05.03.15
Deals

London droht RWE-Dea-Verkauf zu torpedieren

Die britische Regierung gibt auch nach dem Closing des Dea-Verkaufs von RWE an LetterOne keine Ruhe. Bisher lassen die Drohgebärden den deutschen Energieriesen aber kalt.

Anfang der Woche kam die Erfolgsmeldung aus Essen: RWE hat den Verkauf der Tochter Dea für 5,1 Milliarden Euro an den Investor LetterOne erfolgreich abgeschlossen. Nun droht die britische Regierung allerdings erneut, die Transaktion zu blockieren. Die Regierung beharrt darauf, dass die britischen Aktivitäten, welche die Öl- und Gasfelder in der britischen Nordsee umfassen, nicht an LetterOne gehen.

„Das ist auf höchster Ebene diskutiert worden – ein Zeichen dafür, wie ernst wir die Angelegenheit nehmen. Die Regierung wird ihre Position in dieser Frage nicht ändern“, zitierte die Agentur Reuters eine regierungsnahe Person. In London sorgt man sich dem Vernehmen nach um mögliche Produktionseinbußen im Falle weiterer Russland-Sanktionen. Hintergrund: Die neue Eigentümerin hat zwar ihren Sitz in Luxemburg, wird aber vom russischen Oligarchen Michail Friedman geleitet.

Klausel sollte RWE-Dea-Deal über die Ziellinie bringen

Die Drohgebärden aus London sind nicht neu: Bereits im vergangenen Jahr hatte die britische Regierung mögliche Interventionen angekündigt, sollte die Transaktion wie geplant vollzogen werden. Ein echtes Vetorecht haben die Briten zwar nicht, allerdings könnten sie die Rohstoffförderung von Dea in ihren Gewässern durch den Entzug von Förderlizenzen erheblich beeinträchtigen.
 
Um die Wogen zu glätten und den M&A-Deal trotz des Gegenwinds über die Ziellinie zu hieven, hatten die Parteien deshalb zusätzliche Klauseln in den Kaufvertrag aufgenommen: Danach ist LetterOne zum einen verpflichtet, das britische Dea-Geschäft zunächst unabhängig von den weiteren Aktivitäten zu führen. Die betreffenden Geschäfte werden nun von einer niederländischen Stiftung gehalten. Zum anderen müsste RWE die britischen Teile zurückkaufen, sollten innerhalb des ersten Jahres Sanktionen gegen LetterOne oder Michail Friedman verhängt werden.

Bedrohung für Schuldenabbau von RWE?

Für den Essener Konzern wäre ein partieller Rückkauf ein herber Rückschlag bei seinen Bemühungen, die Verschuldung abzubauen: Der Wert der britischen Öl- und Gasfelder wird in Medienberichten auf gut 1 Milliarde Euro taxiert.

Solange keine Sanktionen verhängt worden sind, sieht RWE sich allerdings nicht am Zug. Die neue Eigentümerin LetterOne sei nun aufgefordert, der britischen Regierung Gegenargumente vorzulegen, sagte eine Sprecherin heute gegenüber FINANCE-Online. LetterOne war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de