Nachdem noch unklar war, ab wann Veronika Bienert die Finanzgeschicke von Siemens alleine verantworten wird, schafft der Technologiekonzern nun Tatsachen: Spätestens zum 13. Mai 2026 wird Bienert den CFO-Posten alleine bekleiden. Ralf Thomas, seit Jahren CFO bei Siemens, wird Mitte Mai auf eigenen Wunsch aus dem Amt scheiden, heißt es aus dem Unternehmen.
Veronika Bienert ist schon lange bei Siemens
Bei der Verkündung, dass Bienert die Nachfolge von Thomas antreten wird, war zunächst nicht klar, wann sie die Verantwortung von Thomas übernehmen wird und wie lange die Übergangsphase laufen wird. Bekannt war nur, dass ihr Vertrag ab 1. April laufen wird. Das Zögern beim Timing mutete ungewöhnlich an – immerhin ist Bienert kein neues Gesicht, sondern seit mehr als 30 Jahren im Konzern und bestens vernetzt.
Laut Jim Hagemann Snabe, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens, wolle man mit der jetzigen Entscheidung für eine geordnete und reibungslose Nachfolgeplanung im Vorstand sorgen. „Mein besonderer Dank gilt Ralf Thomas für seine aktive Unterstützung bei der Auswahl und Einarbeitung seiner Nachfolgerin sowie für seine klare Führung und strategische Weitsicht, die maßgeblich zur heutigen Stärke des Unternehmens beigetragen haben“, führt er weiter aus.
CFO Ralf Thomas berät Siemens bis Ende 2026
Bienert tritt in große Fußstapfen. Der aktuelle CFO Ralf Thomas hat nahezu seine gesamte Berufslaufbahn bei Siemens verbracht und war mehr als zehn Jahre Finanzvorstand – er hat den Konzern maßgeblich geprägt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand im Mai wird er dem Vorstand und Aufsichtsrat bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Dezember 2026 als Berater zur Verfügung stehen. Bei der Siemens-Tochter Healthineers bleibt er Aufsichtsratsvorsitzender.
Darüber hinaus verkündete Siemens weitere personelle Entscheidungen. Peter Körte, Mitglied des Vorstands sowie Chief Technology Officer und Chief Strategy Officer der Siemens AG, wird zusätzlich zu seinen bisherigen Funktionen die Verantwortung im Vorstand für Smart Infrastructure von Matthias Rebellius zum 1. Juli 2026 übernehmen. Rebellius wird auf eigenen Wunsch hin aus dem Vorstand des Unternehmens ausscheiden. Mit dem Ausscheiden von Thomas und Rebellius verkleinert sich der Vorstand von sieben auf fünf Personen.
Siemens hebt Jahresprognose an
Siemens veröffentlichte außerdem die Zahlen für das erste Quartal 2026. Der Konzern hebt die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 an und bestätigt die positive Geschäftsentwicklung in den Bereichen Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility. Siemens profitiere zunehmend von der Integration Künstlicher Intelligenz in seine Kernprozesse, heißt es aus dem Unternehmen.
Der Auftragseingang stieg im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro, während die Umsatzerlöse um 8 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro zulegten. Der Gewinn nach Steuern fiel jedoch auf 2,2 Milliarden Euro im Vergleich zu 3,9 Milliarden Euro im 1. Quartal 2025. Als Gründe dafür nannten die Münchner unter anderem den Innomotics-Verkauf, der sich mit einem Gewinn von 2,1 Milliarden Euro positiv auf das Vorjahresquartal ausgewirkt hatte.
Zudem sank der Free Cash Flow auf 677 Millionen Euro (Vorjahr: 1,6 Milliarden Euro). Dieser Rückgang sei vor allem auf das industrielle Geschäft zurückzuführen, wo mehr Kapital in das Working Capital investiert wurde. Ein Grund dafür waren unter anderem ausstehende Zahlungen bei Mobility-Projekten, die fällig wurden.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
