Working Capital im Griff

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Working Capital Management zählt zu den wirksamsten Hebeln, um Liquidität zu sichern und den finanziellen Spielraum des Unternehmens zu erweitern. Anders als aufwendige Restrukturierungsmaßnahmen oder die Inanspruchnahme externer Finanzierungslinien lassen sich oft durch gezielte Prozessoptimierungen, wie etwa verbesserte Eingangsrechnungsprozesse oder ein konsequentes Mahnwesen, spürbare Effekte erzielen.

Solche Maßnahmen verbessern nicht nur die relevanten Working-Capital-Kennzahlen, sondern schaffen zugleich die Grundlage für eine langfristig tragfähige Finanzierungsstrategie. In kürzester Zeit lassen sich so oft Millionen mobilisieren.

Drei Maßnahmen für den Einstieg

Zunächst sollten Unternehmen daher interne Prozesse optimieren. So können etwa eine automatisierte Rechnungsprüfung, klar definierte Mahnabläufe und eine schnellere Klärung von Streitfällen im Order-to-Cash-Prozess helfen, Außenstände zügiger einzuziehen. Im Purchase-to-Pay-Bereich verhindern abgestimmte Freigabeverfahren und der Verzicht auf verfrühte Zahlungen unnötigen Liquiditätsverlust.

Entscheidend ist zudem eine gut etablierte Governance. Erfolgreiche Unternehmen verankern Liquidität als gemeinsame Verantwortung von Finance, Vertrieb, Einkauf und Operations. Zentrale KPIs wie Days Sales Outstanding (DSO), Days Payables Outstanding (DPO) oder Days Inventory Outstanding (DIO) fließen in Dashboards und Zielsysteme ein und entwickeln sich so von reinen Finanzkennzahlen zu Steuerungsgrößen.

Der dritte operative Hebel sind digitale Tools. Echtzeit-Dashboards schaffen Transparenz, Robotic Process Automation reduziert Fehler, und durch Künstliche Intelligenz gestützte Analysen prognostizieren Zahlungsverhalten und beschleunigen den Zahlungseingang.

Working-Capital-Finanzierungen nutzen

Auf dieser Grundlage eröffnen sich weitere Potentiale durch Working-Capital-Finanzierungen wie Receivables Finance, Supply Chain ­Finance oder Post-Maturity-Modelle. Diese Instrumente verstärken die Wirkung operativer Ver­besserungen und tragen dazu bei, den Erfolg nachhaltig abzusichern.

Receivables Finance (Forderungsverkauf) umfasst verschiedene Ausgestaltungen: vom klassischen Factoring und Forfaitierungen über plattformbasierte Programme bis hin zu Asset-Backed-Securities-Strukturen. Meist handelt es sich um einen regresslosen Forderungsverkauf, mit oder ohne Absicherung über Warenkreditversicherungen. Vorteile sind eine schnellere Liquidität durch reduzierte DSO, der Schutz vor Zahlungsausfällen und die Bilanzoptimierung.

Supply Chain Finance (SCF) ermöglicht Lieferanten, sich Rechnungen durch einen Finanzierungspartner frühzeitig auszahlen zu lassen, während der Abnehmer erst zum regulären Fälligkeitsdatum zahlt. Vorteile für den Abnehmer sind meist die Erhöhung der DPO, eine nachhaltige Optimierung der Passivseite sowie eine gestärkte Lieferantenbeziehung.

Darüber hinaus ermöglicht Post Maturity Financing die pünktliche Bezahlung der Lieferanten, während ein Zahlungsdienstleister dem Abnehmer ein verlängertes Zahlungsziel einräumt. Ein solches Finanzierungsinstrument kann schnell implementiert werden, bietet direkte Cashflow-Effekte und es bedarf keines Lieferanten-Onboardings.

Ob Forderungsverkauf oder SCF – ihren vollen Nutzen entfalten die Instrumente erst in Kombination mit operativer Exzellenz. Effiziente Prozesse bilden die Grundlage, Finanzierungslösungen verstärken gezielt die Wirkung. Wer beides miteinander verbindet, kann das Working Capital als echten Wettbewerbsvorteil etablieren.

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