Die Zentrale der NordLB in Hannover.

NordLB

06.04.17
Banking & Berater

NordLB verliert 2 Milliarden Euro durch Schiffskredite

Die NordLB muss über 2 Milliarden Euro für faule Schiffskredite zur Seite legen. Auch im Firmenkundengeschäft erhöht die Bank ihre Risikovorsorge. Die Folge ist ein Milliardenverlust.

Die NordLB hat wegen fauler Schiffskredite einen schweren Nackenschlag erlitten. Die norddeutsche Landesbank hat im vergangenen Jahr für Risiken aus der Finanzierung der kriselnden Branche 2,9 Milliarden Euro zurückgelegt. Dies ist vor allem das Ergebnis einer schweren Krise der Bremer Landesbank, an der die NordLB mehrheitlich beteiligt war und die die NordLB jetzt komplett übernimmt. Die Bank reißt das tief in die roten Zahlen: 1,96 Milliarden Euro hat die NordLB 2016 nach Steuern verloren.

Die Milliardenverluste unterhöhlen die Kapitalbasis der NordLB: Auf Basis des Regulierungspakets Basel III („fully loaded“), das ab 2019 gilt, fiel die Kernkapitalquote von 12,2 auf 9,9 Prozent.

Die Bilanzbereinigung macht damit einen großen Teil der Kapitalstärkungen, die die NordLB in den zurückliegenden Jahren vorgenommen hat, zunichte. Seit 2010 haben die Geldgeber der NordLB stille Einlagen und Hybridkapital über 2,6 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Gleichzeitig wurden die Gewinnrücklagen um 1,7 Milliarden Euro gestärkt. Allein die schifffahrtsbezogenen Wertberichtigungen der vergangenen drei Jahre radieren diese Kapitalzuführungen vollständig aus.

Weitere Verluste durch Schiffskredite zeichen sich ab

Und weitere Verluste sind schon absehbar: Das Volumen ausfallgefährdeter Kredite, so genannter Non Performing Loans (kurz NPLs), ist durch die Verwerfungen in der Schifffahrt um 2 auf 9,4 Milliarden Euro gestiegen. Aus dieser Zahl lässt sich ableiten, dass in etwa die Hälfte der ausstehenden Schiffskredite von aktuell 16,8 Milliarden Euro notleidend sein dürfte.

Diese NPLs sind nur zu 48 Prozent abgeschirmt, weshalb die NordLB für das erste Quartal ein weiteres Absinken ihrer Kapitalquoten erwartet. Erst im weiteren Jahresverlauf soll die Kapitalbasis dann langsam wieder stärker werden, prognostiziert der Vorstand.

NordLB verdient im Firmenkundengeschäft weniger

Die Probleme mit dem Schiffskreditbuch überlagern die Performance der anderen Geschäftsbereiche. Dort steht die NordLB weitaus besser da, wenngleich auch nicht besonders gut. So musste die Bank auch im Firmenkundengeschäft die Risikovorsorge von 20 auf 79 Millionen Euro erhöhen. Das verdirbt der Bank das Ergebnis in dem Bereich: 200 Millionen Euro verdiente die Bank hier nach Steuern, nach 248 Millionen Euro im Vorjahr. Die gestiegene Risikovorsorge sei auf drei Einzelfälle zurückzuführen, erklärte die Bank. Immerhin: Der Zinsüberschuss im Firmenkundengeschäft ist um 10 auf 447 Millionen Euro leicht gestiegen. Das legt nahe, dass die Bank hier mehr Kredite vergibt.

Im Firmenkundengeschäft hat die NordLB drei Schwerpunkte: Den Mittelstand, Agrarunternehmen und Wohnungsbaukonzerne sowie -Genossenschaften. Besonders im Geschäft mit mittelständischen Unternehmen plant die Bank, künftig mehr nach Branchen und weniger nach Regionen vorzugehen. Einen Schwerpunkt setzt die Bank bei Autozulieferern.

Das dürfte heißen, dass die Kundenberater in Zukunft noch stärker abseits der Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf Akquise gehen werden. Die NordLB hat neben der Hannoveraner Zentrale und einer Hamburger Vertretung auch Büros in München und Stuttgart, die sie 2016 weiter ausgebaut hat. In Singapur ist zudem ein „German Desk“ zur Beratung deutscher Firmenkunden im Asiengeschäft entstanden.

Kapitalmarktgeschäft der Bremer Landesbank geht in NordLB auf

Mit einem Gewinn von 200 Millionen Euro ist das Firmenkundengeschäft der zweitgrößte Ertragsbringer der NordLB, nach dem Kapitalmarktgeschäft, dessen Gewinn 2016 von 162 auf 203 Millionen Euro anzog. Dieser Bereich soll mit demjenigen der Bremer Landesbank zusammengehen, wie die NordLB ebenfalls am heutigen Donnerstag bekanntgab. Insgesamt will die Bank durch die Fusion jährlich bis zu 80 Millionen Euro sparen.

Im Konzern laufen aber noch weitere Spar- und Effizienzprogramme. Kumuliert erhofft sich der neue NordLB-Chef Thomas Bürkle davon bis Ende 2020 eine jährliche Kostensenkung von 150 bis 200 Millionen Euro.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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