Deutsche Bank vor schärferen Kontrollen wegen Finanzkriminalität

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Laut der britischen Finanzaufsicht FCA gibt es bei der Deutschen Bank schwere Compliance-Defizite. Die Bank könnte nun stärker kontrolliert werden.
Deutsche Bank

Die Deutsche Bank dürfte von der britischen Finanzaufsicht FCA beim Thema Finanzkriminalität in Zukunft schärfer kontrolliert werden.

Am Wochenende hatte die „Financial Times“ über einen Brief der britischen Behörde berichtet, welcher der Zeitung vorliegt. In dem Dokument wirft die Aufsicht der britischen Deutsche-Bank-Tochter Versäumnisse bei ihren Kontrollen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung vor. Die FCA hatte im vergangenen Jahr 14 Geldhäuser überprüft und bei der Deutschen Bank „systematische Mängel“ in Compliance-Fragen gefunden, zitiert die Financial Times aus dem Brief.

Kritik erinnert an frühere Verfehlungen in der Deutschen Bank

Die Vorwürfe der Finanzaufsicht betreffen die Systeme und Strukturen der Deutschen Bank einmal mehr auf recht grundlegende Art. Die Missstände, wegen denen die britischen Behörden nun die Deutsche Bank ermahnt haben, ähneln in weiten Teilen jenem Geschäftsgebaren, das für die milliardenschweren Rechtskosten der Deutschen Bank verantwortlich gemacht wird.

So monieren die Briten fehlende Unterlagen, lückenhafte Überwachung und unangemessen Druck auf die Mitarbeiter, Geschäftsbeziehungen zu bestimmten Kunden aufzubauen. „Das Topmanagement hat sich eine beträchtliche Zeit nicht ausreichend um die Finanzkriminalität gekümmert“, lautet die kritische Schlussfolgerung der britischen Finanzaufsicht – auch wenn die Behörde einräumt, dass CEO John Cryan "entschlossen" erscheint, die Kontrollen zu verbessern.

Ähnliche Vorgänge innerhalb der Deutschen Bank wurden etwa im Zusammenhang mit den vermeintlichen Zinsmanipulationen aufgedeckt. Auch die offenbar illegalen Handelsaktivitäten in der Moskauer Niederlassung der Deutschen Bank, die dem Dax-Konzern eine weitere empfindliche Strafe einzubringen drohen, lassen sich dem Vernehmen nach auf die Nichteinhaltung grundlegender Compliance-Auflagen zurückführen. Dem Management in der Zentrale fielen die fragwürdigen Aktivitäten der Moskauer Kollegen erst auf, als die Ermittlungsbehörden bereits die Spur aufgenommen hatten.

Der Deutschen Bank droht die „Enhanced Supervision“

Jetzt ist wahrscheinlich, dass die Deutsche Bank von der britischen Finanzaufsicht an die kurze Leine genommen wird. Beobachter rechnen damit, dass das Geldhaus in den Status „Enhanced Supervision“ rücken wird.

Das bedeutet, dass die FCA die Bank stärker kontrolliert und in die Pflicht nimmt, Missstände rasch zu beseitigen. Ähnlich waren Behörden in Europa und den USA in der Vergangenheit bei Banken wie J.P. Morgan, HSBC und Citigroup vorgegangen. In der Regel lassen die Aufseher erst locker, wenn sie merkliche systematische Verbesserungen erkennen, die nahelegen, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen.

Deutsche Bank will Compliance-Programme „grundlegend korrigieren“

Die Deutsche Bank reagiert zerknirscht auf den Warnschuss aus London: „Wir kooperieren mit unseren Regulatoren, um unser Programm zur Abwehr von Finanzkriminalität grundlegend zu korrigieren“, erklärte das Geldhaus nach Bekanntwerden des Artikels der Financial Times. „Wir sind uns der Bedeutung dieses Themas bewusst und bemühen uns intensiv und mit Engagement um eine Lösung.“

Nicht nur der Brief der FCA hat das Thema Compliance bei der Deutschen Bank wieder stärker in den Blick der Öffentlichkeit gerückt, sondern auch eine aktuelle Personalquerele. Vorige Woche hatte Aufsichtsrat Georg Thoma die Bank verlassen. Der Wirtschaftsanwalt hatte den so genannten Integritätsausschuss des Geldhauses geleitet – das Gremium, das damit betraut ist, die Skandale der Bank aufzuklären.

Thoma war zuvor von anderen Aufsichtsratsmitgliedern kritisiert worden. Der Kern des Konflikts waren offenbar unterschiedliche Ansichten darüber, welches Tempo und welche Intensität bei internen Untersuchungen geboten sind. Thoma galt als Hardliner – seinen Unterstützern als rigider Aufklärer, seinen Kritikern als ein Aufseher, der den Blick für das richtige Maß verloren hat.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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