Viele überwiegend international agierende Mittelständler sind heute nicht nur mit neuen und wechselnden geopolitischen Herausforderungen konfrontiert. Sie müssen gleichzeitig auch ihr Geschäftsmodell an die Anforderungen der Klimaneutralität anpassen. Die damit verbundene Transformation ist kein neues Thema: In den vergangenen 100 Jahren ist der deutsche Mittelstand durch diverse Veränderungen gegangen, darunter einen Weltkrieg und eine Wiedervereinigung.
Die sich teilweise schnell verändernden Transformationserfordernisse sind risikoseitig jedoch durchaus eine Herausforderung. Ein wichtiger Baustein der Zukunftsfähigkeit ist zweifelsohne das Thema ESG. Es existieren zahlreiche Finanzierungslösungen für den Klimaschutz, die den deutschen Mittelstand bei der Nachhaltigkeitstransformation unterstützen.
Förderbanken oft im Lead
Bereitgestellt werden diese nicht zuletzt von den hiesigen Förderbanken. Für Industriekunden besonders attraktiv ist der Ansatz, Sektorexpertise und ESG-Beratung zu kombinieren. So können die regulatorisch durch die CSRD-Richtlinie gestellten Anforderungen in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie integriert werden, um sich so vom Wettbewerb abzuheben. Finanzierungsbedarfe und mögliche Zuschussoptionen können abgeleitet und maßgeschneiderte Finanzierungslösungen umgesetzt werden.
Auf Bankenseite sind die im weiten Sinne transformationsrelevanten Finanzierungsthemen vielschichtig und reichen von der Einbindung industrieerfahrener Sektorspezialisten für eine Vielzahl von Branchen über die Bereitstellung aller finanzierungsrelevanten Produktalternativen, wie beispielsweise Schuldscheindarlehen, eigenrefinanzierte Darlehen oder Förderdarlehen sowie Projekt- und Exportfinanzierungen (in bilateraler oder konsortialer Ausgestaltung), und münden schließlich in diversen Beratungsangeboten, wie der Zuschussberatung, der Energieberatung oder der Begleitung als ESG-Berater.
Alle Stakeholder einbinden
Neben inländischen Märkten sind auch die ausländischen Märkte und Produktionsstandorte regelmäßig Teil des Strategieprozesses. Und häufig ist es eine intelligente Option, deutsche Fördermittel für Auslandsinvestitionen zu nutzen. Ein Beispiel ist der britische Verpackungshersteller DS Smith, der in die Modernisierung seines Produktionsstandortes in Italien investiert und hierfür ein zinsvergünstigtes KfW-Darlehen in Höhe von 200 Millionen Euro in Anspruch genommen hat.
Dieses Darlehen wurde als grüner Konsortialkredit arrangiert. Das Vorhaben wurde dank der Vielzahl signifikanter Umweltschutzeffekte vom Projektträger und Umweltministerium als besonders förderungswürdig eingestuft, so dass die förderprogrammbezogene Kreditobergrenze um ein Achtfaches ausgedehnt wurde. Grundlage für den großvolumigen und komplexen Fördermittelkredit waren die detaillierten und nachweislich belegbaren Umwelt-, Ressourcen- und Energieeinspareffekte sowie der grenzüberschreitende Nachhaltigkeitstransfer innerhalb Europas.
Für eine erfolgreiche Finanzierung ist die koordinierte Einbindung und Steuerung aller Stakeholder erforderlich. Wichtig dabei sind die standort- und länderübergreifende Abstimmung zwischen Antragsteller, Investor und den technischen Projektverantwortlichen sowie ein tiefes Verständnis der förder- und sektorspezifischen Anforderungen inklusive der beihilferechtlichen Vorgaben. Die dann passgenaue Strukturierung und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Bankenkonsortium runden das Gelingen der Finanzierung ab.
Autor
Jens Fröhlich
Jens Fröhlich ist Bereichsleiter Public Loans, Sector & Transformation Advisory bei der IKB Deutschen Industriebank AG in Düsseldorf.