17.03.15
Banking & Berater

Banken droht der Verlust vieler Firmenkunden

Den Banken laufen ihre Firmenkunden davon: Jedes dritte Unternehmen plant, in den kommenden 12 Monaten seine Hausbank zu wechseln. Dies liegt auch an den neuen Angeboten privater Kreditgeber – aber vor allem an den Banken selbst.

Die deutschen Banken müssen um ihre Firmenkunden bangen. In den vergangenen zwölf Monaten haben in Deutschland laut der Unternehmensberatung EY 15 Prozent der Firmenkunden ihre Bankverbindung gewechselt. Noch schlimmer aus Sicht der Banken: Weitere 36 Prozent der von EY befragten 170 deutschen Unternehmen haben für die kommenden zwölf Monate ähnliche Pläne.

Auch die Struktur der Wechselwilligen entwickelt sich für die Banken zu einem größer werdenden Problem. Aktuell sind es noch die kleinen Unternehmen, die mit 20 Prozent die größte Wechselquote aufweisen. Diese Kunden sind für die Banken im Firmenkundengeschäft im Schnitt weniger ertragreich, da sie kaum lukratives Zusatzgeschäft versprechen.

Allerdings dominieren bei den Überlegungen zu einem künftigen Wechsel vor allem die Großunternehmen: 42 Prozent von ihnen spielen mit dem Gedanken, das Bankhaus zu wechseln. Deutschland liegt damit global betrachtet voll im Trend: Weltweit gaben 17 Prozent der befragten an, ihren Kreditgeber gewechselt zu haben, 34 Prozent haben dies noch vor. Insgesamt hat EY weltweit rund 2.000 Firmenkunden befragt.

Laut der Unternehmensberatung sind von den in Deutschland wechselwilligen 36 Prozent lediglich 7 Prozent wirklich unzufrieden mit ihrer Hausbank. 81 Prozent gaben an, zufrieden bis sehr zufrieden zu sein. Doch woher rührt dann dieser Wechseldrang?

Firmenkunden bemängeln Service der Banken

Die Schuld dazu müssen die Kreditinstitute hauptsächlich im eigenen Haus suchen: Als Hauptkriterien bei der Auswahl der Hausbank identifiziert EY in erster Linie die Produktqualität (51 Prozent) und das Relationship Management (50 Prozent). Auch die technologische Unterstützung bei Dienstleistungen (48 Prozent) scheint den Firmenkunden wichtig.

Es fällt auf, dass die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei dem Relationship-Management und der Technologieunterstützung am größten ist. Mit dem Relationship-Management sind nur 5 Prozent zufrieden, mit der Technologieunterstützung 7 Prozent.

Die fachliche Kompetenz der Firmenkundenbetreuer ist hingegen offenbar kein entscheidender Beziehungsanker: Die fachliche Expertise rangiert in der Priorität lediglich auf dem vierten Rang, wobei die Banken hier die Erwartungen ihrer Kunden um 3 Prozent übertreffen.

Wie wichtig die Softfacts sind, wird beim Beschwerdemanagement deutlich: 27 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen 24 Monaten einen Fehler oder ein Serviceproblem gehabt zu haben. Rund 40 Prozent waren mit der Fehlerbehebung eher unzufrieden bis unzufrieden. 47 Prozent gaben an, die Behebung des Problems dauerte zu lang, 26 Prozent kritisierten zudem, dass mehrere Anfragen notwendig waren, ehe ihre Bank überhaupt reagierte.

Die Bedrohung durch Non-Banks

Die zweite Bedrohung für die Banken neben der offenbar ungenügenden eigenen Servicekompetenz kommt von außen: Nichtbanken dringen immer stärker in den Markt für klassische Bankprodukte. In Deutschland nutzen bereits zwei Drittel der Befragten Bankprodukte und Dienstleistungen von Nichtbanken, weitere 16 Prozent haben Interesse daran. Damit liegt Deutschland im globalen Vergleich an der Spitze, wo insgesamt nur jeder zweite Firmenkunde Banksubstitute nutzt.

Unternehmen nutzen hier in erster Linie Kreditkartenunternehmen (46 Prozent) und Telekommunikationsanbieter (41 Prozent) zur Abwicklung ihres Zahlungsverkehrs. Aber auch Versicherer wie Axa spielen mit 35 Prozent zunehmend eine größere Finanzierungsrolle und greifen Banken bei ihren Non-Investment-Grade-Kunden an. Daneben müssen sich Banken stärker denn je der Herausforderung durch Hedgefonds und Private-Debt-Anbieter stellen, die auch in Deutschland auf den Finanzierungsmarkt drängen, wenngleich aktuell noch vor allem im Umfeld von Private-Equity-Transaktionen.

Die Industrieunternehmen fragen vor allem die klassische Handelsfinanzierung bei Non-Banks nach: Fast jedes zweite Unternehmen finanziert seinen Export bereits nicht mehr über seine Bank, weitere 30 Prozent planen es. Aber auch bei Hypothekendarlehen weichen bereits rund 40 Prozent auf Nichtbanken aus. Die betriebliche Altersvorsorge legen bereits 37 Prozent der Befragten direkt in die Hände von Versicherern.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Zur Studie:

 

Studienname: Global Commercial Banking Survey

 

Herausgeber: EY

 

Befragungszeitraum: Jahr 2014

 

Befragte: Weltweit rund 2.000 Firmenkunden (davon 170 deutsche Unternehmen)

 

Unternehmensgröße: Kleine Unternehmen (Umsatz 25 – 50 Millionen Dollar: 50 Prozent), Mittelgroße Unternehmen (Umsatz 50 bis 100 Millionen Dollar: 25 Prozent), Großunternehmen (Umsatz > 100 Millionen Dollar: 25 Prozent)

 

Verantwortungsbereiche der Befragten: CEO (26 Prozent), CFO (23 Prozent), Gründer/Eigentümer (18 Prozent)