Erstmals in seiner Geschichte wird der Versicherer Allianz mit einem neuen Abschlussprüfer zusammenarbeiten. Hatte bisher KPMG die Bilanzen testiert, wird das nun die Aufgabe von PwC sein.

Allianz

28.03.17
Banking & Berater

KPMG verliert Allianz-Mandat nach 127 Jahren

Seit 1890 prüft KPMG die Bilanzen der Versicherung Allianz. Damit ist es nun vorbei – das Mandat geht an den konkurrierenden Wirtschaftsprüfer PwC.

1890 wurde die Allianz gegründet, seitdem lässt sich der Münchener Versicherer immer vom gleichen Abschlussprüfer die Bilanzen absegnen: von KPMG, beziehungsweise der Vorgängerfirma Deutsch-Amerikanische Treuhand-Gesellschaft, die ebenfalls im Jahr 1890 entstand. Diese traditionsreiche Beziehung geht nun nach 127 Jahren zu Ende, denn die Allianz hat ihren Prüfer gewechselt.

Der Aufsichtsrat der Allianz hat PwC als neuen Abschlussprüfer ab dem Geschäftsjahr 2018 gewählt, wie der Versicherer auf Nachfrage bestätigt. PwC muss jetzt noch in der Bilanzsitzung des Aufsichtsrats bestellt werden, was als Formalie gilt.

Die Allianz hatte das Mandat im Mai vergangenen Jahres ausgeschrieben. Der Grund dafür war die verpflichtende Prüferrotation, die seit Juni 2016 gilt. Demnach müssen Unternehmen künftig spätestens nach zehn Jahren ihr Prüfungsmandat ausschreiben. Mit der neuen Regelung soll die Unabhängigkeit des Prüfers besser sichergestellt werden, denn häufig prüfen sie ein und dasselbe Unternehmen über mehrere Jahrzehnte – im Falle der Allianz war die Dauer besonders lang.

So ist die Beziehung zwischen Allianz und KPMG die mit Abstand längste zwischen einem  Unternehmen und einem Prüfer im Dax. Am zweitlängsten den gleichen Prüfer mandatiert hat die Lufthansa, dort testiert über 60 Jahren PwC die Bilanzen.

Allianz zahlte 64 Millionen Euro an KPMG

Mit der Allianz verliert KPMG ein äußerst gut bezahltes Mandat: 2015 hat KPMG für alle seine Dienstleistungen beim Konzern über 64 Millionen Euro erhalten, auf die Abschlussprüfung entfielen dabei 48 Millionen Euro. Das ist eines der höchsten Honorare, das im Dax gezahlt wird. Noch höher ist das Honorar nur noch bei der Deutschen Bank, die KPMG zuletzt 82 Millionen Euro zahlte.

Das Allianz-Mandat ist damit für PwC mehr als ein Ausgleich für den Verlust des Mandats bei der Commerzbank, diese hatte PwC 46 Millionen Euro gezahlt. Ob die Allianz PwC eine ähnlich hohe Summe wie bisher KPMG zahlen wird, wird sich erst in den kommenden Geschäftsberichten zeigen. Nicht selten führt ein Prüferwechsel zu einem niedrigeren Tagessatz, da die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young (EY) im Kampf um die besten Mandate auch über ein niedrigeres Honorar zu punkten versuchen. 

KPMG prüft die meisten Mandate in der Dax-Familie

Für KPMG ist es das erste Mandat, das der Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Prüferrotation verliert. In den kommenden Jahren werden noch einige folgen, denn KPMG prüft alleine rund ein Drittel aller Mandate der Dax-Familie (Dax30, MDax, SDax, TecDax) – gemessen an dieser Anzahl war KPMG innerhalb der Big Four damit bisher der Marktführer.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass BMW sein Mandat ausgeschrieben hat, das bisher bei KPMG lag. Allerdings konnte KPMG auch Erfolge verbuchen: Die Mandate bei Metro und BASF konnte die WP-Gesellschaft retten und darf dort noch zehn Jahre lang weiterprüfen. Bei diesen Unternehmen war nur eine neue Ausschreibung des Mandats Pflicht, nicht aber zwangsläufig der Wechsel des Prüfers.

PwC dürfte mit dem Gewinn des Allianz-Mandats nun auch gute Chancen auf das Mandat bei dem Rückversicherer Munich Re haben, der momentan noch von KPMG geprüft wird. Das Mandat wurde aber noch nicht ausgeschrieben. Häufig bevorzugen Unternehmen Prüfer, die in ihrer Branche bereits Erfahrungen gesammelt haben. Und das dürfte im Versicherungsbereich, der sich in der Bilanzierung vom Industriesektor unterscheidet, besonders gelten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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