So lässt sich die ESG-Transformation stemmen

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com

Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) belaufen sich die erforderlichen Mehrinvestitionen für die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft allein bis 2030 auf 860 Milliarden Euro. Angesichts der Inflation und der gestiegenen Energiekosten dürfte dieser Betrag sogar noch höher ausfallen. Die Finanzierung dieser Transformationsvorhaben stellt Unternehmen – neben ohnehin erforderlichen Investitionen sowie inflationsinduzierten Working-Capital-Anforderungen – vor erhebliche Herausforderungen. Gefragt sind alternative Ansätze, um den zusätzlichen Investitionsbedarf zu decken.

Anfangs erhöhen sich die Kosten

Trotz unterstützender Fördermittel wird der zusätzliche Investitionsbedarf aus der Transformation der Geschäftsmodelle die Verschuldung der Unternehmen erheblich erhöhen. Dadurch werden Verschuldungsrelationen steigen und gegebenenfalls auf diesen Relationen basierende Covenants getestet. Mit der Umstellung auf eine Nachhaltigkeitsfinanzierung sind außerdem Aufwendungen für Dokumentation und Reporting verbunden, die sich zusätzlich zu den höheren Zinsen auf die Kostenbasis der Unternehmen auswirken.

Da Transformationsinvestitionen häufig nicht unmittelbar mit Kosteneinsparungen oder Ertragssteigerungen verbunden sind, erschwert dies die Umsetzung zusätzlich. Die erhöhte Verschuldungskapazität und die steigende Zinslast könnten überdies andere Ersatz- und Erweiterungsinvestitionsvorhaben verdrängen.

Breiterer Zugang zu Finanzierungspartnern

Um die erhöhten Anforderungen aus der Transformationsfinanzierung zu erfüllen, ist ein breiterer Zugang zu Finanzierungspartnern – auch außerhalb des traditionellen Bankensektors – erforderlich. Denn zumindest in den Branchen, die vor hohen Transformationsinvestitionen stehen, dürfte der Kreis der Kernbanken regelmäßig nicht ausreichen.

Syndizierungen, Schuldschein- und Privatplatzierungen können den Finanzierungskreis für Sprunginvestitionen gezielt erweitern. Die Aufnahme institutioneller Investoren ermöglicht längere Laufzeiten und eröffnet alternative Finanzierungsstrukturen, die insbesondere bei Investitionen in Infrastruktur relevant sind, um eine weitgehend fristenkongruente Finanzierungsdauer zu erreichen.

Alternative Finanzierungsformen

Transformationsinvestitionen weisen in der Regel keine eigene wirtschaftliche Tragfähigkeit auf, was die Implementierung einer klassischen Projektfinanzierungsstruktur erschwert. Um außerhalb der traditionellen Bilanzierungs- und Haftungskreise zu finanzieren, werden Finanzierungsformen benötigt, die Joint-Venture-Lösungen und Special-Purpose-Vehicle(SPV)-Strukturen abdecken.

Als Alternative für eine separierte Finanzierung bieten sich strukturierte Forderungslösungen, Forfaitierungslösungen oder Projektbonds (handelbare auf die Investition isolierte Anleihen) an. In der Energiewirtschaft stellen sich diese Überlegungen in besonderem Maße. Die Hamburger Energiewerke etwa realisieren mit den ersten Abschnitten eines Investitionsvolumens von 1,9 Milliarden Euro die Wärmewende der Stadt.

Die Rolle der Kernbanken

Mit der Transformation sind viele technische Aspekte verbunden sowie darauf abzustimmende Prozesse und Lieferketten. Auch die Finanzierung stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Den Kernbanken kommt hierbei eine wichtige Rolle zu, sie müssen mit einer guten Strukturierungsleistung den Bedürfnissen aus dem Vorhaben gerecht werden und den Transformationspfad mit Nachhaltigkeitslösungen verknüpfen. Zentrale Elemente sind die Erweiterung des Zugangs zu Finanzierungspartnern und die Kombination mit intelligenten Finanzierungslösungen.

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