Der Erfolg einer Private-Equity-Investition wird wesentlich durch das Ergebnis des Exits bestimmt. Die Verfügbarkeit und Qualität von Finanzdaten spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie bilden das Fundament der Equity-Story und sind somit ein wesentlicher Werthebel im Verkaufsprozess.
Während operative Verbesserungen häufig im Vordergrund stehen, zeigt die Praxis, dass gerade die Finanzorganisation – vom CFO bis hin zu Controlling und Accounting – darüber bestimmt, wie überzeugend und transparent diese Erfolge präsentiert werden. Mangelnde Datenverfügbarkeit oder Inkonsistenz können Abschläge beim Verkaufspreis bedeuten.
Die Finanzabteilung bildet somit das Rückgrat eines erfolgreichen Verkaufsprozesses. Dabei ist die Ausgangsposition aufgrund der spezifischen Anforderungen im Vorfeld des Exits – insbesondere im Kontext der Mehrbelastung durch die Due Diligence und dem hohen Zeitdruck – nicht immer ideal. Ein ganzheitliches Finance Target Operating Model wird damit zum entscheidenden Faktor für die Exit-Readiness.
Frühzeitige Exit-Strategie ermöglicht priorisiertes Handeln
Eine belastbare Organisationsstruktur, mit klar abgegrenzten Verantwortlichkeiten, effizienten Führungsspannen und einer klaren Rollenverteilung, sorgt dafür, dass Finanzdaten verlässlich, Prozesse schlank und Entscheidungswege kurz bleiben. Besonders im Exit zählt diese Klarheit doppelt: Sie signalisiert Käufern Stabilität und schafft Vertrauen in die Datenbasis.
Die frühzeitige Ausrichtung von Organisationsstruktur und Finanzstrategie auf den geplanten Exit ist hierbei entscheidend und ermöglicht priorisiertes Handeln sowie eine effiziente Ressourcenverteilung und schafft somit die Basis für robuste Prozesse und die Verfügbarkeit von Daten.
Effiziente Prozesse schaffen Freiraum
Effiziente Prozesse und Abläufe auf der Verkäuferseite sind die Grundlage der erfolgreichen Begleitung einer Transaktion. Diese ermöglichen flexiblere Mitarbeiterressourcen, die notwendig sind, um den kurzfristigen Anforderungen und der erhöhten Detailtiefe im Rahmen eines Verkaufsprozesses nachzukommen. Durch die Standardisierung von Abläufen kann zusätzlich die Qualität und Konsistenz der Informationen gesteigert werden, was im Rahmen der Due Diligence von hoher Bedeutung ist. Darüber hinaus bedarf es der Anpassung ausgewählter Prozesse an die Spezifika eines Exits, wie beispielsweise ein umfangreicherer Budget-/Planungsprozess sowie zusätzliche Szenario- und Sensitivitätsanalysen.
Zeitreihen und Wertetreiber stärken das Käufer-Vertrauen
Käufer erwarten im Due-Diligence-Prozess vor allem drei Dinge: schnelle und verlässliche Daten, belastbare Forecasts und klares Segmentreporting. Typische Benchmarks sind ein Monatsabschluss in fünf bis sieben Arbeitstagen, Forecast-Genauigkeit mit Abweichungen im einstelligen Prozent-Bereich und die Fähigkeit, Investoren-Reports innerhalb kürzester Zeit vorzulegen. In der Due Diligence Phase muss der potentielle Käufer Vertrauen in die operative und finanzielle Leistungsfähigkeit gewinnen.
Eine transparente Steuerung und Governance durch die Finanzorganisation sowie unterstützende Technologien und Systeme rücken dadurch zunehmend in den Fokus. Dabei ist die frühzeitige Definition der für den potentiellen Käufer zentralen KPIs relevant (je nach Segment, beispielsweise Adjusted Ebitda, Auftragsbestand, Effizienz- und Wachstumskennzahlen), um die Bereitstellung ausreichender Zeitreihen mit konsistenten und belastbaren Daten zu ermöglichen. Diese Transparenz ist bereits im Vorfeld des Exits entscheidend, weil ein wertorientiertes Management bei der Unternehmenssteuerung diese KPIs von Beginn an beachtet und positiv entwickelt.
Empfehlungen für eine erfolgreiche Exit-Vorbereitung
Eine kurzfristige Bestandsaufnahme („Red Flag Report“) hilft zur initialen Ableitung von Handlungsempfehlungen, Identifizierung von Ineffizienzen sowie Ableitung von Best- Practices. Laufende Reportings sollten bereits im Vorfeld des Verkaufs um investoren-orientierte KPIs ergänzt werden, um eine belastbare Datenbasis für die spätere Due Diligence sicherzustellen.
Bei erforderlichen Carve-out-Maßnahmen ist besondere Sorgfalt geboten. Hier ist in der Aufstellung der Finanzorganisation, der Erfassung der Daten sowie bei der Auswahl der Finanzsysteme die spätere Trennung zu antizipieren.
Die Finanzorganisation als Werthebel im Verkaufsprozess
Eine frühzeitige und vorausschauende Ausrichtung des Finance Target Operating Model bietet für den Exit-Prozess große Vorteile. Die Exit-Readiness ist daher keine kurzfristige Übung, sondern das Ergebnis einer nachhaltig professionalisierten Finanzorganisation. Sie verbindet Struktur, Mitarbeiter und Prozesse zu einem Finance Target Operating Model, das nicht nur Effizienz steigert, sondern vor allem Glaubwürdigkeit schafft und damit den Verkaufswert einer Beteiligung im Exit maximiert.
Der Sanierungsexperte ist seit 2017 Teil des Teams von FTI-Andersch. Die fachlichen Schwerpunkte des Managing Directors liegen in der Erstellung von Sanierungsgutachten, integrierten Unternehmensplanungen sowie kurzfristigen Liquiditätsforecasts. Zudem begleitete er in der Vergangenheit komplexe Refinanzierungsprozesse. Seine Branchenschwerpunkte liegen im Bereich Maschinen- und Anlagenbau sowie Automotive.
