Bedauerlicherweise haben die Krisen der vergangenen Jahre, von der Pandemie bis zu den andauernden Kriegen, dem geopolitischen Zeitgeist keine Richtung gegeben, die nach mehr Zusammenarbeit strebt. Im Gegenteil: Die Entkopplung von Regionen und Volkswirtschaften lässt sich allseits beobachten und wird – nicht selten von patriotischer Rhetorik untermalt – durch handelspolitische Eingriffe wie Strafzölle oder Sanktionen zur realen Belastung von Unternehmen.
Es ist wenig überraschend und auch rational, dass die Unternehmen in der Folge selbst eine Lokalisierung ihrer Geschäftsmodelle verfolgen. „In China, for China“-Strategien oder die Verlagerung von Produktionsstätten in die USA nach Einführung des Inflation Reduction Act sind die wohl prominentesten Zeugen dieser Entwicklung.
Abseits der realwirtschaftlichen Verwerfungen haben sich über die vergangenen Jahre lokale Finanzierungsmärkte mit verschiedenen Entwicklungsständen insbesondere in Asien etabliert, die es Unternehmen ermöglichen, auch bei der Cash-Beschaffung mehr Gewicht auf „local for local“ zu legen. Das ist auch gut so, denn die direkte und währungskongruente Refinanzierung vor Ort kann in vielerlei Hinsicht einer zentralen Mittelbeschaffung und Weiterreichung über konzerninterne Darlehen überlegen sein. Vor allem der Abfluss von Quellensteuern, Foreign-Debt-Quoten und Kapitaleinfuhrbeschränkungen sind ernste Hemmnisse in vielen wichtigen Absatzmärkten Asiens.
China wächst im Markt für Asset Backed Securities
Die wohl komplexeste Form der Refinanzierung im Automobilbereich stellt dabei die insolvenzfeste Verbriefung von Forderungsportfolien dar, die dem konzerninternen Kredit- und Leasinggeschäft der Autobauer entspringen. Die großen Vorteile dieser Asset-Backed-Transaktionen liegen vor allem in der Übertragung und direkten Finanzierung der diversifizierten Portfolien durch eine Zweckgesellschaft, so dass vom Kreditrisiko des Unternehmens abstrahiert werden kann und exzellente Ratings für den Großteil der Kapitalstruktur erreicht werden.
Darüber hinaus können diese Instrumente als öffentliche oder private Transaktion dargestellt werden. Auch für Banken, die in diese Asset Backed Securities (ABS) investieren, ergeben sich mit Blick auf die Eigenkapitalvorschriften von Basel 3.5 vorteilhafte Risikogewichte im Vergleich zu einer klassischen Corporate-Finanzierung. Den etablierten und wachsenden Auto-ABS-Märkten in Japan und Australien stehen noch junge, aber sehr dynamische Länder mit großem Potential gegenüber.
Der gesamte Verbriefungsmarkt in China feiert dieses Jahr erst sein 20-jähriges Bestehen. Dennoch zählt er mit einem Volumen von ungefähr 400 Milliarden Yuan (etwa 50 Milliarden Euro) im Jahr 2023 bereits zu einem der größten weltweit, musste aber in den zurückliegenden Jahren herbe Rückschläge im Emissionsvolumen hinnehmen, die nicht nur der Pandemie geschuldet sind.
Deutsche Autobauer sind aktiv im ABS-Segment
Dennoch sind die deutschen Auto-Emittenten mit rund 350 Milliarden Yuan (etwa 45 Milliarden Euro) öffentlichen Transaktionen seit 2014 unter den Aktivsten im chinesischen Auto-ABS-Segment. Zudem zeigen sie ihre Innovationskraft, beispielsweise mit dem kürzlich an den Markt gebrachten ABS-Bond von Mercedes-Benz, der als Erster mit elektrischen Autos unterlegt ist.
Spannend dürfte in den nächsten Jahren die Frage sein, welchen Einfluss höhere Finanzierungs-Penetrationsraten und unsichere Restwertentwicklungen von Elektroautos auf die ABS-Emissionstätigkeit in Asien haben und ob sich in stark wachsenden Auto-Märkten wie Südkorea mehr Emittenten über Verbriefungen finanzieren werden.
Autor
Nico Popp
Nico Popp ist Head of Corporate Coverage Northern Europe bei Mizuho in Frankfurt am Main.
John Yuan
John Yuan ist Firmenkundenbetreuer für den Automobilsektor bei Mizuho in Frankfurt am Main.