Private-Equity-Midmarket zwischen Vorsicht und Aufbruch

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Ausblick 2026: Wohin steuert der Private-Equity-Midmarket? Foto: Patrick Daxenbichler - stock.adobe.com
Ausblick 2026: Wohin steuert der Private-Equity-Midmarket? Foto: Patrick Daxenbichler - stock.adobe.com

Der deutsche Private-Equity-Midmarket befindet sich an einem Wendepunkt. Während die gegenwärtige Marktsituation als herausfordernd wahrgenommen wird, zeigen fundamentale Marktindikatoren eine deutliche Erholung. Diese Diskrepanz zwischen Stimmungslage und Marktrealität prägt die aktuelle Investorenlandschaft.

Das sind die Kernergebnisse des neuen Midmarket-Private-Equity-Monitors, für den FINANCE zweimal im Jahr gemeinsam mit der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) Private-Equity-Manager nach ihrer aktuellen Markteinschätzung befragt.

44 Prozent der befragten Investment-Professionals bewerten die aktuelle Marktsituation als schlechter als im Sommer. Nur 17 Prozent sehen eine Verbesserung. Dennoch blickt eine deutliche Mehrheit von 56 Prozent positiv auf 2026 – allerdings erwarten 39 Prozent eine schlechtere Entwicklung. Diese Polarisierung deutet darauf hin, dass viele Manager auf eine Trendwende hoffen, aber noch abwarten, wann diese eintritt.

Defense und Energie dominieren sektorale Präferenzen

Die geopolitische Großwetterlage schlägt sich massiv in den Investitionsprioritäten nieder: 56 Prozent der befragten Private-Equity-Professionals halten den Defense-Sektor für am vielversprechendsten – ein deutliches Signal für die veränderte Weltlage. Der Energie-Sektor folgt mit 28 Prozent auf Platz zwei.

Überraschend zurückhaltend ist das Interesse an Professional Services: Obwohl es im vergangenen Jahr mehrere Einstiege bei Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern gab, halten nur 6 Prozent die freien Berufe für vielversprechend – möglicherweise ein Zeichen dafür, dass der Zug hier bereits abgefahren ist.

Exit-Krise wird zum strukturellen Problem

„Die Kapitalflüsse haben sich fundamental gedreht. Wenn 56 Prozent der Marktteilnehmer Defense als Top-Sektor identifizieren und ehemalige Favoriten wie Professional Services auf 6 Prozent abrutschen, sehen wir eine rationale Rückbesinnung auf Substanz und geopolitische Notwendigkeit“, kommentiert Jannick Hunecke, Vorstand der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). Das sei „keine kurzfristige Mode, sondern eine strukturelle Anpassung der Risikoprämien und eine weitere Aufwertung von selektiver Sektor-Expertise als verlässliche Hebel für Wertsteigerung“.

Das Fundraising bleibt angespannt: Zwei Drittel der Befragten beschreiben es als herausfordernd oder sehr herausfordernd. Der mit Abstand häufigste Grund sind fehlende Exits und die daraus resultierenden geringen Rückflüsse an Limited Partners. Die Exit-Krise hat sich vom konjunkturellen zum strukturellen Problem entwickelt und belastet nicht nur das aktuelle Fundraising, sondern sorgt auch für einen kritischeren Blick der Limited Partners auf ihre Private-Equity-Investments.

Dealflow: Die Trendwende ist da

Trotz der verhaltenen Stimmung sprechen die harten Fakten eine andere Sprache. Der Dealflow verbessert sich kontinuierlich und erreicht mit 5,4 Punkten (auf einer Skala von 1 bis 10) den höchsten Wert seit Sommer 2023 – die vierte Verbesserung in Folge. „Das ist kein Strohfeuer, das ist eine Trendwende“, erklärt Tom Alzin, Sprecher des Vorstands der DBAG.

Der deutsche Private-Equity-Midmarket steht vor einem spannenden Jahr 2026. Die Diskrepanz zwischen Stimmung und Fundamentaldaten eröffnet strategische Chancen für Fonds, die mutig genug sind, antizyklisch zu agieren. Erfolgsentscheidend werden eine klare sektorale Fokussierung, kreative Exit-Lösungen und die Fähigkeit sein, Limited Partners überzeugende Liquiditätsstrategien aufzuzeigen.

Info

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.