KPMG prüft Henkel schon seit 1932. Jetzt hat der Dax-Konzern das Mandat neu ausgeschrieben.

Henkel

29.05.17
Banking & Berater

KPMG muss Prestigemandat Henkel abgeben

Nach der Allianz und BMW verliert KPMG erneut ein großes Prüfmandat: Der Dax-Konzern Henkel hat sich auf die Suche nach einem neuen Abschlussprüfer gemacht.

Die WP-Gesellschaft KPMG muss ein weiteres großes Prestigemandat abgeben: Der Dax-Konzern Henkel sucht ab dem Geschäftsjahr 2020 einen neuen Abschlussprüfer, wie aus einer Ausschreibung im Bundesanzeiger hervorgeht. KPMG (beziehungsweise die deutschen Vorgängergesellschaften von KPMG) prüfen Henkel seit 1932, wie ein Henkel-Sprecher auf Anfrage erklärte.

Der Grund für die Ausschreibung ist die verpflichtende Abschlussprüferrotation, laut der Unternehmen künftig alle zehn Jahre ihr Prüfmandat neu ausschreiben müssen und alle zwanzig Jahre den Prüfer wechseln müssen.

KPMG darf sich daher nicht erneut bei Henkel bewerben. Wegen dieser neuen Regelung musste KPMG, mit derzeit über 50 Unternehmen der mit Abstand meistbeschäftige Prüfer in der Dax-Familie, bereits mehrere Mandate abgeben.

Henkel zahlte KPMG über 12 Millionen Euro

Die wichtigsten davon sind BMW und die Allianz. BMW hat sein Prüfmandat erst vor einigen Wochen neu ausgeschrieben, dort darf KPMG nur noch bis einschließlich 2018 prüfen. Der Autokonzern zahlte KPMG zuletzt ein jährliches Honorar von rund 23 Millionen Euro.

Ebenfalls verloren hat KPMG das Mandat beim Versicherer Allianz, wo ab 2018 PwC prüfen wird. KPMG hatte dieses Mandat sogar 127 Jahre inne und erhielt von der Allianz zuletzt stattliche 64 Millionen Euro für seine Dienstleistungen.

KPMG muss aber nicht nur Mandate abgeben, sondern konnte auch schon Erfolge verbuchen. So darf die WP-Gesellschaft die Mandate bei der Metro und bei BASF noch zehn weitere Jahre lang behalten.

Verglichen mit BMW und der Allianz schlägt der Verlust des Henkel-Mandats umsatzseitig deutlich weniger stark ins Kontor: Für alle Leistungen zahlte der Dax-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr 12,6 Millionen Euro, davon für die Abschlussprüfung alleine 9,6 Millionen Euro. Die restliche Summe erhielt KPMG für Beratungsleistungen. 

KPMG muss um SAP, Daimler, Deutsche Bank bangen

Dennoch zählt das Mandat bei dem Traditionskonzern zu den Leuchtturmaufträgen von KPMG, die die WP-Gesellschaft als Arbeitgeber attraktiv machen. KPMG hat zwar noch diverse andere Prestige-Mandate im Portfolio, darunter SAP, Daimler, die Deutsche Bank, die Deutsche Börse oder Continental. Allerdings müssen auch diese laut der neuen Prüfer-Richtlinie bis 2021 beziehungsweise bis 2023 (SAP) abgegeben werden.

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Konzerne die gesetzten Fristen bis zum Ende ausreizen werden, gering. Höchstwahrscheinlich werden sie die Mandate bereits in einem oder spätestens in zwei Jahren ausschreiben, um sich die bei ihrem neuen Prüfer die besten Fachleute sichern zu können. Je später ein Unternehmen ausschreibt, desto eher kann es passieren, dass die besten Mitarbeiter bereits für andere Mandate verpflichtet sind.

So ist es auch bei Henkel: Der Konzern hätte eigentlich noch bis 2021 warten können, hat aber schon jetzt ausgeschrieben, um „einen gründlichen Auswahl- und Wechselprozess mit entsprechendem Vorlauf zu gewährleisten“, wie ein Sprecher auf FINANCE-Anfrage erklärt.

KPMG will sich als Unternehmensberater positionieren

KPMG versucht die verpflichtende Rotation als Chance zu begreifen und sich stattdessen als Unternehmensberater zu positionieren. Der Grund: Dort, wo die Gesellschaft nicht mehr prüfen darf, hat sie die Aussicht auf einen deutlichen Ausbau der Beratungsmandate. Für die großen WP-Gesellschaften KPMG, PwC, Ernst & Young und Deloitte (Big Four) sind die Beratungsmandate häufig wesentlich lukrativer als die Prüfaufträge.

Das Vorzeigeprojekt von KPMG, um sich bei den Konzernen besser zu positionieren, ist das Insights Center am Frankfurter Standort, dass die Kunden bei der Analyse ihrer Unternehmensdaten unterstützen und die digitale Transformation vorantreiben soll.

Ob KPMG auch bei Henkel lukrative Beratungsaufträge gewinnen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Bisher nimmt der Konsumgüterkonzern kaum Beratungsleistungen von KPMG in Anspruch, wie aus der Aufschlüsselung des Dax-Konzerns für die gezahlten Beraterhonorare 2016 hervorgeht.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb zwischen KPMG, Deloitte, PwC und Ernst & Young (EY) so hart wie derzeit. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu den Big Four.