75 Millionen neue Ticket-Abos innerhalb nur eines Jahres und damit verbunden Unmengen an Daten und Transaktionen: Mit der Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023 mussten außerordentliche Mengen an Cash- und Zahlungsdaten von der Treasury-Abteilung der Deutschen Bahn umgehend souverän gesteuert werden.
Doch derart sprunghafte Veränderungen der Zahlungsvolumina nahezu über Nacht ergeben sich nicht nur durch strategische Änderungen der Produktpalette. Auch Unternehmenswachstum, insbesondere M&A-Aktivitäten, stellt Finanzabteilungen regelmäßig vor Herausforderungen. Wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Zahlungsprozesse flexibel, skalierbar und zukunftssicher aufgestellt sind?
Flexibel skalieren
Unternehmenswachstum impliziert eine Erhöhung des Transaktionsvolumens und regelmäßig die Notwendigkeit, neue Zahlungsströme, Banken und Back-Office-Systeme zu integrieren. Verschiedene Faktoren kommen ins Spiel, um dies als Finanzabteilung bewältigen zu können und die Unternehmensentwicklung strategisch sowie agil zu begleiten: Die Prozesse müssen klar sein, die Systemkommunikation lückenlos und die implementierten Systeme entsprechend leistungsfähig. Doch vor allem ist es essentiell, dass sowohl die Prozesse als auch die Systeme flexibel global skalieren können – in alle Richtungen.
Umfassende und kurzfristige Änderungen im Zahlungsverkehr sind aber der falsche Zeitpunkt, um langwierige interne IT-Projekte zu starten. Besonders in Krisenzeiten, wenn die Unternehmensleitung Optimierungen im Blick hat, kann ein Treasury-Erweiterungsprojekt nicht Kernaufgabe der Finanz- und IT-Abteilungen werden.
Die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Zahlungskanälen, -formaten und -compliance hausintern zu regeln, wäre ineffizient im Hinblick auf Kosten und Zeit, risikobehaftet und auch wesentlich weniger dynamisch als die Nutzung spezialisierter Plattformen, die diverse Zahlungskanäle und eine große Bandbreite an Formaten unterstützen.
Neues Zahlungsformat ISO 20022
Eine wichtige Rolle bei der Flexibilität und Skalierbarkeit von Zahlungsprozessen spielt die Standardisierung von Zahlungsformaten. Die Umstellung auf ISO 20022 verspricht eine Vereinheitlichung der Kommunikation zwischen Systemen und Banken bei gleichzeitig verbesserter Datenbasis. Doch gerade in der Übergangsphase, in der alte MT- und neue ISO-XML-Formate parallel unterstützt werden müssen, drohen bei Nicht-Kompatibilität Störungen in den Prozessen. Deshalb ist es wichtig, seinen Systemanbietern auf den Zahn zu fühlen, wie sie diese Phase mit Formatübersetzungen unterstützen.
Vor allem aber müssen Unternehmen in der Lage sein, ihre Zahlungsströme schnell und sicher an neue Bedingungen anzupassen, um erfolgreich zu bleiben. Die Integration von Systemen, die Automatisierung von Prozessen und das Screening von Transaktionen sind heute Schlüsselfaktoren für sichere und zukunftsfähige Zahlungsprozesse in einem dynamischen Umfeld.
Die Deutsche Bahn hat durch strategische Entscheidungen und vorausschauende Ansätze für End-to-End-Zahlungsprozesse gezeigt, wie eine gut integrierte und automatisierte Zahlungsinfrastruktur Unternehmen hilft, auch unter Druck und in einem veränderten Umfeld effizient zu agieren.
Autor
Dr. Jacques Yana Mbena
Dr. Jacques Yana Mbena ist SVP Solutions Architect bei Treasury Intelligence Solutions in Berlin.