Der Handelskette Galeria Kaufhof droht offenbar die Insolvenz, wenn sie keine Personalkosten spart.

Galeria Kaufhof

10.10.17
Deals

Neue Übernahmegerüchte um Galeria Kaufhof

Galeria Kaufhof will Lohnkürzungen durchsetzen, um zu überleben. Gleichzeitig soll Karstadt-Eigner René Benko Interesse an der Kaufhauskette zeigen – nicht zum ersten Mal.

Die kriselnde Warenhauskette Galeria Kaufhof will am Personal sparen. Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet aus Unternehmenskreisen, dass das Management seinen Mitarbeitern mit Lohnkürzungen drohe. Außerdem solle das Urlaubs- und Arbeitslosengeld für drei Jahre gestrichen und die Arbeitszeit durch die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche zu verlängert werden.

Das Unternehmen selbst teilte heute über ein Pressemitteilung nur mit, dass das Management mit der Gewerkschaft Verdi und den Arbeitnehmervertretern über einen neuen Tarifvertrag verhandelt.

Wie prekär die Lage bei der Tochter des US-amerikanischen Handelsriesen Hudson’s Bay Company (HBC) offenbar ist, zeigt das Verhandlungsargument des Managements. Dieses spricht laut der „SZ“ von einer „existenzgefährdenden“ Umsatz- und Ertragsentwicklung. Stimme Verdi den Forderungen nicht zu, drohe die Insolvenz.

Galeria Kaufhof verliert Geld

Galeria Kaufhof hat im ersten Halbjahr 2017 laut der SZ vor Zinsen und Steuern (Ebit) 50 Millionen Euro Verlust geschrieben. Als die Handelskette vor zwei Jahren für 2,8 Milliarden Euro an HBC verkauft wurde, war das Unternehmen noch profitabel. Vor dem Kauf habe HBC jedoch die Mieten für Galeria erhöht, um den Wert der Immobilien hochzuschrauben und dadurch von den Banken einen höheren Kredit auf den Kauf der Immobilien zu bekommen.

Verdi hatte sich laut des Zeitungsberichts vor zwei Jahren für einen Verkauf an die Amerikaner ausgesprochen und ein Angebot von Signa Prima abgelehnt. Hinter der Immobiliengesellschaft steht der österreichische Investor René Benko, der bereits Karstadt besitzt. Ihm wurde zuletzt immer wieder Interesse an einer Galeria-Übernahme nachgesagt. 

HBC will in Galeria „signifikant investieren“

Jetzt nährt eine Kapitalerhöhung von Signa Prima um 1 Milliarde Euro die Vermutung, dass Benko bei Galeria Kaufhof zuschlagen will. Laut eines Unternehmenssprechers dient das Geld dazu, die Marktposition von Signa unter den führenden europäischen Immobilienunternehmen auszubauen. HBC bekräftigte zuletzt jedoch immer wieder, Galeria Kaufhof nicht verkaufen zu wollen. In der heutigen Pressmitteilung schreibt Galeria Kaufhof zudem, dass HBC auch in Zukunft „signifikant in Galeria investieren“ werde.

Dass Galeria Kaufhof offensichtlich Probleme hat, wurde bereits im Juli deutlich. Damals gab es Berichte darüber, dass HBC gegen die Kreditauflagen (Covenants) aus der Übernahmefinanzierung verstoßen habe. Kurz zuvor hatte bereits der Kreditversicherer Euler Hermes die Kreditlimits für Kaufhof-Lieferanten stark reduziert.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de