Das Baukasten-Prinzip

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Der Entscheidungsprozess bei der Absicherung von Währungsrisiken ist vielschichtig – nicht nur im operativen Geschäft. Häufig spielen bei der Wahl der Sicherungsinstrumente eher subjektive Faktoren eine Rolle. Dazu zählen beispielsweise individuelle Einschätzungen zur weiteren Währungsentwicklung oder eine einseitige Kostenbetrachtungen der Absicherung, losgelöst vom damit verbundenen ökonomischen Gesamtprofil. Um den Prozess der Währungsabsicherung objektiver zu gestalten, kann auf quantitative Entscheidungskriterien zurückgegriffen werden.

Ein wichtiger Grundbaustein eines solchen zahlenfundierten Ansatzes ist die Analyse, wie stark und nachhaltig Währungen von ihrem fairen Wert abweichen. Darauf aufbauend lässt sich in einem nächsten Analyseschritt untersuchen, wie hoch die Absicherungskosten im Vergleich zum Währungsrisiko sind und welche Instrumente – Termingeschäfte oder Optionen – bei einer objektiven Kosten-und-Risiko-Abwägung ökonomisch die attraktivere Alternative darstellen.

Modelle geschickt kombinieren

Für diese Währungsbewertung existieren mehrere Modelle, die auf verschiedenen Ansätzen beruhen. Einer der bekannteren dreht sich um die sogenannte Kaufkraftparität. Vereinfacht formuliert, basiert dieser Ansatz auf der Annahme, dass ein repräsentativer Warenkorb in zwei verschiedenen Währungszonen den gleichen Wert hat. Preisdifferenzen würden folglich über eine entsprechende Anpassung der Wechselkurse über kurz oder lang ausgeglichen, um Arbitragegewinne zu eliminieren.

Doch wie andere Modelle hat auch dieser Ansatz seine Schwächen. So werden lokale Knappheiten, Zölle, Transportkosten, Steuern oder auch politische Faktoren nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Daher ist es sinnvoll, mehrere Modelle miteinander zu kombinieren. Weitere nützliche Perspektiven liefern beispielsweise das „Behavioural Effective Exchange Rate“-Modell und das „Financial Effective Exchange Rate“-Modell. Im Gegensatz zum Kaufkraftparitäten-Modell bieten diese einen mittel- bis kurzfristigen Bewertungsansatz und können so eine gute Ergänzung sein.

Absicherungskosten ermitteln

Hat man auf dieser Basis die Abweichung vom fairen Preis sowie die Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden Kurskorrektur erfasst, lassen sich im nächsten Schritt die Absicherungskosten ermitteln. Das kann beispielsweise bei Termingeschäften durch die Kalkulation von Terminaufschlägen erfolgen, die sich aus den Zinsdifferenzen der einzelnen Währungen ergeben.

Auf diese Weise kann abgeschätzt werden, inwieweit die Absicherung ökonomisch sinnvoll ist. So kann ein zunächst naheliegendes Termingeschäft bei einer für das Unternehmen unvorteilhaften Abweichung des Terminkurses vom „fairen“ Währungswert und einer gleichzeitig hohen Wahrscheinlichkeit einer positiven Kursentwicklung letztlich doch unattraktiv sein. In solch einem Szenario wäre dann für das Unternehmen der Abschluss einer Versicherung in Form eines Optionskaufs oftmals ökonomisch sinnvoller.

Um zu ermitteln, ob entsprechende Optionsprämien das tatsächliche Währungsrisiko korrekt widerspiegeln, können in einem weiteren Schritt analytische Modelle den Unternehmen als wertvolle Entscheidungshilfe dienen.

Unter Zuhilfenahme des beschriebenen Analyse-Baukastens lässt sich letztendlich ein an die Bedürfnisse des einzelnen Unternehmens angepasster Entscheidungsbaum erstellen, mit dem im Unternehmen eine schnelle, objektive und quantitativ nachvollziehbare Sicherungsentscheidung getroffen werden kann.

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