Data Analytics, KI, ESG-Reporting – die Liste neuer Anforderungen in der Finance-Welt scheint endlos. Was Finance-Profis wirklich brauchen, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein, darum geht es in der neuen Folge Future FINANCE.
In der Vielzahl an Zertifikats- und Weiterbildungsangeboten kann man als junger Finanzprofi schnell den Überblick verlieren. Für welche Spezialisierung ist welches Zertifikat relevant? Und für wen sind manche Fortbildungen auch überflüssig? Diese und weitere Fragen beantwortet in dieser Folge Mike Schulze, er ist nicht nur Vizepräsident für Forschung & Praxistransfer und Professor für Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement an der CBS International Business School in Mainz, sondern auch Honorary Professor in Residence beim Institute of Management Accountants (IMA).
IMA-Professor Mike Schulze kennt Theorie und Praxis
Mit seiner Doppelperspektive aus Wissenschaft und Praxis – er war selbst in der Finanzabteilung eines großen Autobauers tätig – beleuchtet Schulze die entscheidenden Kompetenzen für moderne Finance-Karrieren.
Ein besonderes Schlaglicht wirft er auf das kürzlich aktualisierte IMA Competency Framework 2025. Was das ist und wie es Young Professionals in der Karriere konkret Orientierung bietet, das erklärt er im Podcast.
Im Interview gibt Schulze konkrete Einblicke in die Lücke zwischen Hochschulausbildung und Unternehmenspraxis, erklärt das Konzept der „Proficiency Levels“ und stellt die verschiedenen IMA-Zertifikate vor – vom Einstiegs-FMAA über den anspruchsvollen CMA bis zum strategieorientierten CSCA. Außerdem verrät er, warum sogenannte „Durable Skills“ in einer zunehmend automatisierten Finance-Welt immer wichtiger werden.
Welche Kompetenzen machen Finanzer zukunftsfähig?
FINANCE: Wo siehst du aktuell die größte Lücke zwischen dem, was an Hochschulen gelehrt wird, und dem, was Unternehmen wirklich brauchen?
Mike Schulze: Die größte Lücke liegt meines Erachtens heute nicht im klassischen Fachwissen. Das wird an den Hochschulen mit großer Erfahrung solide vermittelt. Die eigentliche Lücke entsteht dort, wo diese Inhalte in datengetriebene, digitale und strategische Entscheidungssituationen übersetzt werden müssen. In der Unternehmenspraxis arbeiten junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute sehr früh in Projekten zu BI-Systemen, Automatisierung, ESG-Reporting oder Forecasting mit KI. Dort reicht es nicht mehr aus, Zahlen zu liefern. Sie müssen verstehen, wie diese Zahlen entstehen, wie Datenqualität gesichert wird und wie Unsicherheiten bewertet werden. Und vor allem, wie sie dem Management konkrete Handlungsimpulse geben.
FINANCE: Es kommen immer mehr Themen auf Finanzer zu. Ist das alles realistisch oder überfrachten wir den Beruf vielleicht auch mit Anforderungen?
Mike Schulze: Niemand muss alles können. Ein Werkscontroller muss kein KI-Experte werden, aber er muss verstehen, welche Auswirkungen automatisierte Forecasts auf seine Steuerungslogik haben. Eine ESG-Controllerin muss keine IT-Spezialistin sein, aber die Grundzüge von Datenqualität verstehen. Das IMA Competency Framework etwa schafft Struktur in einer komplexen Welt. Es überfordert nicht, sondern ordnet Anforderungen sinnvoll ein und zeigt, welche Kompetenzen auf welcher Karrierestufe realistisch sind.
FINANCE: Wir haben jetzt viel über Hard Facts gesprochen, aber Soft Skills machen den Unterschied in der Karriere. Welche Soft Skills werden denn für das zukünftige Finanzmanagement relevant sein?
Mike Schulze: Je stärker Finance durch Daten, Automatisierung und KI geprägt wird, desto wichtiger werden sogenannte Durable Skills. Durable Skills, auch dauerhafte, robuste oder übertragbare Kompetenzen, bezeichnen langfristig relevante, kontextübergreifende Fähigkeiten, die unabhängig von konkreten Tools, Technologien oder Jobtiteln einsetzbar sind und auch bei starkem technologischen Wandel stabil bleiben. Hier sind beispielsweise Kommunikationsfähigkeit, kritisches Denken, Anpassungsfähigkeit, Veränderungskompetenz sowie ethische Urteilsfähigkeit zu nennen.
Den vollständigen Podcast können FINANCE-Leser auf allen relevanten Plattformen hören – zum Beispiel bei Spotify, Apple Podcasts oder Amazon Music.
Info
Anmerkung der Redaktion: Die Aussagen von Mike Schulze wurden leicht verkürzt und bearbeitet, um die Verständlichkeit zu erhöhen.



