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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Bei der Ausgestaltung einer Supply-Chain-Finance(SCF)-Lösung mit einem substanziellen Finanzierungsbedarf stehen Unternehmen regelmäßig vor der Entscheidung zwischen einer syndizierten Finanzierung und einem sogenannten Club Deal.

Bei einer Syndizierung wird meist nur eine Bank mandatiert, welche die operative Abwicklung der Transaktion allein verantwortet. Sofern der benötigte Finanzierungsbedarf die Kreditkapazität dieser Lead Bank übersteigt, wird der Zusatzbedarf im Syndizierungsmarkt bei anderen Banken beschafft. Im Rahmen eines Club Deal verantwortet ein Fintech die operative Abwicklung, während der benötigte Gesamtfinanzierungsbedarf im Wege einer Ausschreibung direkt bei mehreren Finanzierungspartnern platziert wird.

Kosten im Blick behalten

Eine Syndizierung mit einer Lead Bank als einzigem Ansprechpartner erscheint auf den ersten Blick weniger komplex und verspricht somit eine tendenziell einfachere Umsetzung einer SCF-Lösung. Mit der Beschränkung auf eine Bank sind jedoch auch strukturelle Nachteile verbunden. Denn im Rahmen einer Syndizierung delegiert das Unternehmen die Geschäftszuweisung an die Lead Bank. Dies gilt in der Regel sowohl für das Finanzierungsvolumen und dessen Bepreisung als auch für den Zeitpunkt der Geschäftszuweisung.

Das Unternehmen verzichtet somit auf eine Zuteilung an einzelne seiner Kernbanken auf Basis deren individueller Stärken. Das kann zum Beispiel eine herausragende Cash-Management-Kompetenz in lokalen Märkten oder eine sehr gute Refinanzierungsbasis in einzelnen Währungen sein. Letztlich wird auch ein signifikanter Teil des Zahlungsverkehrs – der nicht selten frei von Wettbewerb ist – an die jeweilige Lead Bank vergeben. Damit geht häufig eine Anpassung des bestehenden Purchase-to-Pay-Prozesses einher.

Als Nachteil einer Club-Deal-Struktur, bei der ein Fintech für die operative Abwicklung genutzt wird, werden häufig die Kosten der technischen Infrastruktur, das heißt die zusätzliche Vergütung dieses Fintech, angeführt. Doch auch eine Lead Bank muss im Rahmen einer Syndizierung entsprechende Kreditlinien für die risikotragenden Banken vorhalten. Die Höhe der damit verbundenen Risikokosten ist mit den Kosten für die technische Infrastruktur im Rahmen eines Club Deal vergleichbar. Sie ist jedoch nicht auf Integration und Prozesskostenoptimierung ausgerichtet.

Transparente Bankensteuerung

Ein weiterer Kritikpunkt: die höhere Komplexität aufgrund der parallelen Interaktion mit mehreren Finanzierungspartnern. Diese lässt sich jedoch durch eine gut strukturierte rechtliche Dokumentation vollständig vermeiden.

So kann bei einer Club-Deal-Struktur durch die unmittelbare Einbindung und Geschäftszuweisung an die Kernbanken nicht nur die jeweilige Geschäftsbeziehung gestärkt werden, sondern die Bankensteuerung auch insgesamt transparenter gemacht werden.

Zudem wird die Wertschöpfungskette im Rahmen eines Club Deal in ihre Bestandteile aufgeteilt. Das Finanzierungsrisiko übernehmen die Banken und die benötigte Infrastruktur für die Transaktion wird von einem Fintech bereitgestellt. Das erhöht die Preistransparenz, begründet dauerhaften Konditionswettbewerb und vermeidet die Bildung von Konzentrationsrisiken.

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SF Themen