Asset Finance unter Regulierungsdruck

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Seit der Eisenbahnreformen und der Marktöffnung für private Betreiber hat sich der Leasingmarkt aus einer kleinen Nische zu einer der wesentlichsten Beschaffungsformen von Loks und Waggons in Europa entwickelt. Verglichen mit anderen mobilen Asset-Märkten, wie Schiffen oder Flugzeugen, ist der Leasinganteil aber immer noch unterdurchschnittlich. Doch der Anteil wächst beständig, etwa getrieben von Bilanzoptimierungen bei den staatlichen Betreibern.  

Parallel ist ein attraktiver Markt für Leasingfinanzierungen entstanden. Hierbei wird besonders auf die Werthaltigkeit der Assets sowie einen funktionierenden Zweitmarkt abgestellt. Das ermöglicht die Bereitstellung von langfristigen Finanzierungen für einen Pool solcher Assets – unabhängig von der Bonität des einzelnen Betreibers. Voraussetzung ist, dass die finanzierenden Banken ihren Zugriff auf die Assets in den jeweiligen Ländern rechtlich durchsetzen können.

Allerdings steigen aktuell die Kosten für diese langjährig verprobte Finanzierungsform. Das liegt zum einen an der voranschreitenden Regulierung, etwa durch Basel IV, und zum anderen an der grenzüberschreitenden Nutzung der Assets, die multiple Sicherheitenbestellungen notwendig macht. Dabei wären niedrigere Kosten vonnöten, weil sie zu besseren Finanzierungskonditionen und damit zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit des Eisenbahnmarktes insgesamt führen.   

Basel IV treibt Risiken

Durch die Kapitalanforderungen von Basel IV wird in der Unternehmensfinanzierung nun zwischen Small Corporates und Large Corporates unterschieden. Konnten die finanzierenden Banken bisher immer die Sicherheit in den internen Risikomodellen eigenkapitalmindernd geltend machen, ist dies nun auf Small Corporates mit einem konsolidierten Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro beschränkt.

Aus Sicht des Unternehmens bedeutet dies, dass tendenziell die Finanzierungskosten steigen beziehungsweise die Anreize zunehmen, dann auf unbesicherte Finanzierungen zu setzen. Unternehmen und Kreditinstitute werden also dazu gedrängt, etablierte Finanzierungsformen mit einem Rückgriff auf die Sachsicherheit zu ersetzen – zugunsten von unbesicherten oder eher Cashflow-getriebenen, risikoreicheren Finanzierungsformen mit daraus resultierenden höheren Kosten. Ist dies eine sinnvolle Auswirkung der Regulatorik? 

Luxemburg-Protokoll als Lösung

Kosten spielen auch bei der zweiten aktuellen Entwicklung eine wichtige Rolle. Das zu finanzierende Rollmaterial wird immer stärker grenzüberschreitend eingesetzt, was die Effizienz und Attraktivität des Eisenbahntransports steigert. Allerdings fehlen bisher ein zentrales Asset-Register und ein einheitlicher Rechtsrahmen in Europa. Das führt zu komplexen und teuren Sicherheitenbestellungen in unterschiedlichen Ländern, was das Interesse der Kapitalmärkte reduziert.  

Eine Lösung bietet das Luxemburg-Protokoll, ein globales Abkommen, das sich an der Cape Town Convention für die Flugzeugfinanzierung orientiert. Vorteile dieses einheitlichen Rechtsrahmens sind die einmalige Bestellung der entsprechenden Sicherheit an dem Rollmaterial und die zentrale Registrierung unabhängig vom jeweiligen Einsatzort. Bisher wurde dieses Protokoll jedoch nur von wenigen europäischen Ländern wie Schweden und Spanien ratifiziert. Größere Länder mit grenzüberschreitendem Verkehr fehlen leider noch, darunter Deutschland.

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SF Themen