Ein neuer Player wird den Verteidigungsmarkt betreten, jedoch nicht auf der produzierenden Seite. Die Defence, Security and Resilience Bank, kurz DSRB, soll der NATO und ihren Verbündeten als Finanzierungspartner dabei helfen, Beschaffungen im Verteidigungsbereich zu finanzieren, wie die DSRB Development Group am Donnerstag mitteilte.
Die DSRB Development Group ist ein internationales Team aus ehemaligen multilateralen Bankern, Juristen, Spezialisten für Verteidigungsinvestitionen und hochrangigen Vertretern der Verteidigungspolitik und agiert als internationales Koordinationsgremium für das Vorhaben.
Die Rüstungsbranche war jahrelang das ungeliebte Kind der Finanzindustrie. Für viele Rüstungsfirmen, besonders aus dem Mittelstand, war und ist es schwierig Finanzierungen zu erhalten. Viele Banken hatten Rüstung per se ausgeschlossen. Doch der russische Angriff auf die Ukraine und damit eingeläutete Zeitenwende haben zu einem Umdenken geführt. Das im Juni auf dem NATO-Gipfel in Den Haag beschlossene Ziel, die nationalen Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des jeweiligen BIPs zu erhöhen, hat die Dringlichkeit Finanzierungslösungen für die Rüstungsindustrie zu finden, weiter erhöht. Die DSRB könnte hier für Abhilfe sorgen.
Commerzbank und LBBW als Partner der DSRB
Das EU-Parlament sprach sich erstmals im März 2025 in seinem Weißbuch zur Zukunft der europäischen Verteidigung für die Gründung aus. Im Juli 2025 hatte sich dann auch eine Arbeitsgruppe unter dem gemeinsamen Vorsitz der britischen Schatzkanzlerin Rachel Reeves und des britischen Verteidigungsministers John Healey für die Gründung der DSSRB ausgesprochen.
Neben der DSRB Development Group werden außerdem fünf große Banken die Gründung der DSRB unterstützen – unter ihnen sind mit der Commerzbank und der LBBW auch zwei deutsche Finanzinstitute. Die Runde komplett machen die ING Group, JP Morgan und RBC Capital Markets. „Die Banken, die heute antreten, haben verstanden, dass Abschreckung finanzielle Schlagkraft erfordert – und diese neue Institution wird sie liefern“, kommentiert Rob Murray, ehemaliger Head of Innovation der NATO und Vorstandsvorsitzender der DSRB Development Group die Beteiligung der fünf Banken.
Die Finanzinstitute sollen in ihrer Rolle fachliche Beiträge zu staatlichen Kreditinstrumenten, Kapitalstrukturierung, Einbindung von Investoren, Rating-Beratung, Risiko- und Asset-Liability Management sowie Zugang zum Fremdkapitalmarkt leisten. Dadurch sollen sie sicherstellen, dass die DSRB privates Kapital vertrauensvoll und schnell einwerben sowie sichern kann und somit die Finanzierung von Verteidigungsausgaben sichergestellt ist.
Start der DSRB soll bis 2027 erfolgen
Neben der Gruppe um die Commerzbank und die LBBW sollen in den kommenden Wochen weitere Partner vorgestellt werden, darunter Banken, Investmentfirmen und staatliche Akteure, teilte die DSRB Development Group mit. Anfang September startet die DSRB Development Group zusammen mit ihren Partnern im nächsten Schritt mit der formalen Auseinandersetzung mit der institutionellen Struktur und der Gestaltung der Satzung der Bank.
Nach FINANCE Informationen soll die Charta der Verteidigungsbank im Optimalfall bis Mitte 2026 ausgehandelt und ratifiziert werden. Der Betrieb der DSRB soll dann im vierten Quartal 2026 aufgenommen werden. Wo das jedoch sein wird, steht noch nicht fest. Im Rahmen der Verhandlungen soll auch ausdiskutiert werden, wo der Standort der DSRB sein wird.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
