Finanzierungsmodelle für unsichere Zeiten

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Die Corona-Krise ab dem Jahr 2020 war lediglich der Beginn einer Reihe von Ereignissen, die von außen auf Unternehmen einwirken und sie dazu zwingen, ihre Liquidität unabhängig von der aktuellen Ertragslage oder trotz signifikanter Schwankungen mit Blick auf die Bindung von Betriebskapital zu sichern. Ereignisse wie der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die daraus resultierenden stark gestiegenen Energiepreise oder Lieferkettenfriktionen, die zu einem sprunghaften Anstieg der Materialpreise führten, brachten eine neue Volatilität mit sich, die die bestehenden Finanzierungsstrukturen vieler Unternehmen herausfordert. Die Finanz- und Treasury-Abteilungen wurden so in den vergangenen vier Jahren vor bis dato nicht gekannte Herausforderungen gestellt.

Finanzierungsmodelle neu bewerten

Angesichts dieser Faktoren haben die Finanz- und Treasury-Abteilungen vieler Unternehmen ihre bestehenden Finanzierungsmodelle neu bewertet und gegebenenfalls angepasst. Infolgedessen ist oft eine Neuordnung der Passivseite oder die Erschließung neuer Finanzierungsquellen erforderlich, um die langfristige finanzielle Stabilität und Flexibilität der Unternehmen zu gewährleisten.

Zu Beginn steht die gründliche und umfassende Analyse der bestehenden Finanzierungsstruktur, um Abhängigkeiten und Risiken zu identifizieren. Häufig zeigt sich dabei, dass Unternehmen eine stärker diversifizierte und flexiblere Finanzierungsstrategie benötigen, um den aktuellen Marktbedingungen effektiv begegnen zu können.

Eine Lösung, die in diesem Kontext zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Finanzierung über Asset Backed Commercial Papers (ABCP). Diese spezielle Form der Forderungsfinanzierung ermöglicht den Zugang zum Kapitalmarkt mittels Verbriefung und reduziert daher die Abhängigkeit von Bankkrediten. Ein ABCP-Programm bietet Unternehmen die Möglichkeit, eine diversifizierte und robuste Finanzierungsbasis zu schaffen.

Orphan SPV fungiert als Plattform

Elementar in der Implementierung einer solchen Plattformlösung ist die Einrichtung eines sogenannten Orphan Special Purpose Vehicle (Orphan SPV). Ein solches SPV operiert unabhängig von den bestehenden rechtlichen Strukturen des Unternehmens, um den True Sale, also den regresslosen Verkauf der Forderungen, und damit die Herauslösung aus der Bilanz mit positiver Auswirkung auf die Kennzahlen zu gewährleisten.

Darüber hinaus fungiert das Orphan SPV als Plattform. Diese bietet die Flexibilität, bei Bedarf weitere Tochtergesellschaften oder weitere Banken in das Programm zu integrieren oder eine Anpassung an zukünftige Marktveränderungen zu ermöglichen und damit die Resilienz des Unternehmens zu stärken.

Angesichts begrenzter interner Kapazitäten, umfangreiche Projekte zusätzlich zum Tagesgeschäft abzuwickeln, kann die Hinzuziehung eines Debt Advisor für viele Unternehmen eine Unterstützung bieten. Im Rahmen einer solchen Finanzierungslösung übernimmt das Debt-Advisory-Unternehmen typischerweise die Projektleitung und koordiniert alle relevanten Stakeholder, darunter Banken, Rechtsberater, Corporate Service Provider, sowie den Due-Diligence-Prozess des Portfolios. Richtig umgesetzt, trägt eine solche Umsetzung nicht nur zur finanziellen Stabilität bei, sondern stärkt auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auf dem globalen Markt nachhaltig.

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