Strategie & Effizienz
01.09.15

Der wichtigste M&A-Deal seit Jahren

CFO des Monats: Christian Diekmann

Von Michael Hedtstück

Die Deutsche Entertainment AG (Deag) nimmt den Ticketvertrieb in die eigenen Hände – und hat sich dafür Springer und ProSiebenSat1 an Bord geholt. Es winken satte Gewinne. CFO Christian Diekmann hat die Basis dafür gelegt.

Deag-CFO Christian Diekmann ist FINANCE-CFO des Monats August 2015. Er hat für die Deag-Tochter Myticket schlagkräftige Partner an Bord geholt.

Elnur/Thinkstock/Getty Images

Deag-CFO Christian Diekmann ist FINANCE-CFO des Monats August 2015. Er hat für die Deag-Tochter Myticket schlagkräftige Partner an Bord geholt.

Wenn die Sommerferien vorbei sind, beginnt wieder die heiße Phase der Konzertsaison. Dank des Kartenvorverkaufs weiß Deutschlands größter Konzertveranstalter, die Deutsche Entertainment AG (Deag), jetzt schon, dass im vierten Quartal die Kassen klingeln werden. Eine andere Entwicklung dürfte aber noch mehr für gute Stimmung am Deag-Stammsitz in Berlin sorgen: Der Einstieg von ProSiebenSat1 und Springer bei der hauseigenen Kartenbörse Myticket. Für zusammen 40 Prozent der Anteile legen die beiden Konzerne jeweils Medialeistungen im Wert von 9 Millionen auf den Tisch.

Geld kassiert die Deag für den Verkauf der Anteile zwar nicht, aber dennoch dürfte sich das Geschäft lohnen. Getrieben von Printanzeigen und Fernsehclips, wird sich Myticket mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich schneller als wichtiger Vertriebskanal für Konzertkarten etablieren als von der Deag erhofft. Dabei entwickelt sich die Tochterfirma nach Unternehmensangaben schon jetzt deutlich über Plan. 

Myticket ganz oben auf Agenda von Deag-CFO Christian Diekmann

„Der bedeutendste Schritt der letzten zehn Jahre“: Deag-CFO Christian Diekmann

„Der bedeutendste Schritt der letzten zehn Jahre“: Deag-CFO Christian Diekmann

Für den Berliner Konzertveranstalter ist das Momentum bei Myticket von strategischer Bedeutung. Im klassischen Konzertgeschäft, dem bisherigen Kerngeschäft der Deag, verdienen die Veranstalter – wenn es gut läuft – Ebit-Margen von 5 bis 10 Prozent. Und das Geschäft ist mit hohen Risiken behaftet, wie die Deag gerade erst wieder durch den Ärger mit dem gefloppten Rockfestival "Rock am Ring" erfahren hat, das als "Rock im Revier" vorerst mit Millionenverlusten endete.

Im Ticketvertrieb hingegen liegen die Ebit-Margen bei 30 bis 40 Prozent, und das Geschäft ist ausgesprochen granular und damit robust. Lange Zeit hat die Deag dieses Geschäft Ticketvermarktern wie CTS Eventim oder Ticketmaster überlassen. Jetzt will Deag-Chef Peter Schwenkow mit Hilfe von Myticket selbst an die Fleischtöpfe heran. Die Gründung der Plattform im Herbst vergangenen Jahres bezeichnete er als den „bedeutendsten Schritt der vergangenen zehn Jahre“.

Vorangetrieben wird der Myticket-Plan von Deag-CFO Christian Diekmann, der im Aufsichtsrat der Tochterfirma sitzt. Das ist wenig verwunderlich, denn die Verlängerung der Wertschöpfungskette um den Online-Ticketvertrieb könnte enorme Auswirkungen auf die Finanzstärke des Mittelständlers haben.

So plant die Deag, mittelfristig 40 Prozent der eigenen Ticket-Kontingente über Myticket zu verkaufen. Das wären über 1,5 Millionen Tickets. Nimmt man an, dass die Deag pro Ticket, das bei Myticket verkauft wird, 10 Euro mehr kassiert als an Provision von externen Ticketbörsen, würde sich der zusätzliche Umsatz auf 15 Millionen Euro belaufen. Nach Abzug der Kosten für den Betrieb der Plattform dürfte eine ganze Menge davon als Profit hängenbleiben. Das vergleicht sich mit einem Börsenwert von 100 Millionen Euro und einem Ebit, das in den vergangenen Jahren im Schnitt 7 Millionen Euro erreichte. Etabliert sich Myticket, könnte dies den Gewinn und Börsenwert der Deag verdoppeln.

Deag-CFO Diekmann hat Bilanzrisiken klein gehalten

Das Fundament für den Aufbau von Myticket hat Diekmann am M&A-Markt gelegt. In den vergangenen Jahren hat die Deag eine Reihe von Konzertveranstaltern zugekauft: einheimische wie zum Beispiel Handwerker und Wizard Promotion, aber auch ausländische wie Kilimanjaro, einen der wichtigsten Player im Londoner Musikgeschäft.

Folglich hat Myticket dort auch den ersten ausländischen Webshop aufgemacht. Aber erst wenn die Deag über den eigenen Ticketverkauf höhere Margen mit der Vermarktung der zugekauften Konzerte verdient als die Vorbesitzer, werden sich diese M&A-Deals als wertschaffend erweisen. 

Alles auf eine Karte gesetzt haben Schwenkow und Diekmann bei ihrer Schritt für Schritt geplanten Wachstumsstrategie freilich nicht. Diekmann hat die Zukäufe hauptsächlich über die Ausgabe neuer Aktien finanziert, so dass die Finanzlage der Deag nach wie vor solide ist. In der Bilanz finden sich weitaus mehr liquide Mittel als Finanzverbindlichkeiten, und durch den geplanten Teilverkauf der Jahrhunderthalle in Frankfurt dürfte ein weiterer zweistelliger Milllionenbetrag in die Kassen fließen.

Auch ein Misserfolg von Myticket würde die Deag also nicht in die Tiefe reißen. Die aktuellen Entwicklungen lassen aber erwarten, dass es gar nicht erst zur Probe aufs Exempel kommen wird.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats. Unabhängig davon verleiht die Redaktion jährlich auf dem Kongress Structured FINANCE die Auszeichnung für den CFO des Jahres.

Mehr über den Werdegang und die Karriere-Highlights unseres CFOs des Monats lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Christian Diekmann.