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Vossloh ist auf Einkaufstour in Frankreich

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Vossloh kauft verstärkt in Frankreich zu. Foto: Vossloh
Vossloh kauft verstärkt in Frankreich zu. Foto: Vossloh

Vosslohs Einkaufstour in Frankreich geht weiter: Der Bahninfrastrukturkonzern will sein Europageschäft durch einen Zukauf in Frankreich erweitern. Das Unternehmen plant den Erwerb von Sateba, einem französischen Betonschwellenhersteller. Die französische Tochtergesellschaft des Konzerns, Vossloh France, hat bereits eine entsprechende Vereinbarung mit dem derzeitigen Eigentümer Towerbrook Capital Partners geschlossen. Das teilte Vossloh am gestrigen Dienstagabend in einer Pressemitteilung mit.

Schätzungsweise 450 Millionen Euro soll der Zukauf die Werdohler kosten. Sateba rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatz von rund 340 Millionen Euro. Bei der Prognose berücksichtigen die Franzosen bereits eine noch laufende Akquisition des belgischen Betonschwellenherstellers De Bonte in Höhe von 25 Millionen Euro. Auf Basis des für das Geschäftsjahr 2025 erwarteten Ebitda ergebe sich so ein Multiple zwischen sieben und acht, teilt Vossloh mit.

Die Sateba Gruppe verfügt derzeit über 19 Produktionsstandorte in zehn europäischen Ländern und beschäftigt rund 1.120 Beschäftigte. Sateba soll innerhalb von Vossloh in das Geschäftsfeld Tie Technologies integriert werden zu dem bereits das Betonschwellengeschäft des Konzerns in Australien und Nordamerika gehört. Der Zukauf soll den Konzern mit einem geplanten jährlichen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro zum weltweit führenden Hersteller von Betonschwellen machen.

Vossloh plant Kapitalerhöhung

Den M&A-Deal will das Unternehmen zunächst über eine Brückenfinanzierung und einem anschließenden, langfristigen Darlehen finanzieren . Zur Höhe und Ausgestaltung der Finanzierung ist bislang nichts bekannt. Auch zur geplanten Refinanzierung der Brückenfinanzierung „durch langfristiges Fremdkapital“ äußerte sich Vossloh auf Nachfrage von FINANCE bisher nicht.

Sobald „geeignete Marktbedingungen“ vorliegen, plane das Unternehmen zudem eine Kapitalerhöhung. Diese soll den Umfang von mehr als 10 Prozent des derzeitigen Grundkapitals nicht überschreiten. Der Mehrheitsaktionär von Vossloh habe einer möglichen Kapitalerhöhung im Verhältnis seines Anteils von derzeit 50,09 Prozent bereits zugestimmt, heißt es von Seiten des Konzerns. Zurzeit kontrolliert Robin Brühmüller als Testamentsvollstrecker des verstorbenen Heinz Hermann Thiele die Mehrheit der Anteile am Bahninfrastrukturkonzern.

Abschluss des Deals wohl im kommenden Jahr

Thomas Triska, Finanzvorstand von Vossloh, rechnet nach Abschluss der Transaktion mit positiven Auswirkungen auf das Ergebnis je Aktie und erklärt in der Pressemitteilung: „Vossloh strebt langfristig unverändert eine zweistellige Ebit-Marge im Konzern an. Zudem soll das Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zu Ebitda nach der Umsetzung der Transaktion weiterhin den Wert von 2,75 deutlich unterschreiten. Mit der dargestellten Finanzierung sind wir äußerst zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.“

Der aktuelle Halbjahresbericht von Vossloh weist derzeit ein Ergebnis je Aktie von 1,96 Euro aus. Im Geschäftsjahr 2023 lag der Wert bei 2,21 Euro. Die Ebit-Marge lag zum 30. Juni bei 8,8 und zum 31. Dezember 2023 bei 8,1 Prozent.

Ein Abschluss des M&A-Deals wird für Frühjahr 2025 erwartet. Zunächst müsse man einen in Frankreich gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsprozess mit der zuständigen Arbeitnehmervertretung durchführen. Zudem unterliege die Transaktion noch dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben in mehreren Ländern.

Bereits der zweite französische Zukauf von Vossloh

Der Zukauf des französischen Unternehmens Sateba ist für Vossloh nicht der erste Deal in Frankreich in diesem Jahr. Erst vor drei Wochen gab der Konzern den Kauf von France Aiguillages Services, einem Dienstleister im Bereich Weichen und Weichensignalen, bekannt. Das Unternehmen ist ein Kunde der französischen Staatsbahn SNCF und verstärkt künftig den Geschäftsbereich Lifecycle Solutions von Vossloh.

Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.

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