Treasury im Wandel

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Die Rolle der Treasurer wandelt sich rasant. Zwischen Geopolitik, volatilen Wechselkursen, Zinszyklen und schärferer Regulierung werden sie zu strategischen Partnern der Unternehmensführung. Eine aktuelle internationale Befragung der Unternehmensberatung PwC mit mehr als 350 Treasury-Verantwortlichen zeigt, worauf es jetzt ankommt.

Demnach steht das Cash- und Liquiditätsmanagement (CLM) auf der Prioritätenliste der deutschen Treasurer weiterhin ganz oben, gefolgt von externer Finanzierung sowie den finanziellen Risiken. Bei der Frage nach den Zeitaufwänden klafft eine Lücke zwischen der Zeit für strategische Aufwände und den reellen manuellen Aufwänden: In Deutschland nennen 36 Prozent die Fremdfinanzierung als wichtigsten strategischen Aufwand, gefolgt von Bank Relationship Management (BRM) und CLM mit je 20 Prozent. Im Gegensatz dazu verursacht das Cashflow Forecasting (CFF) bei rund einem Drittel der Befragten den größten manuellen Aufwand.

Klare Verantwortlichkeiten schaffen

Die Ursachen sind datengetrieben. 53 Prozent der deutschen Befragten nennen ungenaue Prognosen als zentrale Herausforderung in der Treasury-Organisation, 24 Prozent bemängeln den Zugang zu verlässlichen Informationen. Ohne konsistente, verfügbare Daten bleibt das Forecasting anfällig – mit Folgen für Disposition, Finanzierung und Liquiditätsrisiko.

Abhilfe schaffen klare Verantwortlichkeiten, ein bereichsübergreifender Zugang zu Planungsdaten, standardisierte Schnittstellen und ein enger Dialog zwischen Treasury, operativen Einheiten, Controlling und IT. Je sauberer Datenflüsse und Prozesse aufgesetzt sind, desto weniger manuelle Abstimmungen sind nötig – und desto mehr Zeit bleibt für Steuerung und Analyse.

Auch im Financial Risk Management steigt der Druck auf das Treasury. 85 Prozent sehen Währungsrisiken als größtes finanzielles Risiko. Über ein Drittel der in Deutschland Befragten erfassen Exposures noch manuell, ein weiteres Drittel in Inhouse- oder Drittsystemen. Das kostet Zeit, erschwert Konsistenz in der Treasury-Organisation und erhöht die Fehleranfälligkeit. Gefragt sind integrierte Lösungen, die Daten unternehmensweit konsolidieren, Regeln automatisiert anwenden und Transparenz nahezu in Echtzeit schaffen.

FX-Risiken im Fokus

Hoch im Kurs stehen bei Treasurern Ansätze zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz: 74 Prozent nutzen solche Ansätze bereits oder planen ihren Einsatz – vor allem in den Bereichen von Machine Learning und bei der prädiktiven Analytik. Anwendungsfelder reichen von robusteren Forecasts über Dokumentenanalyse, -erstellung und -prozessierung im Trade Finance bis zur Anomalieerkennung in Transaktionen sowie der automatisierten Rechnungsverarbeitung.

Gleichzeitig ist die Reife noch gering: 23 Prozent bewerten die KI-Fähigkeiten als mäßig ausgereift, nur 3 Prozent als voll integriert. Der Sprung aus der Pilotphase verlangt klare Use Cases, qualifizierte Teams und eine belastbare Governance. Parallel gewinnen ausgelagerte Betriebsmodelle an Bedeutung. Operative Aufgaben werden über Managed Services skaliert – etwa e-BAM, Payment Factories oder kurzfristige Liquiditätssteuerung. Ziel ist es, manuelle Lasten in CFF, BRM und BAM zu senken und Kapazität für priorisierte Felder wie CLM zu schaffen.

Die Befragung verdeutlicht: Wer Datenqualität und -zugang verbessert, Prozesse integriert und Technologien gezielt einsetzt, gewinnt an Geschwindigkeit und Resilienz. Treasury-Einheiten, die Ressourcen konsequent von Routine auf Steuerung und Wertbeitrag verlagern, sichern die finanziellen Spielräume ihres Unternehmens.

Autor