Kaum ein Thema beherrscht die Diskussion unter Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern derzeit so, wie der Einstieg von Private-Equity-Investoren. In den vergangenen Wochen machten Fälle wie WTS und Afileon regelmäßig Schlagzeilen.
Mit der Frage, wie die deutsche Steuerberater-Zunft diese Eintritte von Private-Equity-Unternehmen in die Branche wahrnimmt, beschäftigte sich jüngst das Beratungsunternehmen Ecovis und führte im Sommer 2025 eine Umfrage unter deutschen Berufsträgern durch. Das Ziel: Ein möglichst breites Stimmungsbild zur Abwägung von Chancen und Risiken sowie Vor- und Nachteilen aus Sicht der Berufsträger.
Dass das Thema unter den Steuerberatern polarisiert, zeigt sich bereits daran, dass laut der Studie drei Viertel der über 1.500 Teilnehmer von Private-Equity-Einstiegen aus der Berichterstattung Kenntnis nahmen. Insgesamt wird diese Entwicklung in der Branche eher kritisch gesehen.
Verlust der unabhängigen Beratung befürchtet
So machen sich 49 Prozent der Befragten eher Sorgen um Risiken durch den Einstieg von Private-Equity-Investoren in die Steuerberatung. Als größte Risiken werden dabei der Verlust der unabhängigen Beratung gesehen und die damit verbundene Sorge, sich als „unabhängiges Organ der Rechtspflege extern getriebenen Profitmotiven“ unterordnen zu müssen.
Eine Sorge, die nun scheinbar auch von der Bundesregierung geteilt wird. Denn das Finanzministerium will mit einer Änderung des Steuerberatungsgesetzes die Unabhängigkeit der Steuerberater stärken. „Es ist wichtig, dass Steuerberaterinnen und Steuerberater unter Berücksichtigung ihrer Berufspflichten als Organ der Steuerrechtspflege ausschließlich im Interesse ihrer Mandantinnen und Mandanten handeln“, erklärte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums dazu Anfang September gegenüber FINANCE.
Fremdbesitzverbot soll überarbeitet werden
Denn eigentlich soll in Deutschland das Fremdbesitzverbot Beteiligungen von Nicht-Berufsträgern an Steuerberatungsgesellschaften verhindern. Bisher ermöglichte jedoch eine Gesetzeslücke eine solche Beteiligung über Umwege. Im Interview mit dem FINANCE Magazin hatte daher Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer (BStBK), bereits gefordert, dass die Politik beim Fremdbesitzverbot nachbessert. Konkret sagte er: „Der Gesetzgeber muss diese Gesetzeslücke schließen.“
Der Vorstoß des Bundesfinanzministeriums lässt genau das nun vermuten. Am 7. August veröffentlichte die Behörde einen Entwurf zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes, der unter anderem eine Vorschrift zur Sicherstellung des Fremdbesitzverbots bei der Beteiligung an Steuerberatungsgesellschaften vorsieht.
Der neu formulierte Paragraph 55g soll demnach definieren, wer die Bezeichnung Steuerberatungsgesellschaft künftig tragen darf. Bei ausländischen Buchprüfungs-, Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, bei denen ein Finanzinvestor die Mehrheit hält, soll dies nicht mehr der Fall sein. Sie dürften in der Konsequenz nicht mehr bei deutschen Gesellschaften einsteigen.
Kleinere Mandate durch Private-Equity-Einstieg im Nachteil
Neben dem Verlust der Unabhängigkeit bewerten die Berufsträger laut der Ecovis-Studie jedoch auch die mögliche Benachteiligung „uninteressanter“ Mandate oder sogar deren Ausschluss von kompetenter Beratung als problematisch. Diese Sorge dürfte vor allem darin begründet liegen, dass sich die Investitionen von Private-Equity-Investoren rechnen müssen und daher lukrative Mandate Vorrang vor kleineren Mandaten aus dem Mittelstand bekommen könnten.
Dr. Ferdinand Rüchardt, Geschäftsführer bei Ecovis, erklärt: „Wir können die Sorgen verstehen, auch wenn wir selbst unternehmerisch denken. Unser Berufsstand erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe in der Finanzierung unseres Gemeinwesens und eine unabdingbare Dienstleistung gerade im für den Standort Deutschland so wichtigen Mittelstand. Wer immer in diesem beruflichen Umfeld agiert, muss sich dieser Verantwortung zwingend bewusst sein.“
Steuerberater sehen wenig Chancen
Es wundert also nicht, dass bei all diesen Sorgen nur rund 11 Prozent der befragten Steuerberater mehr Chancen als Risiken in der Beteiligung von Finanzinvestoren sehen. Diese liegen laut den Befragten vor allem in der überfälligen Digitalisierung des Umfelds und in einer höheren Attraktivität des Berufsstands für Nachwuchskräfte – ein Thema, das laut Ecovis vielen in der Branche große Sorgen bereitet.
So zeigen Zahlen der BStBK, dass Berufsträger unter 30 zum 1. Januar 2025 gerade einmal 2,3 Prozent der Mitglieder in den deutschen Steuerberaterkammern ausmachten. Jünger als 40 sind insgesamt nur rund 20,5 Prozent. Die Altersgruppe zwischen 61 und über 70 Jahren macht hingegen fast 31 Prozent der Mitglieder aus.
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Steuerberater sehen keine persönliche Betroffenheit
Allen Risiken und Sorgen zum Trotz, persönlich betroffen sehen sich laut Ecovis nur wenige der Steuerberater. Viele der Befragten hätten die Thematik zwar skeptisch beurteilt, stellten jedoch nur selten den unmittelbaren Bezug zur eigenen Kanzlei her, heißt es in der Studie. Die Berufsträger würden die Probleme sehen, aber dennoch glauben, selbst nur peripher betroffen zu sein. So gaben laut der Studie nur 24 Prozent an, sich mit dem Thema regelmäßig zu befassen; gerade einmal neun Prozent suchen demnach aktiv nach Informationen.
Und auch der hohe Altersstand unter den Steuerberatern führte laut Ecovis nicht zu einem höheren Interesse an Private-Equity-Investoren als attraktive Kanzleiablöse. Ältere Berufsträger seien sogar noch skeptischer gewesen.
Wie steht es um die Zukunft der Branche?
Mit Blick auf die Zukunft der Steuerberatung sehen die von Ecovis Befragten insbesondere eine starke (Unternehmens-)Kultur, eine fundiertere fachliche Spezialisierung, die Gewinnung und Bindung von Talenten, ein gesundes Wachstum beim Umsatz und Mandantenstamm sowie Fortschritte bei der Digitalisierung und KI-Anwendungen als Erfolgsfaktoren.
Dennoch erwartet die Mehrheit der Berufsträger insgesamt eine Marktkonsolidierung, die vor allem durch steigende Anforderungen und schwieriger werdendes Recruiting getrieben sei. Neben traditionellen Einzelkanzleien und häufiger vorkommenden Kanzleiaufgaben sehen die Befragten größere inhabergeführte Unternehmensgruppen sowie investorengetriebene Konzernstrukturen als mögliche M&A-Marktakteure.
Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.
