Reichlich Bewegung bei der IKB: Nach FINANCE-Informationen haben mehrere wichtige Köpfe die Bank verlassen. Zudem soll der Eigentümer Lone Star beim Verkauf der IKB nun Ernst machen.

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02.02.17
Banking & Berater

IKB verliert wichtige Köpfe

Kapitalmarktchef Tilo Kraus und M&A-Leiter Alexander Mann haben nach FINANCE-Informationen die Mittelstandsbank IKB verlassen, weitere stehen vor dem Absprung. Gleichzeitig kommt wieder Bewegung in den zuletzt stockenden Verkaufsprozess.

Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB muss nach FINANCE-Informationen mehrere personelle Abgänge im Firmenkundengeschäft verkraften. Sowohl Tilo Kraus, zuletzt Head of Financial Markets, als auch Alexander Mann, Head of Sector Coverage & Advisory, sind dabei, die Mittelstandbank zu verlassen. Das erfuhr FINANCE von mehreren gut unterrichteten Personen aus Finanzkreisen. Die IKB lehnte auf Nachfrage eine Stellungnahme zu den Personalien ab. Es verdichten sich die Hinweise, dass die IKB für die Nachfolge der beiden Manager auf interne Lösungen setzten wird.

Neben den beiden Managern hat zum Jahreswechsel auch die Produktspezialistin Carmen Müller, zuletzt als Director im Bereich Corporate Structured Finance tätig, die IKB verlassen. Sie ist seit Anfang 2017 als Managing Director im Bereich Corporate und Institutional Banking bei der Standard Chartered Bank Deutschland tätig. Nach Auskunft mehrerer Personalberater und Banker, die FINANCE befragt hat, sollen weitere IKB-Banker „im Markt“ sein. Ein Grund dafür könnte die offene Frage nach der Zukunft der Düsseldorfer sein.

Citi soll Verkaufsmandat für die IKB haben

Derzeit verdichten sich die Hinweise, dass Eigentümer Lone Star einen neuen Anlauf für den Verkauf der Mittelstandsbank nehmen möchte. Die Investmentbanker der Citi sollen das Beratungsmandat dafür haben, wie FINANCE von involvierten Personen erfahren hat. Die IKB wollte eine Anfrage dazu nicht beantworten, sondern verwies auf den Eigentümer Lone Star. Sowohl Lone Star als auch Citi ließen eine FINANCE-Anfrage zunächst unbeantwortet.

Hintergrund: Der US-Investor Lone Star hatte die Bank im Jahr 2008 nach ihrer existenzbedrohenden Krise über den Fonds LSF6 Europe Financial Holdings mehrheitlich übernommen. Schon damals war klar, dass das Engagement zeitlich befristet sein würde. „Wir wollen auf alle Fälle so lange ein Eigentümer der IKB sein, bis die Bank wieder eine feste Stellung im Markt hat“, sagte Karsten von Köller, Chairman bei Lone Star, nach der Übernahme im Interview mit FINANCE.

IKB schreibt wieder Gewinne

Tatsächlich gelang in den vergangenen Jahren die Stabilisierung. Die IKB schreibt seit einiger Zeit wieder Gewinne, wenn auch keine enormen. IKB-Chef Michael Wiedmann wies in seiner Rede auf der Hauptversammlung im vergangenen Dezember darauf hin, dass die IKB mit einem Konzernergebnis in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2016/2017 von 10 Millionen Euro im vierten Jahr in Folge Gewinne vorweisen könne. Zudem sei das Neugeschäftsvolumen mit Mittelständlern im selbigen Zeitraum um 22 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen.

Im Firmenkundengeschäft setzt die IKB derzeit auf drei Bereiche: Kredit, Financial Markets und Beratung („Advisory“). Das Kreditgeschäft besteht in erster Linie aus dem Fördermittelgeschäft, den klassischen Firmenkundenkrediten und dem Leasinggeschäft. Zu den Financial Markets zählt die IKB das Eigenkapital- und Fremdkapitalmarktgeschäft. Im Bereich Advisory berät die IKB Mittelständler bei M&A, Restrukturierungen und Corporate-Finance-Themen.

Greift ein Finanzinvestor bei der IKB zu?

Eine weitere Gegebenheit dürfte den Verkauf jetzt vereinfachen: Vor wenigen Tagen erfolgte der Squeeze-out der restlichen IKB-Aktionäre, wodurch Lone Star nun der alleinige Eigentümer der IKB ist. Allerdings nährt die Historie der Bank Zweifel an den Erfolgsaussichten eines neuerlichen Verkaufsprozesses, hat der US-Investor doch bereits einige Anläufe unternommen, bislang immer ohne Erfolg. In der Vergangenheit kursierten etwa Gerüchte, dass die französische Großbank BNP Paribas Interesse an Teilen des Firmenkundengeschäfts gehabt, sich letztendlich aber gegen eine Übernahme entschieden habe. 

Wer jetzt zuschlagen soll, ist ungewiss. Zahlreiche Banken, die in Frage kämen, kämpfen derzeit mit eigenen Problemen, das Abenteuer einer Akquisition scheuen die meisten. Außerdem ist mit der HSH Nordbank auch noch eine zweite Bank im Markt, die in ihrem Kerngeschäft über eine noch breitere Ertragsbasis verfügt als die IKB. Ein leitender Manager einer Auslandsbank kann sich deswegen vorstellen, dass nach Lone Star erneut ein Finanzinvestor bei der IKB zugreifen könnte.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Wie viele andere Banken buhlt die IKB vor allem um das lukrative Geschäft mit deutschen Mittelständlern. Wie sich die Banken dabei aufstellen, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.