Bei der Deutschen Bank hat es eine Razzia gegeben: Am frühen Mittwochmorgen haben Ermittler die Räumlichkeiten der Zentrale des größten deutschen Geldinstituts durchsucht. Zuerst hatten die „Süddeutsche Zeitung“ und „Business Insider“ über den Einsatz berichtet. Die Durchsuchung stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf rund um sogenannte Cum-Cum-Geschäfte, so die Berichte.
Die Deutsche Bank bestätigte die Razzia auf FINANCE-Anfrage: „Hierbei geht es nach unserer Kenntnis um Geschäfte der Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010.“ Das Geldhaus werde als Drittpartei durchsucht und arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen, so der Bankensprecher weiter. Darüber hinaus wollte sich der Sprecher nicht äußern.
Deutsche Bank übernahm Postbank 2009
Im Kern der Untersuchungen stehen offenbar Transaktionen, die die Deutsche-Bank-Tochter Postbank einst mit einer britischen Investmentbank abgewickelt haben soll. Das Frankfurter Geldhaus hatte ab 2009 zunächst eine Minderheitsbeteiligung an der Postbank erworben und das Institut anschließend vollständig übernommen. Durch diese Transaktion wurde die Deutsche Bank zur indirekten Rechtsnachfolgerin und steht nun als Drittpartei im Fokus der Untersuchungen.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sollen sich insgesamt zehn ehemalige Spitzenmanager der Postbank auf der Beschuldigtenliste der Staatsanwaltschaft befinden. Unter den Verdächtigen soll sich auch ein Banker befinden, der vor zwei Jahren bis in die Führungsebene der Deutschen Bank aufgestiegen ist. Die Behörden gehen demnach von einem Steuerschaden von mehr als 350 Millionen Euro aus.
Cum-Cum-Geschäfte im Visier der Ermittler
Bei Cum-Cum-Geschäften handelt es sich um Aktientransaktionen rund um den Dividendenstichtag, an denen sowohl in- als auch ausländische Marktteilnehmer beteiligt sind. Aktien werden dabei kurz vor dem Dividendenstichtag vorübergehend ins Inland übertragen, um die Belastung durch die Kapitalertragsteuer zu verringern. Nach dem Stichtag werden die Papiere anschließend an den ursprünglichen Eigentümer zurückübertragen.
Im Unterschied zu den sogenannten Cum-Ex-Geschäften zielten Cum-Cum-Konstruktionen dabei nicht auf eine Mehrfacherstattung der Kapitalertragsteuer auf Dividenden ab. Gerichte und Ermittlungsbehörden befassen sich seit Jahren mit entsprechenden Transaktionen und prüfen diese sowohl steuer- als auch strafrechtlich.
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Gehalt und Personal. Zudem ist sie Moderatorin bei FINANCE TV. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
