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Jungheinrich muss nach Russland-Deal Prognose kassieren

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Jungheinrich läutet ein Transformationsprogramm mit einem Kosteneinsparungspotential von 100 Millionen Euro ein. Foto: OceanProd - stock.adobe.com
Jungheinrich läutet ein Transformationsprogramm mit einem Kosteneinsparungspotential von 100 Millionen Euro ein. Foto: OceanProd - stock.adobe.com

Verkauf mit Folgen: Das Hamburger Intralogistikunternehmen Jungheinrich trennt sich von seinem Russlandgeschäft – und zahlt dafür einen hohen Preis. Der Hersteller von Gabelstaplern und Hubwagen verkauft seine russische Tochtergesellschaft Jungheinrich Lift Truck OOO an einen russischen Finanzinvestor, wie das Unternehmen am Montagmittag mitteilte.

Der Verkauf bringt Jungheinrich erhebliche Verluste ein. Grund: Die russische Regierungskommission für die Kontrolle ausländischer Investitionen begrenzt den Verkaufspreis auf maximal 40 Prozent des von einem russischen Gutachter ermittelten Marktwertes. Diese Zwangsvorgabe führt zu einem dramatischen Abschlag: Der erzielte Verkaufspreis liegt deutlich unter dem Buchwert der Beteiligung zum Stichtag 31. Dezember 2024, deklariert Jungheinrich in der Mitteilung. Genaue Angaben machen die Hamburger dazu jedoch nicht.

Derzeit steht die Transaktion noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der russischen Regierungskommission und wird für das vierte Quartal 2025 erwartet. Mit dem Verkauf beendet Jungheinrich alle geschäftlichen Aktivitäten in Russland.

Jungheinrich: Das Ebit halbiert sich

Erst vier Tage zuvor hatte Jungheinrich eine aktualisierten Jahresprognose veröffentlicht. Im Rahmen eines umfassenden Transformationsprogramms, das sowohl personal- als auch standortbezogene Maßnahmen vorsieht und Kosteneinsparungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro erzielen soll, erwartet der Vorstand einen Konzernumsatz zwischen 5,3 und 5,9 Milliarden Euro (bisher: 5,5 Milliarden Euro bis 6,1 Milliarden Euro) sowie ein Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (Ebit) zwischen 280 und 350 Millionen Euro (bisher: bisher: 430 Millionen Euro bis 500 Millionen Euro).

Die jetzt aktualisierte Prognose liegt noch einmal unter der kürzlich veröffentlichten Gewinnerwartung: Jungheinrich erwartet nun ein Ebit zwischen 160 Millionen Euro und 230 Millionen Euro. Auch die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) hat sich durch den Verkauf stark verringert. War in der ersten Prognose noch von einem Wert zwischen 10 und 14 Prozent die Rede, liegt der aktuelle avisierte Wert nur noch bei 5 bis 9 Prozent.

Jungheinrich-Aktie bereits unter Druck

Die gute Nachricht: Der Auftragseingang sowie die Umsatzprognose bleiben mit jeweils zwischen 5,3 und 5,9 Milliarden Euro erhalten. Für das Transformationsprogramm, so teilt es der Vorstand mit, werden Einmalaufwendungen in Höhe von rund 90 Millionen Euro erwartet. Im Geschäftsjahr 2024 verzeichnete der Logistiker noch einen Umsatz von 5,39 Milliarden Euro bei einem Ebit von 434 Millionen Euro.

Die Jungheinrich-Aktie reagierte bereits vor vier Tagen heftig auf die erste Prognosesenkung: Im Tagestief sackte der Kurs um fast 17 Prozent auf 33,60 Euro ab. Mittlerweile stabilisiert sich das Papier bei rund 34 Euro je Aktie. Dennoch kann man die aktuellen Ereignisse als Rückschlag betrachten: Seit April hatte sich das Papier aus einem Tief bei 26 Euro je Aktie auf ein Dreijahreshoch von 42,6 Euro hochgekämpft. Dass der Markt auf die heutige Verkaufsmeldung nicht zusätzlich reagiert, zeigt: Investoren hatten den Russland-Ausstieg und weitere Prognoseanpassungen bereits eingepreist. Denn der Schock kam freilich nicht überraschend.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.

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