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APAK rüstet sich für neue Aufgaben

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APAKs Drahtseilakt: Die Abschlussprüferaufsicht hat ihre neue Rolle noch nicht gefunden.
Thinkstock / Getty Images

Die Abschlussprüferaufsicht APAK hat ihre Reihen aufgefüllt und erhält neue Mitglieder: Neben Personen aus dem juristischen und akademischen Bereich verstärkt mit Bernd Jonas auch ein Ex-Corporate mit Rechnungslegungsperspektive das Team. Der ehemalige Generalbevollmächtigte und Leiter Corporate Center Taxes & Customs bei ThyssenKrupp könnte für den Unternehmensblickwinkel bei der Abschlussprüferaufsicht sorgen: „Ich weiß, wo die Schwerpunkte zu setzen sind. Ich habe gesehen, wie Unternehmen geführt werden müssen, damit es richtig läuft –  und wie sie geführt worden sind, wenn es mal schiefgegangen ist”, erklärt Jonas.

An Erfahrungen mit Wirtschaftsprüfern und CFOs mangelte es Jonas in seinem bisherigen Berufsleben nicht: Der Jurist hat seit 1989 zunächst als Leiter der Steuerabteilung und anschließend zusätzlich als Leiter des Rechnungswesens bei Thyssen beziehungsweise ThyssenKrupp gearbeitet und war unter anderem für die Ermittlung des Steueraufwands im Konzernabschluss verantwortlich. Seine Aufgabe bei der APAK findet er „hochspannend”, vor allem mit Blick auf die Bedeutung des Anlegerschutzes: „Die APAK muss dafür sorgen, dass wir in der Aktienkultur ein Stückchen vorankommen –  gerade in einer Zeit, in der die Anleihen auf Dauer so niedrig verzinst sind”.

Die APAK steht vor tiefgreifenden Veränderungen

Dass er sich bei der APAK nicht langweilen wird, zeigen die aktuellen Entwicklungen. Jonas stößt in einer turbulenten Zeit zur APAK, denn den europäischen Abschlussprüferaufsichten stehen große Veränderungen bevor.

Zwei Jahre lang hat die EU-Kommission über strengere Vorschriften für die Wirtschaftsprüfer debattiert. Nun stehen die Maßnahmen, die die Unabhängigkeit und Neutralität der Wirtschaftsprüfung stärken sollen, fest und sollen im Frühjahr/Sommer 2014 verabschiedet werden. Maßnahmen wie eine Rotationspflicht für Abschlussprüfer oder das Verbot prüfungsfremder Leistungen werden nicht nur Einfluss auf die Arbeit der Wirtschaftsprüfer und der Finanzabteilungen in Unternehmen haben.  Auch die APAK, die seit ihrer Gründung im Jahr 2005 kaum im Blickfeld der Öffentlichkeit steht, wird alle Hände voll zu tun haben, ihrer Rolle als Aufsicht der Wirtschaftsprüfer nachzukommen.

Darüberhinaus plant die EU auch die Rolle der Berufsaufsichten zu stärken, was die APAK gerne hört –  schließlich pocht sie schon seit Jahren auf eine Kompetenzerweiterung. Dass sich ihre Machtfülle nun erweitert,  wird einen tiefen Einschnitt in der Selbstverwaltung des Berufsstands hinterlassen. Zwar steht der APAK seit jeher die Letztentscheidung über Untersuchungen der Wirtschaftsprüferkammer zu. Die Anleitung der Untersuchungen und die Umsetzung der Maßnahmen lagen hingegen bislang in der Hand der Wirtschaftsprüferkammer. 

Das soll sich radikal ändern, die APAK will unmittelbar zuständig sein für Prüfungen und Sanktionen sowohl kapitalmarktorientierter als auch nicht-kapitalmarktorientierter Unternehmen. Bei letzteren wäre sie zwar bereit, einen Teil der Aufgaben an die Kammer zu delegieren, das letzte Wort will sie aber in jedem Fall behalten.

Wirtschaftsprüferkammer droht Machtverlust

Die Folgen dieser Machtverschiebung sind gravierend. De Facto hätte die Wirtschaftsprüferkammer, die seit der Gründung der APAK immer mehr von ihrer Selbstverwaltung einbüßen musste, nicht mehr viel zu sagen.  Dass dieser Kompetenzverlust bei den Berufsausübenden nicht auf die volle Zustimmung stößt, hat Jonas in seiner bislang kurzen Amtszeit bereits mitbekommen. In den vergangenen Wochen war in den Reihen der Wirtschaftsprüfer Kritik am aktuellen System der Aufwandsentschädigung der APAK laut geworden, die laut APAK womöglich auch mit dem Unwillen, immer mehr Aufgaben abzugeben, zusammenhängt.

Gerade Jonas, der im Ausschuss für anlassunabhängige Sonderuntersuchungen bei Abschlussprüfern kapitalmarktorientierter Unternehmen sitzt, wird noch einige Konflikte auszutragen haben, bis die neuen Trennlinien zwischen der APAK und der Wirtschaftsprüferkammer sauber gezogen sind.

Die APAK hatte in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass es ihrer Meinung nach zu viele Kungeleien zwischen Wirtschaftsprüfern und CFOs gibt. „In der Tat haben schon einige Fälle, mit denen ich mich beschäftigt habe, ziemliches Stirnrunzel bei mir ausgelöst“, gibt auch Jonas zu. „Da sind Sachverhalte, mit denen ich nicht gerechnet hätte, die aber zeigen, wie notwendig eine Aufsicht ist.” Seine Corporate-Erfahrungen werden von Vorteil sein, nicht nur für Jonas selbst. Letztendlich profitieren auch CFOs und Unternehmen von unabhängigen und kompetenten Wirtschaftsprüfern. Dass ihre Stimme auch in der APAK Gehör findet, kann gerade in der aktuellen Situation nur nutzen.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Info

Die Aufsichtsprüferaufsichtskommission APAK wurde 2005 im Zuge einiger Bilanzskandale um die Jahrtausendwende gegründet. Aufgabe der APAK ist es, eine öffentliche fachbezogene und letztverantwortliche Aufsicht über die Wirtschaftsprüferkammer zu führen. Sie besteht aus höchstens zehn ehrenamtlichen Mitgliedern, die in den letzten fünf Jahren vor ihrer Ernennung nicht persönliche Mitglieder der Wirtschaftsprüferkammer gewesen sein dürfen.