Zinswende sowie Bankenbeben, das die Silicon Valley Bank (SVB) in den Abgrund riss und die schweizerische Credit Suisse in Notvermählung mit der UBS trieb, ließen die CDS-Spreads deutscher und internationaler Banken vergangenes Frühjahr in die Höhe schießen. Zum Jahresende scheint das Vertrauen der Märkte in den Banksektor zurückgekehrt zu sein. Diesen Schluss legen die Zahlen des jüngsten Bank Monitors von Fox Corporate Finance (FCF) nahe.
Das Ranking vergleicht Banken, die im deutschen und österreichischen Mid-Cap-Segment aktiv sind. Dafür haben die Finanzierungsspezialisten neben Kreditratings und verschiedenen Leistungskriterien auch die CDS-Spreads für 1-, 5- und 10-jährige Laufzeiten ausgewertet, die einen Hinweis auf die erwartete zukünftige Stabilität und Krisenresistenz der Geldhäuser geben.
Dabei spricht ein geringer Credit Default Swap (CDS) für eine hohe Bonität und damit geringe Ausfallwahrscheinlichkeit der von der jeweiligen Bank begebenen Anleihen. Damit gelten CDS-Spreads als wichtiger Frühindikator für Krisen im Bankensektor.
CDS-Spreads werden wieder geringer
Laut FCF Bank Monitor lagen die durchschnittlichen CDS-Spreads der deutschen und internationalen Banken im vierten Quartal 2023 mit 69,5 Basispunkten rund 15 Prozent unter dem Wert des Vorquartals – mit fallender Tendenz. Nach einem unruhigen ersten Halbjahr 2023 sei die Marktzuversicht auf eine „sanfte Landung“ gestiegen, berichtet FCF. Das gilt insbesondere für die heimischen Institute. „Der FCF Bank Monitor Q4 2023 zeigt eine deutliche Erholung des deutschen Bankensektor nach den Herausforderungen des ersten Halbjahres“, kommentierte Kai Frömert, Managing Director und Leiter Mid-Cap-Advisory bei FCF.
Von einem Rückgang der CDS-Spreads konnte zuletzt vor allem die Deutsche Bank profitieren, deren CDS-Spreads schon vor dem Bankenbeben auf einem hohen Niveau lagen und trotz guter Zahlen zum Stichtag Ende März im Fall der 5-jährigen Anleihen auf einen Wert von 191,1 Basispunkten geklettert waren. Zur Einordnung: Ein Wert von mehr als 200 gilt als kritisch.
CDS-Spreads der Deutschen Bank haben sich halbiert
Seitdem haben die anhaltend guten Geschäftszahlen, die Deutschlands größter Privatbank im vergangenen Quartal ein Rating-Upgrade von S&P von A- auf A eingebracht haben, auch das Vertrauen der Investoren deutlich gestärkt. Die CDS-Spreads der Deutschen Bank haben sich zum Stichtag am 31. Dezember auf 89 Basispunkte nahezu halbiert. Vom Spitzenwert bei den 5-jährigen Anleihen, den im vierten Quartal 2023 mit einem Wert von 35,3 Basispunkten die ING erreicht, sind die Frankfurter allerdings noch weit entfernt. Zum Vergleich: Die Mitbewerberin Commerzbank brachte es auf einen CDS-Spread von 64,2 Basispunkten.
Den Ausreißer unter den deutschen Geldinstituten liefert derweil HCOB. Deren 5-Jahres-CDS-Spreads lagen zum Jahresende mit 146,9 Basispunkten deutlich höher als ihr aktuelles Rating von A- (S&P) vermuten lässt. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Herabstufung des Ratings der Hamburger höher einschätzt als bei der Konkurrenz, so das Fazit von FCF. „Die Zahlen der HCOB sind eigentlich sehr gut, aber der Markt scheint das bislang nicht zu honorieren“, erläutert FCF-CEO Arno Fuchs.
Darin spiegelt sich nach Ansicht der Finanzierungsspezialisten die allgemeine Vorsicht der Investoren in Bezug auf das mit höherem Risiko behaftete, vermögenswertbasierte Kreditgeschäft der HCBO wider – insbesondere im Bereich der Schiffsfinanzierungen und gewerblichen Immobilien. Im noch jungen Jahr 2024 dürften vor allem die Entwicklungen am Markt für Letztere darüber entscheiden, wie weich oder auch hart die Landung in Sachen CDS-Spreads für Deutschlands Geldhäuser am Ende tatsächlich ausfallen wird.
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
