Die Ertragskraft der deutschen Banken ist schwach und davon profitieren die US-Banken auch im hiesigen Firmenkundengeschäft.

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16.03.20
Banking & Berater

Das sind die Top-Banken im Firmenkundengeschäft 2020

BNP Paribas und HSBC sind die klaren Marktführer im europäischen Firmenkundengeschäft. Doch die US-Banken holen auf. Sie punkten bei CFOs mit Digitalkompetenz und ihrem internationalen Netzwerk.

Die US-amerikanischen Banken liefern im europäischen Firmenkundengeschäft einen besseren Service ab als ihre hiesigen Wettbewerber. Das legt eine aktuelle Umfrage der US-Beratung Greenwich Associates unter 584 europäischen CFOs und Treasurern aus Unternehmen mit mehr als 2 Milliarden Euro Jahresumsatz nahe. Die acht Awards, die Greenwich auf dieser Basis vergeben hat, gingen alle an die US-Banken Citi, JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch.

Im Cash Management, das die Beratung gesondert vom Corporate Banking ausweist, ist die Tendenz ähnlich: Hier räumten die US-Häuser ebenfalls sieben von acht Auszeichnungen ab. Lediglich die HSBC konnte– gemeinsam mit der Citibank – mit der Reichweite ihres internationalen Netzwerks bei den befragten Finanzchefs punkten. Die US-Banken lagen dagegen in den Kategorien Innovation, Digitalkompetenz, Qualität der Beratung sowie beim internationalen Produktangebot vorn.

US-Banken investieren mehr in Digitalisierung

„Die US-Banken profitieren von ihrem starken Heimatmarkt und dem dort besseren Zinsumfeld. Sie können daher mehr Geld in die Digitalisierung investieren, was auch ihren europäischen Aktivitäten zugutekommt“, sagt Tobias Miarka, Managing Director bei Greenwich Associates in London. Hinzu komme die steigende Bereitschaft von JP Morgan und Co., Kredite zu gewähren: „Dem können viele europäische Häuser mit ihren limitierten Balance Sheets wenig entgegensetzen.“

Bereits im Zuge der Vorjahresumfrage hatte Greenwich prognostiziert, dass die US-Banken von der Schwäche ihrer europäischen Kontrahenten profitieren dürften. In den Zahlen lässt sich dies bislang allerdings nur bedingt ablesen. So hat europaweit weiterhin BNP Paribas die meisten Kunden im Firmenkundengeschäft. 52 Prozent der Befragten nutzen die Corporate-Banking-Angebot der Franzosen.

Es folgt die HSBC mit einer Marktdurchdringung von 46 Prozent, deutlich vor der Unicredit mit 34 Prozent. Das erste US-Haus folgt mit der Citibank auf Platz vier, deren Services 31 Prozent der befragten Finanzchefs nutzen. Die Deutsche Bank rangiert europaweit in der Gunst der Finanzexperten mit 29 Prozent auf Platz 5.

JP Morgan kann in Deutschland zulegen

In Deutschland, wo Greenwich die Angaben von 169 Finanzchefs aus Firmen mit mindestens 500 Millionen Euro Umsatz auswertete, gibt es gegenüber den vorherigen Befragungen bereits kleinere Verschiebungen: Der Umfrage zufolge hat JP Morgan die Marktdurchdringung im deutschen Firmenkundengeschäft innerhalb von zwei Jahren von damals 7 auf nunmehr 11 Prozent gesteigert, die Citibank bringt es nun auf 10 Prozent. „Das sind zwar keine immensen Steigerungen“, räumt Miarka ein. „Aber da deutsche Unternehmen die Zahl ihrer Bankbeziehungen tendenziell verringern, sind auch kleinere Wachstumssprünge beachtlich.“

Zum Vergleich: Die Marktdurchdringung der Deutschen Bank im deutschen Firmenkundengeschäft stagnierte in dieser Zeit laut Greenwich bei 73 Prozent, die Unicredit konnte um einen Prozentpunkt auf 72 Prozent zulegen. Die Commerzbank, der Greenwich-Befragung zufolge Marktführer in Deutschland, konnte ihren Vorsprung auf 85 Prozent leicht ausbauen (2018: 83 Prozent).

CFOs legen Wert auf internationales Netzwerk

Wenn es nach JP Morgan und Goldman Sachs geht, dann ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Beide Häuser hatten im vergangenen Herbst angekündigt, im hiesigen Firmenkundengeschäft wachsen zu wollen. JP Morgan baute dafür sogar extra ein Mittelstandsteam auf.

Profitieren könnten die Banken dabei Miarka zufolge von der steigenden Nachfrage deutscher Finanzchefs nach grenzüberschreitenden Bankservices. „Dank ihrer guten Ertragslage sind die US-Banken in der Lage, ihr internationales Netzwerk zu halten, während viele europäische Häuser kürzen müssen“, meint Miarka.

Gerade in unsicheren Zeiten, wie sie die Weltwirtschaft derzeit angesichts der Krise durch das Coronavirus erlebe, würden die Unternehmen Expertise vor Ort schätzen, so der Berater: „Da reichen Partnerbanken in China nicht aus.“

Allerdings zeigt sich in solchen Krisenzeiten auch, wie ernst und langfristig die Ambitionen ausländischer Banken im deutschen Firmenkundengeschäft wirklich sind – und ob die Bereitschaft zur Kreditvergabe auch dann noch da ist, wenn die Kreditausfälle in Europa in Folge des Coronavirus steigen sollten.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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