Die geopolitisch angespannte Situation und die Handelspolitik der Trump-Regierung sorgen weiterhin für Volatilität an den Zinsmärkten. Das veranlasst Anleiheemittenten, darüber nachzudenken, wie man Unsicherheit reduziert und die Planbarkeit von Zinskosten gewährleistet.
Anleiherenditen bestehen aus einem Marktzins und einem Risikoaufschlag. Bei Euro-Bonds ist der Marktzins der gängige Swapsatz für die Anleihelaufzeit („Midswap“). Dieser kann durch einen Zinsswap gesichert werden, der zum geplanten Emissionszeitpunkt beginnt.
Im Swap zahlt der Emittent einen Festsatz und erhält variable Zinsen, zum Beispiel auf Grundlage des Euribor. Steigen die Zinsen an, ist der Swapwert für den Emittenten positiv; fallen sie, ist er negativ.
Dies neutralisiert Bewegungen in der erwarteten Anleiherendite. Zum Emissionszeitpunkt wird der Zinsswap aufgelöst und der Marktwert ausgetauscht. Emittenten grenzen anschließend buchhalterisch den positiven oder negativen Marktwert über den Zeitraum der Anleihe ab.
Lock statt Swap
Wird als Marktzins die Rendite von Staatsanleihen genutzt, wie etwa in Großbritannien oder den USA, nutzen Emittenten statt Swaps sogenannte Locks, um den Marktzins zu fixieren. Hierbei sichert eine Bank die Rendite der relevanten Staatsanleihe und verpflichtet sich, zum Emissionszeitpunkt den positiven oder negativen Marktwert an den Emittenten weiterzureichen.
Solche Pre-Issuance Hedges sind seit geraumer Zeit bekannt, wurden jedoch in der Niedrigzinsperiode selten genutzt. Seit dem Zins- und Volatilitätsanstieg ab 2022 gewinnt das Thema jedoch deutlich an Relevanz. Pre-Issuance Hedging ist daher aktuell Teil bei fast jedem Finanzierungsgespräch mit Unternehmen.
Ob es tatsächlich zur Umsetzung kommt, hängt von einer Vielzahl quantitativer und qualitativer Faktoren ab. Quantitativ wird oft anhand impliziter Volatilitäten von Optionen die maximal erwartbare Zinsbewegung bis zur Emission geschätzt. Hieraus leitet sich ein Value at Risk ab. Ist dieser zu hoch, kann eine Zinssicherung Sinn machen.
Qualitativ hilft oftmals bereits ein Blick in den Kalender: Liegt die Emission etwa nahe an Leitzinsentscheidungen oder der Bekanntgabe von Arbeitsmarkt- oder Inflationszahlen, ist ein volatiles Marktumfeld zu erwarten. Eine Fixierung des Marktzinses kann dann sinnvoll sein.
Pre-Issuance Hedges vermehrt bei M&A-Deals
Pre-Issuance Hedges werden auch oft „intraday“ gehandelt. Hierbei wird erst zum Emissionsdatum und nach Emissionsverkündung der Marktzins durch Hedges fixiert. Beobachten lässt sich dies oft in Phasen hoher Volatilität; vor 2022 war dieses Vorgehen noch eher ungewöhnlich.
Auch in M&A-Situationen finden Pre-Issuance Hedges vermehrt Anwendung. Ist nach dem Closing der Übernahme eine Anschlussfinanzierung geplant, ist es möglich, das Zinsrisiko im Vorfeld abzusichern. Das dient der Profitabilitätssicherung in Übernahmeprozessen.
Parallel wird häufig die Absicherung im „Deal Contingent“-Format diskutiert und umgesetzt. Hierbei erlischt der Pre-Issuance Hedge ohne Marktwertausgleich, falls es nicht zum Abschluss der Übernahme kommt. Die Gewinn- und Verlustrechnung wird so nicht durch eine Absicherung belastet.
Das Zinsumfeld bleibt weiterhin spannend und stellt Emittenten vor Herausforderungen. Durch frühzeitiges und aktives Managen von Zinsrisiken mittels Pre-Issuance Hedges können diese gezielt gesteuert werden. Um durch stürmische Märkte zu navigieren, haben daher viele Treasury-Abteilungen Pre-Issuance Hedging im Werkzeugkasten.
Autor
Luis Stubbe
Luis Stubbe ist Mitglied der Risk Solutions Group bei der Barclays Investment Bank in Frankfurt am Main.
Maximilian Richter
Maximilian Richter ist Mitglied der Risk Solutions Group bei der Barclays Investment Bank in Frankfurt am Main.