Geld & Liquidität
11.06.14

Unstimmigkeiten nach der Zamek-Insolvenz

Zamek: Eigenverwalter zieht sich zurück

Von Markus Dentz

Nach der Gläubigerversammlung will sich Nikolaos Antoniadis, Eigenverwalter der Zamek-Holding, zurückziehen, weil er mit dem Kurs des Gläubigervertreters Frank Günther unzufrieden ist. Mit einer Bestätigung des Gerichts ist in Kürze zu rechnen.

Drei Monate nach Eröffnung der Insolvenz sind die Gläubiger unzufrieden mit dem Eigenverwalter Nikolaos Antoniadis.

dpa

Unruhe beim Düsseldorfer Brühwürfelhersteller Zamek: Rund drei Monate nach Eröffnung der Insolvenz sind die Gläubiger unzufrieden mit dem Eigenverwalter Nikolaos Antoniadis.

Nikolaos Antoniadis, Eigenverwalter in der Holding von Zamek, will sein Mandat niederlegen. Als Gründe nennt der Rechtsanwalt und Partner der Düsseldorfer Kanzlei Metzeler von der Fecht Unstimmigkeiten mit den Gläubigern der Zamek-Mittelstandsanleihe, vertreten durch Frank Günther von One Square Advisors. Günther war von der Gläubigerversammlung am 31. Mai mit großer Mehrheit dazu ermächtigt worden, die Bondholder zu vertreten. Er hatte auf die Demission des Eigenverwalters hingewirkt. „Mit seinem Rücktritt ist er der Gerichtsentscheidung zuvorgekommen, der Antrag auf Beendigung lag bereits vor zwei Wochen bei Gericht“, erklärt Frank Günther gegenüber FINANCE.

Im Vorfeld der Versammlung hatten sich Zamek-Bondholder über den Kurs des Eigenverwalters Antoniadis gegenüber FINANCE beschwert. Gläubiger wie das schwäbische Family Office LP Inviso kritisierten neben der schwachen Informationspolitik besonders den Umgang mit einer Betriebsimmobilie. Die Anleihe, die über die Holding begeben wurde, hat neben den Beteiligungen an den insolventen Töchtern lediglich das Betriebsgrundstück als maßgebliches Asset, das von einer operativen Gesellschaft genutzt wird. Beim Verkauf der Zamek Nahrungsmittel GmbH & Co. KG wird die Immobilie Investoren angeboten. Die Bondholder fürchten, dass nach dem Verkauf kein Erlös mehr bei ihnen ankommt. Es geht um 45 Millionen Euro: Zamek hatte vor rund zwei Jahren zunächst 35 Millionen Euro bei Investoren platziert, später um weitere 10 Millionen Euro aufgestockt. 


In einem Interview mit der Rheinischen Post kritisiert Antoniadis seinerseits den Kurs des gemeinsamen Vertreters Frank Günther. Der Wert des Grundstückes werde „maßlos überschätzt“ und der „Verkauf des Düsseldorfer Standortes an einen Investor“ gefährdet. Gutachterlich habe das Grundstück zwar einen Wert von 13,7 Millionen Euro – allerdings nur bei einer betrieblichen Nutzung durch Zamek. Dies sehen die Gläubiger rund um Frank Günther anders, die eine Drittverwendung durchaus als realistisch einschätzen. Antoniadis wirft Günther zudem vor, sein Honorar auf Kosten von Zamek maximieren zu wollen. Günther reagierte nach FINANCE-Informationen darauf mit der Androhung gerichtlicher Schritte. „Für seine Behauptungen, mein Verhalten sei unseriös und unprofessionell steht ihm eine Unterlassungserklärung ins Haus“, sagt Günther.

Keine Verlagerung der Zamek-Produktion nach Polen

Auf die Frage, wo der Anleiheemissionserlös verblieben ist, sagte Antoniadis gegenüber der Rheinischen Post, dass diese Frage nicht völlig geklärt sei. Ein Teil sei in die Ablösung von Bankverbindlichkeiten, ein anderer Teil in den Ausgleich von Verlusten geflossen. Der Eigenverwalter bestätigt außerdem den Verdacht der Investoren, dass eine Produktion in Polen nicht existiert, allenfalls eine angemietete Lagerhalle. Besonders für den Ausbau in Polen hatten Investoren wie LP Inviso im vergangenen Jahr 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und die Anleihe aufgestockt. Wenige Monate später, im Februar 2014, folgte die Insolvenz des Düsseldorfer Unternehmens.

markus.dentz[at]finance-magazin.de