Emissionshandel auf dem Weg zum globalen Trend

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Seit fast 20 Jahren werden in Europa Emissionsrechte gehandelt. Anfangs schwankten die CO2-Preise noch stark, gerade im Nachgang der Finanz- und der Euro-Krise, doch der Trend hat sich in den vergangenen Jahren geändert: So stiegen die Preise von Emissionsberechtigungen der Europäischen Union (EU) von 10 Euro Anfang 2018 zeitweise bis auf über 100 Euro pro Tonne im Jahr 2023. Auch wenn sich die Preise seitdem etwas abgeschwächt haben und in der ersten Hälfte des Jahres 2024 im Schnitt bei etwa 66 Euro lagen, ist die Zeit niedriger CO2-Preise vorbei. Dies gilt mittlerweile nicht nur für Europa, sondern weltweit.

Europäisches CO2-Grenzausgleichssystem 

Mit dem Klimagesetz hat die EU das Ziel der Treibhausgasneutralität oder Net Zero bis 2050 verbindlich festgelegt und damit den Zielpfad der Dekarbonisierung in Europa definiert. Um dies zu erreichen, wurden die Klimaziele für 2030 verschärft. Daneben hat die EU nach dem ersten europäischen Emissionshandel (EU Emissions Trading System, ETS) ein zweites Handelssystem für Straßenverkehr und Gebäude, das sogenannte EU ETS 2, beschlossen.

Zudem hat sie entschieden, ein CO2-Grenzausgleichssystem einzuführen, bekannt als Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Ziel ist es, mit dem CBAM die Treibhausgasemissionen von importierten Gütern zu bepreisen und damit faire Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmenden, auch Level Playing Field genannt, für die europäische Industrie zu schaffen.

Carbon Pricing ist weltweit auf dem Vormarsch

Daneben setzt der CBAM eine Diskussion in weiteren betroffenen Ländern in Gang. So hat sich beispielsweise die Türkei entschlossen, ein Emissionshandelssystem einzuführen. Carbon Pricing ist kein rein europäischer, sondern ein globaler Trend. Im Jahr 2024 haben 75 Staaten und Regionen CO2-Emissionen bepreist. Dies gilt beispielsweise für die Schweiz, Großbritannien und Kalifornien, aber auch für Länder wie China oder Südkorea. 194 Nationen und die EU haben das Pariser Abkommen unterzeichnet. Etwa die Hälfte davon plant, marktbasierte Ansätze zu nutzen.

Carbon Pricing könnte künftig eine Schlüsselrolle dabei spielen, Anreize für Investitionen in kohlenstoffarme Technologien und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu setzen. Neben den staatlich regulierten Märkten helfen besonders in Schwellenländern freiwillige Verpflichtungen im Rahmen des Voluntary Carbon Market, privates Kapital im Kampf gegen den Klimawandel zu mobilisieren.

Emissionshandel hilft bei Finanzierung der Dekarbonisierung

Die Dekarbonisierung erfordert erhebliche Investitionen. Angesichts beschränkter Mittel der öffentlichen Haushalte spielt die Auktion von Emissionsrechten eine wichtige Rolle, um diese Ausgaben zu finanzieren. Im Jahr 2023 nahmen die EU-Staaten etwa 40 Milliarden Euro durch die Versteigerung der Emissionsberechtigungen ein. Allein Deutschland erzielte im Jahr 2023 Einnahmen in Höhe von 18 Milliarden Euro aus Erlösen im nationalen und im EU-Emissionshandel.

Aus einer Nische hat sich so ein Markt mit einem globalen Handelsvolumen von etwa 900 Milliarden Euro entwickelt. Hohe Preise und die starke Volatilität bringen Herausforderungen für Unternehmen mit sich. Eine strategische Ausrichtung und das Management von CO2-Risiken sind daher essentiell und ein Erfolgsfaktor für Unternehmen, in Europa und weltweit.

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