Der Deutsche Bundestag schaffte im März 2025 die gesetzliche Grundlage für ein Sondervermögen von über 500 Milliarden Euro für zusätzliche kreditfinanzierte Investitionen in Infrastrukturvorhaben. Eines der Ziele des geschaffenen Vermögenstopfes ist es, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen.
Doch nicht nur in Deutschland muss in Infrastrukturvorhaben investiert werden. In ganz Europa besteht enormer Bedarf an der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen. Besonders der Bahnsektor steht hier aufgrund seines möglichen Beitrags zur Erreichung der Emissionsziele im Fokus. Konkrete Beispiele sind die Elektrifizierung bislang dieselbetriebener Regionalstrecken sowie der Ausbau grenzüberschreitender Hochgeschwindigkeitskorridore, die Fahrzeiten verkürzen und Kurzstreckenflüge ersetzen können.
Nachhaltige Finanzierungsmodelle sind gefragt
Bei der Umsetzung von Projekten dieser Größenordnung werden nachhaltige Finanzierungsmodelle eine immer zentralere Rolle spielen und entsprechend nachgefragt werden. Finanzinstitute haben bereits vor Jahren damit begonnen, ihr Portfolio zunehmend nachhaltiger zu gestalten. Damit die umzusetzenden Investitionen von Banken ideal unterstützt werden können, bedarf es jedoch Anstrengungen auf Seiten aller involvierten Projektparteien.
Die Grundlage für nachhaltige Aktivitäten in Europa bildet die EU-Taxonomie, ein Klassifikationssystem, das festlegt, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten. Sie verlangt messbare Auswirkungen und überprüfbare Nachweise in vordefinierten Kategorien, abhängig von der Art der Investition. Nur so können Investitionen als Taxonomie-konform eingestuft und entsprechend finanziert werden.
Auch am Kapitalmarkt hat das Interesse an nachhaltigen Finanzierungen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Banken bauen ihr Angebot kontinuierlich aus und begleiten Unternehmen bei der grünen Transformation. So wurden etwa Green Bonds nach dem EU Green Bond Standard zur Finanzierung von Schienenfahrzeugen und Netzinfrastruktur begeben, ebenso wie Sustainability-linked Loans, deren Zinsmargen an messbare Emissionsreduktionen oder Energieeffizienzkennzahlen gekoppelt sind.
Datenqualität entscheidend
Um diese Entwicklung zu fördern, ist es entscheidend, dass die Datenqualität bezüglich Nachhaltigkeit bei den zu finanzierenden Projekten prüffähig, aktuell und idealerweise standardisiert ist. Damit nachhaltige Finanzierungen im Sinne der EU-Taxonomie angeboten werden können, müssen Finanzinstitute nachweisen, dass sie die Projekte geprüft oder auf externe Prüfungsstellen zurückgegriffen haben. Erst dann können Banken Unternehmen einen vereinfachten Zugang zu attraktiven Finanzierungskonditionen bieten und Finanzierungen für Taxonomie-konforme Projekte strukturieren.
Für Unternehmen im Infrastrukturbereich, die einen Beitrag zur Emissionsreduktion und langfristigen Klimaneutralität leisten, bieten sich dadurch aktuell einmalige Chancen, auf ein breit gefächertes Repertoire an nachhaltigen Finanzierungsmodellen zuzugreifen. Das gilt nicht nur im Falle von Deutschland und dem Sondervermögen, sondern auch auf gesamteuropäischer Ebene im nationalen und internationalen Infrastrukturbereich.
Autor
Richard Petras
Richard Petras, CFA, ist Product Lead für Structured Finance bei der Raiffeisen Bank International.
richard.petras@rbinternational.com
Christopher Meixner-Alter
Christopher Meixner-Alter ist bei der Raiffeisen Bank International im Investment Finance tätig.