Liquidität sichern in unsicheren Zeiten

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

In einem Marktumfeld, das von geopolitischer Unsicherheit und regulatorischen Veränderungen geprägt ist, rückt das Liquiditätsmanagement für Unternehmen zunehmend in den Fokus. Zwar sind die Einlagenzinsen nicht mehr auf dem Tiefpunkt, doch sie bleiben häufig unter dem Niveau der Einlagenfazilität der Europäischen Zentralbank (EZB). Gleichzeitig haben die Ereignisse rund um die Silicon Valley Bank und Credit Suisse gezeigt, dass auch vermeintlich stabile Institute Risiken bergen. Für Corporate Treasurer stellt sich daher die Frage: Wie lässt sich Liquidität sicher, flexibel und renditeorientiert steuern?

LVNAV-Fonds („Low Volatility Net Asset Value“) gelten als mögliche Antwort. Sie wurden im Rahmen der EU-Geldmarktfondsverordnung eingeführt und kombinieren tägliche Verfügbarkeit mit einem stabilen Anteilspreis. Dieser bleibt unter normalen Marktbedingungen konstant bei einem Euro – solange der Marktwert des Portfolios nicht mehr als 20 Basispunkte nach unten oder oben abweicht. Liegt die Abweichung darüber, muss der Fonds auf ein variables Preismodell umstellen. Diese Preisbandbreite schafft ein hohes Maß an Planungssicherheit für Treasurer.

Weniger Klumpenrisiken

LVNAV-Fonds bilden einen Mittelweg zwischen Fonds mit konstantem Anteilspreis und Fonds mit vollständiger Marktwertbewertung. Für Trea-surer bieten sie eine Balance aus stabilen Preisen und höherer Rendite. Sie investieren ausschließlich in kurzfristige, liquide und bonitätsstarke Instrumente wie Commercial Papers, Termingelder und Staatsanleihen. Papiere mit Laufzeiten unter 75 Tagen werden zu amortisierten Kosten bewertet, längere Laufzeiten zum Marktwert. Regulatorisch müssen mindestens 10 Prozent des Fondsvolumens täglich und 30 Prozent wöchentlich verfügbar sein. Zusätzlich gelten Diversifikationsvorgaben und regelmäßige Stresstests.

Ein zusätzlicher Aspekt, den viele Treasurer beim Liquiditätsmanagement berücksichtigen, ist das Kontrahentenrisiko. Während Bankeinlagen oft bei wenigen Instituten konzentriert sind, streuen LVNAV-Fonds ihre Mittel breiter über verschiedene Emittenten, Branchen und Länder. Das kann helfen, Klumpenrisiken zu verringern, gerade wenn einzelne Banken unter Druck geraten. Viele Fondsanbieter integrieren inzwischen ESG-Kriterien und interne Bonitätsprüfungen, was die Resilienz gegenüber Einzelrisiken zusätzlich stärkt. Dennoch bleibt Diversifikation ein relativer Schutz: Auch Fondsmanager müssen sich laufend neuen Bewertungen stellen.

Herausfordernde Verwaltung

Zwar bieten LVNAV-Fonds durch ihre konservative Struktur meist etwas weniger Rendite als dynamischere Strategien mit schwankendem Anteilspreis, doch liegen viele auf oder leicht über dem Einlagensatz der EZB. Die Kombination aus Preisstabilität, regulatorischer Transparenz und täglicher Liquidität macht sie besonders dann attraktiv, wenn Sicherheit und Effizienz im Vordergrund stehen.

Nicht zu unterschätzen ist aber das operative Handling. Gerade bei Unternehmen mit vielen Tochtergesellschaften kann die Verwaltung von Geldmarktfonds zunächst komplex erscheinen, etwa bei der Eröffnung von Fondsanteilskonten oder dem täglichen Ordering. Digitale Cash-Portale bieten hier eine praktikable Lösung: Sie ermöglichen eine zentrale Steuerung, automatisierte Prozesse und eine transparente Übersicht über alle Einheiten hinweg.

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