Bilanzierung & Controlling
27.07.17

Honorare von KPMG, PwC und EY im Vergleich

Big Four: Wer die bestbezahlten Dax-Mandate hat

Von Julia Schmitt

KPMG, PwC, Deloitte und EY duellieren sich hart um die lukrativsten Dax-Mandate – so viel Honorar haben die Dax-Konzerne den Wirtschaftsprüfern 2016 überwiesen.

KPMG hat mit der Deutschen Bank das am besten bezahlte Prüfmandat im Dax. Doch auch die Honorare der PwC-Kunden können sich sehen lassen.

picture alliance/AP Images/Michael Sohn

KPMG hat mit der Deutschen Bank das am besten bezahlte Prüfmandat im Dax. Doch auch die Honorare der PwC-Kunden können sich sehen lassen.

Die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young (EY) mobilisieren derzeit alle Kräfte, um die besten Prüfmandate zu gewinnen. Sie nutzen die Prüferrotation, die alle kapitalmarktorientierten Unternehmen zwingt, ihre Prüfmandate neu auszuschreiben, um ihren Rivalen die besten Kunden abspenstig zu machen.

Welche Dax-Unternehmen dabei besonders lukrativ waren, zeigt eine Analyse aller Geschäftsberichte der Dax30-Konzerne für das Geschäftsjahr 2016, die FINANCE durchgeführt hat. Sie macht deutlich, welches WP-Haus das meiste Geld für welche Leistungen kassiert hat.

Deutsche Bank zahlte 82 Millionen Euro an KPMG

Geht man nach der Höhe des Honorars, hat KPMG wie auch schon im Vorjahr das mit Abstand am besten bezahlte Mandat: Die Deutsche Bank hat der WP-Gesellschaft mit 82 Millionen Euro das höchste Honorar seit Jahren gezahlt. 2015 waren es noch 76 Millionen Euro gewesen.

49 Millionen Euro wurden für die Prüfung des Konzernabschlusses gezahlt, der Rest teilt sich in Steuerberatung und andere Beratungsleistungen auf. Die Summe von 82 Millionen Euro bekam die gesamte KPMG-Gruppe für alle konzernweit erbrachten Dienstleistungen, KPMG Deutschland erhielt davon 38 Millionen Euro. 

Bleibt KPMG Allianz-Berater?

Auch das zweithöchste Honorar ging 2016 an KPMG. Es liegt allerdings deutlich niedriger als bei der Deutschen Bank: 64,6 Millionen Euro zahlte die Allianz für alle konzernweiten Dienstleistungen von KPMG, 48 Millionen Euro für die Abschlussprüfung. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Summe nochmal deutlich um 10 Millionen Euro erhöht. 2017 wird KPMG allerdings zum letzten Mal Prüfhonorare von der Allianz erhalten, denn das Mandat übernimmt ab 2018 der Konkurrent PwC.

Ob die Allianz dann aber auch PwC – wie derzeit KPMG – sowohl als Prüfer als auch als Berater engagieren wird, muss sich erst noch zeigen. Denkbar ist auch, dass der Versicherer das Beratungsmandat weiterhin bei KPMG belässt – immerhin kennt die Gesellschaft die Allianz bereits seit über 127 Jahren. PwC wäre dann alleine für die Prüfung zuständig. Für KPMG bietet sich durch den Verlust des Prüfmandats sogar die Aussicht auf zusätzliches Beratungsgeschäft, denn um die Unabhängigkeit als Prüfer zu wahren, darf KPMG die Allianz momentan nur sehr eingeschränkt beraten.

KPMG flossen über 350 Millionen Euro zu

Auch das dritthöchste Honorar im Dax ging 2016 an KPMG, Daimler zahlte für alle konzernweiten Dienstleistungen 53 Millionen Euro, davon 26 Millionen Euro für die Abschlussprüfung. Neben diesen drei hochbezahlten Mandaten hat KPMG im Dax noch weitere Kunden, die 2016 ebenfalls viele Millionen überwiesen haben. Dazu gehören unter anderem Fresenius (25 Millionen Euro), BASF und ThyssenKrupp (jeweils rund 18 Millionen Euro). Zwei weitere gut bezahlte Mandate wird KPMG bald abgeben müssen: Der Autokonzern BMW, der ab 2019 einen neuen Prüfer haben wird, zahlte 23 Millionen Euro, und Henkel, ab 2020 mit einem neuen Prüfer unterwegs, 12 Millionen Euro.

Insgesamt sind KPMG durch die 17 Dax-Prüfmandate im vergangenen Jahr rund 356 Millionen Euro Honorar zugeflossen, was etwas mehr als im Vorjahr ist, wo es rund 333 Millionen Euro waren. Damit liegen die Einnahmen von KPMG weit über jenen der Konkurrenz.

PwC erhielt 46 Millionen Euro von der Commerbank

PwC hat 2016 rund 231 Millionen Euro erhalten (Vorjahr: 236 Millionen Euro), allerdings prüft die Gesellschaft mit acht Konzernen deutlich weniger Unternehmen im Dax als KPMG. Dass die Summe dennoch so hoch ist, lag daran, dass PwC mehrere hoch bezahlte Mandate hatte. Dazu gehört die Commerzbank, die 46 Millionen Euro für konzernweite Dienstleistungen gezahlt hat, 16 Millionen Euro davon für die Abschlussprüfung.

Dieses Mandat muss PwC allerdings 2018 an EY abgeben. Auch bei der Commerzbank ist denkbar, dass PwC weiterhin als Berater agieren darf, was in diesem Fall ganz besonders lukrativ wäre, da die Bank alleine 22 Millionen Euro für Steuerberatungsleistungen sowie sonstige Beratungsleistungen gezahlt hat.

Ebenfalls viel Geld an PwC gezahlt haben 2016 E.on (42 Millionen Euro), RWE (27,5 Millionen Euro) und die Deutsche Telekom (21 Millionen Euro). Das Mandat bei Bayer, mit 28 Millionen Euro dotiert, gibt PwC dieses Jahr an Deloitte ab. Es ist das bisher einzige Dax-Mandat, das Deloitte ergattern konnte.

Prüfmandate im Dax: EY holt auf

Weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz ist EY: Die Stuttgarter haben 2016 rund 59 Millionen Euro erhalten, das ist in etwa genauso viel wie im Jahr zuvor. EY prüft derzeit nur drei Unternehmen im Dax, immerhin ist Siemens mit einem Honorar von 49,5 Millionen Euro das am viertbesten bezahlte Mandat aller Dax-Konzerne.

Die anderen beiden EY-Kunden liegen deutlich darunter: Von Beiersdorf erhielt EY 1,7 Millionen, von HeidelbergCement 7,7 Millionen Euro – allerdings ist das jeweils nur der Wert, den EY für die Prüfung der inländischen Gesellschaft erhalten hat, die konzernweite Summe wird nicht ausgewiesen.

Das Gute aus Sicht von EY ist allerdings, dass diese drei Mandate für die kommenden Jahren recht sicher sind: Beiersdorf und HeidelbergCement haben die Ausschreibung dieses Jahr bereits hinter sich gebracht, hier konnte EY die Mandate erneut gewinnen. Siemens muss das Mandat zwar in den kommenden Jahren ausschreiben, da der WP dort allerdings erst seit 2009 prüft, ist es gut denkbar, dass EY erneut zum Prüfer gewählt wird. Wenn ab 2018 die Commerzbank hinzukommt, könnte EY in der Honorarliste langsam aufholen .

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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