Am 22. April war es wieder so weit und der Frankfurter Westhafen Pier öffnete seine Türen für die deutschsprachige Midmarket-Private-Equity-Community. Mehr als 250 PE-Professionals kamen zusammen, um die drängendsten Fragen der Branche zu diskutieren. Und die lagen in diesem Jahr auf der Hand: Wie positioniert sich Private Equity in einem Europa, das sich wirtschaftlich und militärisch neu erfinden muss? Und kann die Branche ihren Stau aus stockenden Exits lösen?
Private Equity als Motor der Reindustrialisierung
Den Auftakt machte Simon Pex von Carlyle mit einer Keynote zur geopolitischen Lage Europas. Der Kontinent reagiere auf verschiedene Herausforderungen wie den russischen Angriffskrieg oder Verschiebungen der transatlantischen Verhältnisse mit dem größten Investitionsprogramm seit Jahrzehnten, auch Deutschland investiere Milliardenbeträge in Verteidigung und Resilienz. Für Pex ist klar, wer diesen Wandel unterstützen und damit zur Reindustrialisierung beitragen soll: Private Equity. Der Staat habe schließlich große Ambitionen, welche durch schnelles und flexibles Kapital komplementiert und weiter beschleunigt werden können. „Europa wird sich neu erfinden. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell“, so Pex.
Defence lockt, doch die Hürden bleiben
Das Thema Defence zog sich durch die gesamte Konferenz – und blieb zwiespältig. Generalleutnant a.D. Peter Bohrer, der gemeinsam mit Strategy&-Partner Dominik Roland über die Chancen und Grenzen von Defence-Investments diskutierte, zeichnete ein klares Lagebild: Russland stelle die größte Bedrohung dar, hybride Kriegsführung präge den Alltag, und auf die USA als verlässlichen Partner könne Europa nicht mehr zählen. Drohnen, Munition und unbemannte Systeme hätten enormen Nachholbedarf und böten damit echtes Investitionspotential für Private Equity.
Doch die Umsetzung ist komplizierter, als die Euphorie vermuten lässt. Große Waffensysteme etwa seien fragmentiert und für PE-Fonds schwer zugänglich, meint wiederum Roland. Ein Ausweg dafür könnten Dual-Use-Technologien sein – also Komponenten und Systeme, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. So lasse sich laut den Gesprächspartnern beispielsweise am Rüstungsboom partizipieren, ohne direkt in Waffen zu investieren.
Dealflow ja, aber mit Geduld
In der Midmarket-Runde wurde deutlich, wie sehr der demografische Wandel den Markt verändert. Viele Familienunternehmer suchen gerade Nachfolger und seien mitunter dadurch offener für Private Equity als je zuvor. Es gebe außerdem wieder mehr Versuche, Exits zu machen und der Dealflow im Lower Midmarket sei attraktiv. Entscheidend sei bei einem Investment die operative Nähe zum Unternehmen, so der Tenor der Runde.
PE-Häuser, die fehlende Funktionen – vom CFO bis zum Vertriebsleiter – aktiv einbringen und mit ihnen eng zusammenarbeiten, verschafften sich einen klaren Vorteil. Isabella Eichler von Altor Equity Partners betonte überdies, dass insbesondere darauf geachtet werden müsse, ob ein Unternehmen wirklich langfristig wachsen und Geld verdienen könne: Nicht die Frage, wie das Unternehmen in drei Jahren aussehen könnte, sei entscheidend – sondern wie in zwanzig.
LPs werden selektiver
Den Abschluss der Investorenkonferenz machte die LP-Diskussionsrunde. Deutlich wurde auch hier: die Geldgeber hinter den Fonds, also Pensionskassen, Dachfonds und Family Offices, schauen kritischer auf den Markt als noch vor einigen Jahren. Danial Krüger von HQ Capital warnte etwa vor blindem Vertrauen in jene Megatrends, die auf der Konferenz kontrovers diskutiert wurden. Wer in Defence, KI oder Healthcare investiere, müsse beweisen, dass er dort wirklich Wert schöpfen kann und nicht nur auf der Welle reitet.
Oskar Volkland von Astorius etwa stellte klar, dass Investoren in der Führung ihrer Beteiligungsunternehmen bereits vor dem Aufkommen von ESG-Trends und -Labels auf nachhaltiges Agieren geachtet haben, um im Exit Spitzenbewertungen zu erzielen: keine offenen Rechtsstreitigkeiten, keine Umweltskandale und stattdessen eine glaubwürdige Unternehmens- und Mitarbeiterführung. Nur wer diese Anforderungen erfülle, könne in einer Transaktion Höchstpreise erzielen. Trendthemen seien in der langfristigen Allokationsstrategie grundsätzlich zu hinterfragen, insbesondere wenn einige Impact-orientierte Investoren von vor vier bis fünf Jahren heutzutage gezielt nach Rüstungsfonds suchen.