Projekt Wallaby

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Vom Ausbau erneuerbarer Energiequellen sowie von Transport- und Verteilernetzen über den sozialverträglichen Kohleausstieg bis hin zur Erforschung von Schlüsseltechnologien wie der Nutzung von grünem Wasserstoff: Das Energieunternehmen EnBW verfolgt ein anspruchsvolles Investitionsprogramm von bis zu 50 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Der Zugang zu internationalen Kapitalmärkten spielt dabei eine zentrale Rolle für die Finanzierung der Investitionen.

Bisher zeigte EnBW vor allem Präsenz durch die Emission von Anleihen in Euro. Seit 2022 treiben die Karlsruher die Diversifikation jedoch gezielt voran – unter anderem durch ein Private Placement in den USA sowie Schweizer-Franken-Anleihen. Darüber hinaus wagte sich EnBW nach Australien. Auch wenn der Schritt in den asiatisch-pazifischen Markt zunächst nicht naheliegend erscheint, kann er für ein deutsches Unternehmen durchaus sinnvoll sein.

Große Nachfrage durch Investoren

„Projekt Wallaby“ war der Name für die Debütplatzierung eines grünen Bonds in Höhe von 1 Milliarde Australischen Dollar im Oktober 2024 mit Laufzeiten von fünf und zehn Jahren. Der Emissionserlös entsprach einem Gegenwert von mehr als 600 Millionen Euro und deckte somit einen substantiellen Teil des jährlichen Fremdfinanzierungsbedarfs des Unternehmens.

Die Platzierung stieß auf hohe Nachfrage und erzielte eine etwa zweifache Überzeichnung des Orderbuches. Dadurch konnte das Emissionsvolumen zu einem attraktiven Preis auf 1 Milliarde Australische Dollar erhöht werden.

Mit der Transaktion konnte EnBW zudem die eigene Präsenz im Markt für grüne Anleihen unterstreichen und gleichzeitig die Investorenbasis außerhalb Europas erweitern. Denn die Mehrheit der an der Emission beteiligten Investoren hatte zuvor noch nie in EnBW-Anleihen investiert. Darüber hinaus erschloss sich das Karlsruher Energieunternehmen einen neuen Markt für die Finanzierung klimafreundlicher Projekte im Rahmen der Energiewende.

Debüt bedarf gründlicher Vorbereitung

Eine solche Debüttransaktion erfordert umfangreiche Vorbereitungsarbeiten, beginnend mit einer Roadshow im Sommer 2024 in Tokio, Sydney, Melbourne und Singapur. Dabei wurden gezielt Gespräche mit knapp 40 Investoren aus Australien und Asien geführt. Anschließend wurde das australische Emissionsprogramm innerhalb von nur vier Wochen im September und Oktober 2024 erstellt.

Bei einer anschließenden virtuellen Road-show führte EnBW am 17. Oktober eine Telefonkonferenz mit 40 Investoren aus Australien, Neuseeland und Asien durch. In den darauffolgenden drei Tagen fanden weitere Gespräche mit ausgewählten Investoren statt. Der intensive Dialog bildete die Grundlage für die Transaktion und führte zu einer großen Nachfrage.

Zuvor hatte EnBW bereits mehr als die Hälfte der Investoren im Rahmen der physischen Roadshow getroffen, was entscheidend war, um Vertrauen aufzubauen und den Namen im australischen Markt zu etablieren.

Diese Vorbereitung erlaubte es schließlich, den Bond in der darauffolgenden Woche zu preisen. Das Debüt legte so den Grundstein für zukünftige Aktivitäten im australischen Markt, die EnBW dank des Emissionsprogramms kurzfristig und flexibel in Angriff nehmen kann.

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