In Auslandsmärkten nachhaltig finanzieren

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Der Snackproduzent Lorenz ist ein international aktives deutsches Unternehmen mit etwa 3.000 Mitarbeitern. Wo immer es möglich ist, bezieht der Traditionskonzern Rohstoffe direkt von seinen Vertragspartnern in den jeweiligen Ländern vor Ort. So stammen beispielsweise die Kartoffeln für die Chips-Produkte seit jeher überwiegend aus der Nähe der jeweiligen Produktionsstätten. Auch bei anderen Rohstoffen wie Cashew- oder Erdnüssen ist es bei Lorenz fester Bestandteil der Beschaffungsstrategie, den direkten Kontakt zu den Lieferanten vor Ort zu suchen, um langfristige Partnerschaften aufzubauen. Seit Mitte 2022 hält Lorenz eine Mehrheit an seinem Lieferanten und Erdnussverarbeiter in Südafrika.

Die Lorenz-Gruppe will langfristig die Lebensumstände von Menschen in den Ursprungsländern ihrer Rohstoffe stärken und globale Herausforderungen wie den Klimawandel aktiv angehen. Im Jahr 2022 ist das Familienunternehmen daher der Science Based Targets Initiative (SBTI) beigetreten und hat sich dazu verpflichtet, Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Bis 2050 will das Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Netto-Null-Treibhausgasemissionen erreichen.

Wie Lorenz im Ausland produziert und finanziert

Um Fortschritte in anspruchsvollen Auslandsmärkten wie Südafrika oder Indien zu erzielen, nutzt Lorenz Finanzierungen aus den Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In Südafrika hat das Familienunternehmen mit einer Auslandsfinanzierung über 2,2 Millionen Euro die bestehende Produktionsstätte von Erdnüssen modernisiert. Das unbesicherte Darlehen hat eine Laufzeit von sieben Jahren, zwei davon sind tilgungsfrei.

Ein besonderer Fokus liegt auf der stärkeren Einbeziehung von Kleinbauern und der Förderung nachhaltiger Anbaumethoden in der Lieferkette. Dazu gehören auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Saisonarbeiter. Dies wird durch ein Arbeitsaudit verifiziert, das an beiden Standorten der Vorproduktion in Indien und Südafrika durchgeführt wird. Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt auf der Einführung eines nachhaltigen Managementsystems für die Lieferkette, um die Rückverfolgbarkeit der lokal bezogenen Erdnüsse zu verbessern.

Mit Auslandsfinanzierungen ESG-Ziele umsetzen

In Indien baut Lorenz mit Hilfe einer weiteren Auslandsfinanzierung eine neue Produktionslinie auf. Dabei handelt es sich um „Ready-to-Use Therapeutic Food“ (RUTF), also gebrauchsfertige, therapeutische Nahrung. RUTFs lassen sich leicht verteilen und sollen akute Mangelernährung in Krisengebieten lindern. Zu den Abnehmern zählen insbesondere Organisationen wie das World Food Programme und Unicef. 

Lorenz produziert in der RUTF-Produktlinie in Indien eine nährstoffreiche Erdnusspaste, die mit Vitaminen und Mineralien angereichert ist. Das Familienunternehmen bezieht dafür unter anderem Erdnüsse von einer regionalen Genossenschaft, die aus etwa 700 Bauern besteht. Die Kooperation mit lokalen Produzenten unterstützt die Kleinbauern in der Region und ermöglicht eine verbesserte Rückverfolgbarkeit der Lieferkette. Und es werden 30 lokale Arbeitsplätze geschaffen. Dafür hat Lorenz ein Darlehen über 1,3 Millionen Euro aufgenommen. Bei einer Laufzeit von sieben Jahren sind zwei tilgungsfrei, und die Mitgliedschaft bei der SBTI hat den Zins signifikant gesenkt.

Die Auslandsfinanzierungen helfen den Neu-Isenburgern dabei, ihre internationalen Ambitionen zu verwirklichen und hohe Standards in sozialen und ökologischen Belangen zu setzen. So gehen Wirtschaft und Nachhaltigkeit Hand in Hand.

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