Strategie & Effizienz
11.07.17

Neuer CEO gesucht

Aktivist greift bei LPKF Laser durch

Von Desirée Backhaus

Der Vermögensverwalter Bantleon schwingt sich beim angeschlagenen Laserspezialisten LPKF zum aktivistischen Investor auf. In dieser Woche zieht ein Vertreter des Großaktionärs in den Aufsichtsrat ein, ein neuer CEO wird gesucht. Was will der Investor?

LPKF Laser & Electronics AG

CEO Ingo Bretthauer verlässt LPKF zum Jahresende. Bei der Neubesetzung des Chefpostens wird auch Großaktionär Bantleon mitreden.

Unruhige Zeiten für LPKF: Seit vor gut einem Jahr der Vermögensverwalter Bantleon bei dem unter einer Ertragsflaute leidenden Laserspezialisten eingestiegen ist, rätseln die Verantwortlichen über die Motive des Investors. Der LPKF-Großaktionär, der nach eigenen Angaben Gelder im Wert 9 Milliarden Euro verwaltet, ist bis dato nicht als aktivistischer Investor in Erscheinung getreten.

Bei LPKF ist das anders: Gerade hat der Asset Manager seinen Anteil an dem börsennotierten Unternehmen von 15 auf 20 Prozent erhöht. In dieser Woche zieht nun mit Markus Peters ein Vertreter von Bantleon in den vierköpfigen Aufsichtsrat von LPKF Laser ein. Peters ist Sparten-CFO im DMG-Mori-Konzern (früher Gildemeister) und Mitglied des Bantleon Technology Council.

Neu formierter LPKF-Aufsichtsrat sucht Nachfolger für Ingo Bretthauer

Für Peters muss ein echtes LPKF-Urgestein seinen Platz im Kontrollgremium räumen:  Der bisherige stellvertretende Aufsichtsratschef Bernd Hackmann war mehr als 30 Jahre für den Konzern tätig. Von 2001 bis 2008 war Hackmann Vorstandssprecher, 2012 zog er in den Aufsichtsrat ein.

Auch LPKF-CEO Ingo Bretthauer steht vor dem Absprung: Der seit acht Jahren amtierende Vorstand will am Jahresende in den Ruhestand gehen. Das kündigte der 61-Jährige im März an – einen Monat nachdem Bantleon verlautbart hatte, man wolle den Vorstand neu besetzen. Gegenüber FINANCE weist LPKF einen Zusammenhang jedoch zurück: Es handle sich um eine persönliche Entscheidung Bretthauers. Klar ist jedenfalls: Bei der Auswahl des neuen Unternehmenschefs wird Bantleon über Aufsichtsrat Peters mitreden können. CFO des Unternehmens ist unverändert Kai Bentz.

Vermögensverwalter Bantleon wird mit LPKF zum Finanzinvestor

Macht der neue Großaktionär nun Tabula Rasa nach dem „bislang schwierigsten Geschäftsjahr der Firmengeschichte“, wie es Bretthauer ausdrückte? Diesen Eindruck versucht man bei Bantleon zu zerstreuen: „LPKF befindet sich in einer Restrukturierungsphase, bei der wichtige Teile des Weges – dank des Engagements von Mitarbeitern, Vorstand und Aufsichtsrat – gegangen sind“, erklärte Jörg Schubert, im Bantleon-Vorstand zuständig für Kundenbetreuung und Investment Solutions, gegenüber FINANCE. „Wir freuen uns, wenn wir hier als Ankeraktionär Stabilität und Sicherheit bieten können.“

Der Vermögensverwalter will laut Schubert künftig stärker in den Technologiesektor investieren und gründet dafür gerade eine neue Beteiligungsgesellschaft: die German Technology AG, deren erstes Investment der norddeutsche Laserspezialist werden soll. Noch liegen die LPKF-Anteile bei der Bantleon Bank, die 5 Prozent hält, sowie ihrem Gründer und Aufsichtsratschef Jörg Bantleon, dem 15 Prozent der LPKF-Aktien gehören. „Inwieweit wir eine weitere Aufstockung vornehmen werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, lässt Schubert das weitere Vorgehen im Dunkeln.

Bantleon schaut auf Turnaround-Fälle in Technologiebranche

Generell verfolge die neue Beteiligungsgesellschaft keine Exit-Strategie: „Wir sehen uns als Ankerinvestor für vielversprechende Unternehmen und wollen Stabilität und Sicherheit bieten.“ Die jährliche Renditeerwartungen gibt Schubert mit 9 bis 12 Prozent an. Zunächst wird German Technology nur mit Kapital von Bantleon ausgestattet, im zweiten Schritt könne man sich aber auch für institutionelle Investoren öffnen.

Im Fokus der neuen Beteiligungsgesellschaft stehen Schubert zufolge vor allem kleine börsennotierte High-Tech-Unternehmen unterhalb des SDax, die entweder über eine Schlüsseltechnologie verfügen oder sich in der Restrukturierung befinden.

Letzteres gilt für den Laserspezialisten LPKF. CFO Bentz musste in den beiden vergangenen Jahren mehrfach die Gewinnerwartung korrigieren. Am Ende schloss das Unternehmen das Jahr 2016 mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von minus 6,8 Millionen Euro ab. Selbst wenn man die hohen Wertberichtigungen herausrechnet, die das Unternehmen auf das früher lukrative Geschäft mit Systemen zur Laser-Direktstrukturierung (LDS) vornehmen musste, liegt das bereinigte Ebit nur bei 0,4 Millionen Euro.

Der Turnaround bei LPKF wird noch dauern

Die am gestrigen Montag vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr 2017 geben jedoch Hoffnung auf eine Verbesserung: Mit 44,6 Millionen Euro lag der Umsatz nicht nur über Plan, sondern auch um 12 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Vor allem mit der Herstellung von Lasersystemen zur Strukturierung von Dünnschicht-Solarzellen und zum Kunststoffschweißen macht LPKF bessere Geschäfte als noch im vergangenen Jahr. Der Ausblick für die Ebit-Marge bleibt mit 1 bis 5 Prozent für dieses Jahr dennoch mau. 

Großaktionär Bantleon braucht also Geduld: Erst mittelfristig werde man wieder an die alten Ebit-Margen von 10 Prozent herankommen, prognostiziert das Unternehmen. Noch-LPKF-Chef Bretthauer ist dann schon nicht mehr im Amt.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Seit 10 Jahren ist Kai Bentz CFO bei LPKF Laser. Erfahren Sie mehr über den Werdegang des Finanzchefs in dem FINANCE-Köpfe-Profil zu Kai Bentz.

Die Angriffe aktivistischer Investoren in Deutschland häufen sich. Welche Unternehmen neben LPKF betroffen sind, das erfahren Sie auf der FINANCE Themenseite zu aktivistischen Investoren.