Die globalen geopolitischen Entwicklungen und die enge Taktung von Ereignissen fordern Unternehmen heute deutlich mehr heraus, als das noch vor zehn Jahren der Fall war. Dies betrifft auch den Materialeinkauf und die dahinterstehende Lieferkette. Darüber hinaus verlangt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz von Unternehmen ab einer gewissen Größe eine eingehende Auseinandersetzung mit ihrer gesamten globalen Lieferkette. Menschenrechtsverletzungen und umweltrechtliche Risiken sollen so reduziert werden.
Durch die Globalisierung wurden wesentliche Teile der Produktion aus Deutschland ins Ausland verlagert. Der Einkauf von Zwischenprodukten, halbfertigen Erzeugnissen und Komponenten hat einen hohen Stellenwert in der Produktion erlangt. Dennoch gibt es weiterhin einen relativ großen Anteil von Rohstoffen, die direkt oder über Händler für die Produktion eingekauft werden.
Je nach Rohstoff besteht hier häufig eine hohe Abhängigkeit von einem oder wenigen Lieferanten weltweit. Da die Rohstoffsicherung einen besonders hohen Stellenwert hat, suchen viele Unternehmen nach alternativen Versorgungsquellen. Das betrifft ein breites Spektrum: von klassischen Industriemetallen über Batteriemetalle bis hin zu Seltenen Erden sowie speziellen Zwischenprodukten.
Neue Lieferanten und Finanzierungsmöglichkeiten
In vielen Fällen haben Unternehmen bereits neue Lieferanten identifiziert. Einige davon sind allerdings Neugründungen, die erst Kapital einsammeln müssen, um ihr Vorhaben in Form von Minenprojekten oder Processing-Anlagen zu realisieren. In vielen Regionen der Welt mangelt es an der Bereitschaft, Eigenkapital in den Sektor zu investieren. Fremdkapital folgt üblicherweise dem Eigenkapital. Für solide Projekte ist es leichter, Kapitalgeber zu gewinnen.
Wie können deutsche Unternehmen in ihrer Rolle als Abnehmer dazu beitragen, die Finanzierung einer neuen Rohstoffquelle sicherzustellen? Mittlerweile denken auch einige wenige deutsche Unternehmen darüber nach, mit Eigenkapital in Minen- und Verarbeitungsanlagen zu investieren, um sich so einen Rohstoffzugang zu sichern. Dies ist ein großer – und vor allem kapitalintensiver – Schritt und stellt mit Blick auf die Schaffung von Resilienz eine große Herausforderung bei der Due Diligence dar.
Greenfield-Projekte und Projektfinanzierung
Leichter umzusetzen ist ein reiner Materialeinkauf von einem neu gegründeten Anbieter im Rahmen eines sogenannten Greenfield-Projekts. Der potentielle (noch nicht unterzeichnete) und möglichst langfristige und großvolumige Abnahmevertrag ist hier der Schlüssel, der helfen kann, einen Beitrag zur Fremdkapitalfinanzierung in Form einer Projektfinanzierung des Minen- oder Verarbeitungsprojekts sicherzustellen und so für mehr Widerstandsfähigkeit der Lieferkette zu sorgen.
Die Bundesregierung stellt in ihrem Instrumentenkasten zur Außenwirtschaftsförderung „Garantien für Ungebundene Finanzkredite (UFK)“ zur Verfügung, mit denen ein langfristiger Kredit für ein Minen- oder Verarbeitungsprojekt abgesichert werden kann. Dies kann der entscheidende Anstoß für die Umsetzung derartiger Vorhaben sein.
Denn insbesondere bei potentiellen Eigenkapitalinvestitionen ist es mit Blick auf die Beurteilung der geologischen und technischen Risiken sowie die Einschätzung der ESG-Aspekte (Environmental, Social and Governance) derartiger Projekte wertvoll, auf der Fremdkapitalseite einen Finanzierungspartner mit entsprechender Expertise und einem Netzwerk zu den relevanten Partnern an Bord zu haben.
Autor
Michael Waitz ist Teamleiter Metals & Mining bei der KfW IPEX-Bank.