FINANCE-TV - Suche & Filter
Capital Markets
08.02.16

Sentix-Chef Manfred Hübner: „Anleger haben das Gefühl für Risiko verloren“

Die deutlichen Kursrückgänge an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten hält der Marktstratege Manfred Hübner nur für das Vorspiel eines großen Crashs, der in Kürze bevorsteht: „Im Investorenverhalten stellen wir zahlreiche Parallelen zu 2007 und 2008 fest“, erklärte der Chef des Behavioral-Finance-Analysehauses Sentix heute bei FINANCE-TV. Seine Diagnose: „Die Anleger erkennen zwar die Risiken, aber sie weigern sich, darauf zu reagieren. In ihrer Euphorie vertrauen sie blind auf die Notenbanken“, warnt Hübner. Was den Kapitalmärkten blüht und wo genau das größte Unheil droht – seine Bestandsaufnahme hier bei FINANCE-TV.

Crashgefahr: Sentix warnt vor Parallelen zu 2008

Die schweren Kursverluste in den ersten Handelswochen sorgen für Unsicherheit an den Märkten. Doch während die meisten Banken und Vermögensverwalter mit einer Rückkehr zu dem langjährigen Aufwärtstrend rechnen, sieht das mit Verhaltensforschung arbeitende Analysehaus Sentix eine Kapitalmarktkrise aufziehen. Zum Jahreswechsel fiel Hübner auch mit einer gewagten Kursprognose für den Dax auf: Das Sentix-Kursziel für Ende 2016 lautet 8.000 Punkte. Die meisten Banken erwarteten zu diesem Zeitpunkt einen Anstieg auf rund 12.000 Punkte. Doch der schwere Einbruch in den ersten Handelswochen gibt Hübners Pessimismus bislang recht.

Das aktuelle Marktumfeld weist zahlreiche Parallelen zu 2007/2008 auf, argumentiert Sentix-Chef Manfred Hübner. Dazu zählt er einen stark ausgeprägten Optimismus der Anleger zum Jahreswechsel, obwohl ihr Grundvertrauen in den Markt nachlässt. „Genau wie Ende 2007 wurden auch Ende 2015 Positionen hochgefahren – aus Rücksicht auf die übliche positive Saisonalität zum Jahresstart“, beobachtet Hübner. Seine Schlussfolgerung: „Emotionen dominieren das Portfolioverhalten.“ Hinzu kommt eine Schwäche der konjunkturellen Frühindikatoren, beispielsweise der Ausblickskomponente des ifo-Index – so ein Muster gab es auch schon Ende 2007. Rekordhohe Aktienkäufe auf Kredit runden den explosiven Cocktail ab.

2008 deckten die reihenweise eintreffenden Hiobsbotschaften den übertriebenen Optimismus der Anleger auf – allen voran die schwere Schieflage der US-Investmentbank Bear Stearns im März 2008. Diese hatte das Ausmaß der Probleme für alle sichtbar zu Tage gefördert. Hübner fürchtet, dass es auch 2016 im Lauf des ersten Halbjahres – vielleicht sogar schon im März – ein ähnliches Erweckungserlebnis geben könnte. Sein Tipp: Eine Eskalation der schwelenden Kreditkrise im Rohstoffbereich durch eine offengelegte Fehlspekulation. Die davon ausgelöste Panik könnte zügig auf den Ölmarkt und die Schwellenländer als Ganzes übergreifen.

Ähnliche Sendungen

Den Aktienmärkten steht ein erneuter Einbruch bevor, befürchtet Manfred Hübner, Geschäftsführer des Researchhauses Sentix. Mittelfristig sähen viele Investoren zurzeit keine Perspektive am Markt. Auch hätten Anleger weiter mit der Unsicherheit und den starken Schwankungen am Markt zu kämpfen. Ein Ausverkauf an den Börsen sei daher „leider wahrscheinlich“, sagte Hübner. Seine Einschätzung sehen Sie hier im FINANCE-Talk.

Die geplante Fusion zwischen Deutscher Börse und New York Stock Exchange wird wohl scheitern. Die Deutsche Börse ist aber auch ohne einen Fusionspartner gut aufgestellt, findet Philipp Häßler, Analyst der Equinet Bank. Was sie tun muss, um allein im Wettbewerb zu bestehen, und wo sie den nächsten Fusionsversuch wagen könnte, erklärt Häßler im Talk bei FINANCE-TV.

 

In den wenig regulierten Segmenten des Aktienmarkts geht es wild zu, vermeintliche Insidertipps und Marktmanipulationen greifen immer weiter um sich. „Betrugsfälle nehmen zu“, sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wie die Börse darauf reagiert, welche Masche Betrüger häufig nutzen und wie man sich schützen kann erklärt Nieding im Talk mit FINANCE-TV.

Verschwundene Manager, verspätete Jahresabschlüsse, unklare Geschäftsmodelle – in den Reihen der chinesischen Emittenten um Powerland, Kinghero und Youbisheng Green Paper geht es drunter und drüber. Auch die Kursentwicklung der Firmen, die in Deutschland häufig kein operatives Geschäft unterhalten, ist desaströs. „Bei manchen herrscht mangelndes Interesse an der deutschen Börsennotiz oder der Aktienkursentwicklung“, kritisiert Christoph Karl, Senior Berater bei der Corporate Finance Beratung Blättchen & Partner in München. Dem Geschäft in China schade die schlechte Performance an der deutschen Börse schließlich nicht. Was aus seiner Sicht die kuriosesten Vorgänge rund um China-IPOs waren und welche Haftungsrisiken den deutschen Aufsichtsräten der Emittenten drohen, darüber spricht Christoph Karl im Talk bei FINANCE-TV.

 

Der Finanzinvestor ADC will eine panafrikanische Bankengruppe aufbauen, der Wert des Portfolios soll sich in fünf Jahren verzehnfachen. „Afrika ist auf dem Sprung“, meint ADC-CFO Olaf Meier im FINANCE-Talk. „Das Risiko in Afrika ist nicht höher als in anderen Emerging Markets.“ Wie er die ehrgeizigen Pläne umsetzen will und mit welchen Deals in den nächsten Monaten zu rechnen ist – das Interview hier bei FINANCE-TV.

 

Die Tigerstaaten Ostasiens ächzen unter rekordhohen Zuflüssen spekulativen Kapitals. Noch hält der Abwehrdamm, den die Zentralbanken aufgebaut haben Doch die Weltbank warnt vor einer Destabilisierung der ganzen Region, falls der Druck nicht nachlässt. Markus Ackermann, Asienexperte von HSBC Global Asset Management, ordnet diese Gefahr und die Schlagkraft möglicher Gegenmaßnahmen wie Kapitalverkehrskontrollen im FINANCE-TV-Interview ein und analysiert, wie gut Thailand mit seinen 2010 eingeführten moderaten Kapitalverkehrskontrollen gefahren ist.