04.02.19
Banking & Berater

Das sind die Top-Banken im Firmenkundengeschäft 2019

Citi, JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch greifen im europäischen Firmenkundengeschäft an. Besonders deutsche Finanzchefs zeigen sich aufgeschlossen gegenüber den US-Banken.

Europäische Großbanken – allen voran die schwächelnden deutschen Häuser – sollten sich im Firmenkundengeschäft warm anziehen. Zwar sind BNP Paribas, HSBC und Deutsche Bank immer noch die Platzhirsche im Geschäft mit europäischen Unternehmen. Allerdings dürften die US-amerikanischen Banken künftig aufholen.

Diese Schlussfolgerung zieht die US-Beratungsgesellschaft Greenwich Associates aus ihrer jährlichen Umfrage unter CFOs und Treasurern. Dieses Mal nahmen 540 Finanzverantwortliche aus europäischen Unternehmen mit mehr als 2 Milliarden Euro Jahresumsatz teil.

„Es gibt mehrere Indikatoren dafür, dass die drei US-Banken Citi, JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch von der Schwäche europäischer Banken profitieren“, sagt Tobias Miarka, Managing Director bei Greenwich Associates in London.

CFOs wollen Geschäft mit US-Banken ausbauen

Indikator Nummer 1: die künftige Geschäftsvergabe. So fragte Greenwich ab, mit welchen Banken die Finanzchefs in den kommenden sechs bis zwölf Monaten mehr Geschäft und mit welchen sie weniger machen wollen.

Nur die drei US-Banken Citi, JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch sowie die BNP Paribas schneiden hier im Corporate Banking unter dem Strich deutlich positiv ab. Im Cash Management sind es die drei US-Banken plus HSBC. Mit der Deutschen Bank wollen die Finanzchefs ihr Business dagegen in der Tendenz eher zurückfahren.

Indikator Nummer 2: die Einbeziehung der Banken in strategische Diskussionen. Hier gelingt es allen drei US-amerikanischen Häusern auch mit Nicht-Kunden in einen strategischen Dialog zu treten. So nutzen 31 Prozent der befragten europäischen Finanzchefs das Corporate-Banking-Angebot von JP Morgan, aber 36 Prozent geben an, mit der Bank über strategische Fragen zu sprechen. Bei der BofaML liegen die Werte bei 27 Prozent und 35 Prozent. „Damit sind diese Häuser im Kampf um lukrative Mandate in den Bereichen DCM, ECM und M&A deutlich besser positioniert“, sagt Miarka.

US-Banken öffnen Kreditbuch für deutsche Firmen

Zwar ist nicht neu, dass europäische Finanzchefs US-Investmentbanken gerne bei Anleiheplatzierungen, Börsengängen und M&A-Plänen mandatieren. Neu ist jedoch die Bereitschaft der US-Banken, ihr Kreditbuch auch für mittelgroße europäische Firmen ohne Kapitalmarktgeschäft öffnen: „Die Nachfrage von Seiten der Unternehmen gibt es schon länger, jetzt nimmt aber auch der Appetit der US-Banken auf mittelständische Firmenkunden insbesondere in Deutschland und Großbritannien deutlich zu“, beobachtet Greenwich-Berater Miarka.

„Der Appetit der US-Banken auf mittelständische Firmenkunden nimmt deutlich zu.“

Tobias Miarka, Managing Director, Greenwich Associates

Citi, JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch profitieren bei der Kreditvergabe vor allem von günstigeren Refinanzierungskonditionen: Sie haben nicht nur bessere Ratings als einige europäische Wettbewerber. Vor allem können sie sich dank des höheren Zinsumfeldes in den USA auch über Einlagen refinanzieren.

US-Banken bieten Finanzchefs bessere Qualität

Die hohe Profitabilität erlaubt ihnen wiederum, große Investitionen in Produktentwicklung und IT-Infrastrukturen zu stemmen – was Finanzchefs wiederum honorieren. Denn es gibt noch einen dritten Indikator dafür, dass die Bedeutung amerikanischer Banken im europäischen Firmenkundengeschäft  künftig zunehmen wird: Die von Greenwich befragten CFOs und Treasurer benoten das Produkt- und Service-Level der US-Banken im Schnitt deutlich besser als das der europäischen Kontrahenten. Im Corporate Banking hat Greenwich insgesamt 14 Awards vergeben – davon gingen allein 12 an die drei amerikanischen Häuser.

Die Citi wurde unter anderem für ihr tiefes Verständnis von Anforderungen im Transaction Banking gelobt, die BofAML gilt unter den Finanzchefs als ein Haus, mit dem sich besonders einfach Geschäft machen lasse. Als einziges europäisches Institut gelang der Unicredit in zwei Kategorien der Sprung in die Top-Gruppe: Die Italiener wurden von den Befragten Finanzchefs unter anderem für ihre transparenten KYC-Prozesse gelobt.

Auch im Hinblick auf die Qualität des digitalen Bankangebots – das Greenwich anhand verschiedener Parameter wie Größe des Angebots, Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Stabilität der Systeme bewertet – ist das Votum der Finanzchefs eindeutig: Nur die drei US-Banken und HSBC schneiden hier überdurchschnittlich ab. Die Deutsche Bank liegt im Mittelfeld. Das Problem aus Sicht der europäischen Häuser: „Die Innovationsfähigkeit wird zu einem immer entscheidenderen Faktoren bei der Bankenauswahl“, sagt Miarka.

„Die US-Banken profitieren von der Schwäche europäischer Banken.“ 

Tobias Miarka

JP Morgan baut in Deutschland aus

Dem Berater zufolge macht sich die neue Aggressivität der US-Banken insbesondere in Deutschland und Großbritannien bemerkbar. „In diesen beiden Märkten zeigen sich Finanzchefs besonders aufgeschlossen dafür, Geschäfte in den Bereichen Cash Management, Trade Finance oder Working Capital Management mit US-Banken zu tätigen“, sagt Miarka. In der Tat hat etwa JP Morgan gerade sein deutsches Transaction Banking Team vergrößert. Bei Goldman Sachs gibt es Gerüchte, dass die Bank ins Cash Management einsteigen will.

Die Statistik führen derweil immer noch die Platzhirsche an: In Deutschland – wo Greenwich 190 Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 500 Millionen Euro befragt – liegt weiterhin die Commerzbank mit einer Marktdurchdringung von 86 Prozent vorne. Die Deutsche Bank folgt mit 73 Prozent auf Platz zwei. Damit hat das größte deutsche Geldhaus in den vergangenen drei Jahren 5 Prozentpunkte an Marktdurchdringung eingebüßt, während die Commerzbank um 5 Prozentpunkte zulegen konnte. Auf dem Bronzerang rangiert mit 67 Prozent die Unicredit.

In Europa steht die BNP Paribas mit einer Marktdurchdringung von 63 Prozent an der Spitze. Es folgt die HSBC die 52 Prozent der befragten Finanzchefs zu ihren Kunden zählen kann. Die Deutsche Bank landet mit 40 Prozent nur knapp vor dem ersten US-Haus Citi und Unicredit, die jeweils auf 38 Prozent Marktdurchdringung kommen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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