Noch vor rund eineinhalb Jahren war Salzgitter Ziel einer möglichen Übernahme, nun wurde der niedersächsische Stahlkonzern selbst aktiv: Am 8. Juli hat das Unternehmen den vollständigen Erwerb von Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) unterzeichnet. Bereits im Frühjahr einigte sich Salzgitter mit den Mitgesellschaftern über die alleinige Eigentümerschaft, nachdem Thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec ihren geplanten Ausstieg aus dem Joint Venture angekündigt hatten.
Thyssenkrupp Steel Europa hatte im August 2024 erstmals angekündigt, sich von der 50-prozentigen Beteiligung trennen zu wollen. Der Verkauf ist Teil eines Restrukturierungsprogramms bei Thyssenkrupp Steel Europe. Der französischen Röhrenhersteller Vallourec hielt 20 Prozent der Anteile. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. HKM machte zuletzt eigenen Angaben zufolge rund 3 Milliarden Euro Umsatz.
Salzgitter will bei HKM grünen Stahl produzieren
Mit dem Deal zielt Salzgitter darauf ab, seine bereits laufende Transformation voranzutreiben. Geplant ist, die CO₂-Emissionen der Stahlproduktion durch Investitionen in Elektrolichtbogenöfen um 90 Prozent zu senken. Der HKM-Kauf ist damit eine Rettung mit grüner Perspektive – verbunden mit schwerwiegenden Konsequenzen für den Duisburger Stahlproduzenten, der sich kurz vor der Schließung befand: Zwei Drittel der derzeit etwa 3.000 Mitarbeitenden müssen das Unternehmen verlassen. „Ohne diesen schmerzhaften Stellenabbau hätte die Salzgitter AG die alleinige Übernahme nicht vollziehen können“, kommentiert der Käufer die Entscheidung.
Übernahme erfolgt nach turbulenten Zeiten bei Salzgitter
Anfang vergangenen Jahres musste Salzgitter aufgrund hoher Energiepreise noch mit dem schwachen Stahlgeschäft ringen – und seine Zahlen infolgedessen dreimal nach unten korrigieren. Zuvor hatte das Stahlunternehmen mitgeteilt, dass zwei Familienunternehmen eine Übernahme von Salzgitter erwägen. Der Vorstand lehnte das Übernahmeangebot jedoch als zu niedrig ab.