Parlamentsgebäude in Bukarest: Durch den Zukauf des rumänischen Unternehmens Provus versucht Wirecard, Handlungsfähigkeit zu beweisen

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01.03.16
Deals

Trotz Hedgefonds-Attacke: Wirecard kauft weiter zu

Trotz der Unruhe der vergangenen Tage hält Wirecard an seinem aggressiven M&A-Kurs fest: Für 8x Ebitda übernehmen die Bayern die rumänische Provus Group.

Wirecard hat die zweite M&A-Akquisition innerhalb weniger Tage bekanntgegeben: Der Finanzdienstleister hat sämtliche Anteile an der rumänischen Provus Group übernommen. Provus mit Sitz in Bukarest ist Wirecard zufolge der führende Zahlungsabwickler und Technologiedienstleister in Rumänien. Der Deal kostet Wirecard 32 Millionen Euro in bar. Weitere Earnout-Zahlungen fallen nicht an. Die einmaligen Integrationskosten bezifffert Wirecard mit 0,5 Millionen Euro.
 
Provus rechnet für dieses Jahr mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 4 Millionen Euro. Der Kaufpreis-Multiple beläuft sich damit auf 8x Ebitda – deutlich niedriger als bei den meisten zurückliegenden M&A-Akquisitionen Wirecards. Mit dem Kauf von Provus hofft Wirecard, von den  hohen Wachstumsraten bei Kartenzahlungen in Rumänien zu profitieren. Verkäufer von Provus ist das norwegische Private-Equity-Haus Innova Capital.

Hedgefonds-Attacken, Kursabsturz: Kapitalmarktkrise bei Wirecard

Erst am Dienstag vergangener Woche hatte Wirecard für 23,5 Millionen Euro die Übernahme des brasilianischen Zahlungsdienstleisters Moip Pagamentos angekündigt. Bei diesem Deal zahlte Wirecard mehr als 10x Ebitda – inklusive potentieller Earn-out-Zahlungen sogar bis zu 17x Ebitda.

Mit den Zukäufen signalisiert Wirecard auch, dass die langfristige Wachstumsstrategie von der Kapitalmarktkrise des Unternehmens gegenwärtig nicht beeinträchtigt wird. Der TecDax-Konzern befindet sich in einer turbulenten Situation. Vergangenen Mittwoch hatte das dubiose Research-Haus Zatarra Research & Investigations schwere Betrugsvorwürfe gegen Wirecard erhoben und die Aktie damit um über 20 Prozent einbrechen lassen.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Hedgefonds zuvor massiv auf einen Kursrutsch bei Wirecard gewettet haben, darunter Häuser wie Odey Asset Management und Blue Ridge Capital. Zatarras Anschuldigungen griffen unter anderem auch angeblich illegale Machenschaften bei den zahlreichen Unternehmen auf, die Wirecard in den vergangenen Jahren im Ausland hinzugekauft hat.

Wirecard-Chef Braun stemmt sich gegen Verkaufsdruck

Wirecard-Chef Markus Braun versucht mit aller Macht, gegen das Misstrauen der Aktionäre anzukämpfen. Allein am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche kaufte Braun über seine Beteiligungsgesellschaft Wirecard-Aktien in Höhe von insgesamt 9,8 Millionen Euro. Ob die Stützungskäufe und die weitere Verfolgung der Wachstumsstrategie dabei helfen, die Aktionäre zu beruhigen und den Kurssturz wieder wettzumachen, ist offen. Zumindest hat sich der Aktienkurs in en vergangenen Tagen bei Kursen um 36 Euro stabilisiert – 10 Prozent über den Tiefständen, die unmittelbar nach der Zatarra-Attacke markiert worden waren.

julian.woehr[at]finance-magazin.de