Objekt schlägt Bonität

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Die vergangenen Jahre waren für mittelständische Unternehmen nicht einfach. Multiple Krisen ließen die Verbindlichkeiten in die Höhe schnellen. An sich profitable Geschäftsmodelle wurden durch Lockdowns, gestörte Lieferketten und die Zurückhaltung der Konsumenten zunichtegemacht. Klassische Finanzierungsmodelle, die sich auf ein gutes Rating des Unternehmens stützen, funktionieren plötzlich für viele Unternehmen nicht mehr.

Eine Alternative zu klassischen Finanzierungsangeboten bieten Objektfinanzierungen. Diese stellen nicht auf die Bonität des Kunden ab, sondern auf die Werthaltigkeit des Investitionsobjekts und des Geschäftsmodells. Objektbasierte Finanzierungen sind daher besonders interessant für Unternehmen, die Kern- oder Sprunginvestitionen planen, in kritischen Zeiten mit Verlusten zu kämpfen haben, in der Sanierung oder Restrukturierung sind oder stille Liquiditätsreserven durch Sale-and-lease-back heben wollen.

Außerdem findet Asset-backed Leasing oftmals Anwendung bei klassischen oder Distressed-M&A- und Nachfolgetransaktionen sowie bei Neugründungen und Start-ups.

Schnelle Entscheidung

Bei einer Objektfinanzierung ist ein aussagekräftiges Lieferantenangebot oder eine Auftragsbestätigung des zu erwerbenden Assets entscheidend, da auf dieser Basis die Objektbewertung durchgeführt wird. Obwohl die Bonität des Unternehmens nicht ausschlaggebend ist, bieten Jahresabschlüsse und unterjährige Zahlen wertvolle Einblicke in die vergangenen Jahre. Die Plan- und Liquiditätszahlen sind neben der Objektbewertung das Herzstück der Prüfung.

Klassische Investitionsgüter für objektbasierte Finanzierungen sind werthaltige, standardisierte Maschinen und Anlagen mit vorhersehbarem Werteverlauf und intaktem Zweitmarkt. Rollende Einheiten wie Lkw oder Baumaschinen sind ausgeschlossen. Oft kommen die Kunden daher aus den Branchen der Be- und Verarbeitung von Holz, Kunststoff und Metall sowie Automotive.

Wie sich mit bonitätsunabhängiger Assetfinanzierung Neuinvestitionen realisieren lassen, zeigt das Beispiel eines Fensterbauers: In der Geschäftsführung des Mittelständlers war man sich einig, dass eine standardisierte CNC-Maschine eines süddeutschen Maschinenbauers bestens geeignet sei, um die Produktion deutlich zu steigern und effizienter zu gestalten. Die ehrgeizigen Wachstumspläne des Unternehmens hingen nun davon ab, ob die Maschine rechtzeitig und ohne Kostensteigerungen geliefert und die baulichen Vorbereitungen rechtzeitig abgeschlossen werden konnten.

Fehlbeträge: Banken winken ab

Die Herausforderung war für den kaufmännischen Leiter besonders groß: Mit mehreren Jahresfehlbeträgen in Folge war die Suche nach einem Finanzier für die millionenschwere Anlage lange erfolglos. Mehrere Institute, darunter die Hausbank, sagten direkt ab. Das Projekt drohte an der Finanzierung zu scheitern. Bei erneuten Gesprächen mit der Hausbank bekam das Unternehmen die Empfehlung, sich an einen Leasinganbieter zu wenden, der auch bonitätsunabhängige Finanzierungen anbietet

Mit Erfolg: Die Investition des Fensterbauers bot aufgrund der Werthaltigkeit der CNC-Maschine eine hohe Sicherheit. Im zweiten Schritt wurden der Businessplan ausgewertet und Gespräche mit dem Kunden geführt. Das gute Geschäftsmodell versprach langfristigen Erfolg, damit war die zweite und letzte Voraussetzung für die Finanzierungszusage gegeben. In nur drei Wochen konnte so die Finanzierung auf die Beine gestellt werden. Die Maschine läuft nun seit einem guten Jahr und hat die Produktivität des Unternehmens, wie erwartet, deutlich gesteigert. Weitere Investitionen sind bereits in Planung.

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