowie geopolitische Risiken wappnen kann. Dies gilt gerade deshalb, da inzwischen teils signifikante Aktiva in Form von Produktionsstätten oder Beteiligungen in China bestehen, wohingegen der Währungsmix auf Finanzierungsseite (auch aufgrund der begrenzten Liquidität der Kapitalmärkte in Lokalwährung) oft nicht angepasst wurde.
Währungsabsicherungen als Lösung
Eine Abwertung der lokalen Währung würde daher zu einem Rückgang sowohl des in Euro denominierten Ebitda als auch der in Euro umgerechneten chinesischen Aktiva führen – bei gleichzeitig unveränderten Verbindlichkeiten ginge dies also mit einem höheren Leverage einher. Wenn auch nicht 1:1 vergleichbar, so zeigt das Beispiel Russlands dennoch, wie sensibel Währungen auf Krisen reagieren. Entsprechend besteht das Risiko, dass im Falle einer China-Krise auch die chinesische Währung unter Abwertungsdruck gerät. Eine Möglichkeit, dies auf Unternehmensebene zu adressieren, bieten auch hier Währungsabsicherungen, etwa in Form von Termingeschäften, Zins- und Währungsswaps oder Optionen.
Diese Instrumente können helfen, den Finanzierungsmix etwa unter Währungsaspekten durch eine synthetische Erhöhung des CNH-Finanzierungsanteils anzupassen und damit die Bilanz im Idealfall sowohl im Hinblick auf bestehende Aktiva als auch auf ein durch Währungsverluste sinkendes Ebitda zu immunisieren. Dadurch würden parallel zu einer Abnahme der in Euro umgerechneten Aktiva sowie des Ebitda auch die in Euro umgerechneten Verbindlichkeiten sinken. Eine solche Absicherung hätte zudem den ökonomischen Nebeneffekt, dass aktuell eine (synthetische) Erhöhung des CNH-Finanzierungsanteils die Zinsbelastung reduzieren würde, da die CNH-Zinsen derzeit unterhalb der Euro-Zinsen liegen und die Zinsdifferenz so attraktiv ist wie selten.
Risiken und Vorteile von Währungsabsicherungen
Die Bilanzierung einer solchen Absicherung sollte im Einzelfall mit dem Wirtschaftsprüfer abgestimmt werden, kann aber oft etwa als Net Investment Hedge designiert werden, um den Einfluss eventueller Wertveränderungen der Absicherungsinstrumente auf die GuV zu begrenzen oder gar ganz zu vermeiden.
Natürlich bieten Währungsabsicherungen nicht nur Vorteile. Unternehmen würden etwa an einer Aufwertung der chinesischen Währung nicht oder nur noch zum Teil partizipieren. Bei unvorhergesehenen Abschreibungen auf lokale Aktiva bei gleichzeitigem Rückgang des Ebitda bestände gegebenenfalls auch das Risiko einer Übersicherung mit der Konsequenz, dass Teile der Absicherung unter Umständen mit Verlust wieder aufgelöst werden müssten. Aufgrund der Komplexität und ökonomischen Tragweite solcher Absicherungsüberlegungen sollten sich Unternehmen daher frühzeitig damit befassen, um rechtzeitig für den Ernstfall abgesichert zu sein.
Autor
Grischa Orlamünder ist Direktor bei Barclays in Frankfurt am Main.
grischa.orlamuender@barclays.com