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CoCo-Bonds: Neues Wundermittel zur Bankenrettung?

Ihre Wandlungsfähigkeit macht die CoCo-Bonds bei Banken beliebt. Gastautor Matthias Heisse hinterfragt ihre Wirkungskraft.
Thinkstock / Getty Images

Ein Volumen von immerhin 1,5 Milliarden Euro haben die Contingent Convertible Bonds (CoCo-Bonds), die die Deutsche Bank kürzlich ausgegeben hat. Der Vorteil für das Kreditinstitut liegt auf der Hand: Es sichert sich damit Eigenkapital, sollte der Ernstfall eintreten. Diesen Ernstfall sieht die Deutsche Bank, wenn die Eigenkapitalquote unter 5,125 Prozent sinkt. In diesem Moment wandeln sich die CoCo-Bonds in Eigenkapital der Bank.

Das Institut folgt mit der Ausgabe der CoCo-Bonds einem internationalen Trend, fast könnte man CoCo-Bonds schon als Mode bezeichnen. Diese sind tatsächlich für die Emittenten sehr vorteilhaft. Ab einem bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis, dem Trigger, werden die CoCo-Bonds zwangsweise in Eigenkapital umgewandelt. Vereinfacht gesagt: In wirtschaftlich guten Zeiten gibt die Bank CoCo-Bonds aus. In wirtschaftlich schlechteren Zeiten wandeln sich die Bonds in Aktien, und die Anleger der Bonds werden in die Haftung einbezogen. Die Bonds fallen dem Eigenkapital der Bank zu, mit dem die Bank wirtschaften kann. Der Steuerzahler müsste also nicht mehr für die Rettung maroder Banken aufkommen, so der dahinter stehende Gedanke.

CoCo-Bonds als Risikoversicherung

Die CoCo-Bonds dienen als eine Art Risikoversicherung: Die Bank schafft sich ihre eigene, eventuell nötig werdende Finanzspritze. Theoretisch ist es auch denkbar, dass die BaFin als Trigger dienen und die Umwandlung auslösen kann. Jüngst hat auch das Bundesfinanzministerium die steuerliche Abzugsfähigkeit der Zinsaufwendungen für CoCo-Bonds klargestellt und damit weitere Anreize für Banken geschaffen.

Der gesamte Bankensektor könnte von CoCo-Bonds profitieren. Könnte. Denn bisher sieht es nicht so aus, als wären CoCo-Bonds mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Das Volumen von 1,5 Milliarden Euro, das die Deutsche Bank in CoCo-Bonds emittiert hat, würde weder zur Rettung des Instituts, noch (geschweige denn) zur Rettung des Bankensektors genügen. Nichts anderes gilt, wenn die Deutsche Bank wie angekündigt CoCo-Bonds im Wert von 5 Milliarden Euro begibt. Dennoch: CoCo-Bonds als Krisenpuffer sind neben der Erhöhung des Eigenkapitals ein probates Mittel, eine erneute Bankenkrise wenigstens zu erschweren.

Banken mit geringen Risiken profitieren von CoCo-Bonds

Käufer werden zunächst vorsichtig agieren. Für Anleger sind CoCo-Bonds naturgemäß riskanter als klassische Anleihen. Immerhin müssen sie mit dem Risiko leben, dass die Bonds zu Eigenkapital der Bank werden können. Daher werden CoCo-Bonds auch attraktiv verzinst. Die Renditen der zurzeit gehandelten CoCo-Bonds von Banken liegen zwischen 5 und 7 Prozent, fast schon utopisch in der momentanen Niedrigzinszeit. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis kann also durchaus zum Kauf verführen – vorausgesetzt, die Bonds kommen von einer Bank mit ausgezeichneter Schuldnerbonität. Und hier zeigt sich das eigentliche Paradoxon: Vor allem Banken mit ohnehin geringen Risiken profitieren von den Papieren.

Ganze Wellen von CoCo-Bonds werden das Land wohl nicht erfassen, auch wenn bereits weitere Banken wie die Commerzbank, die Aareal Bank und die NordLB angekündigt haben, mit Emissionen nachzuziehen. Noch ist aber ungeklärt, ob Banken überhaupt unbegrenzt CoCo-Bonds emittieren dürfen. Und solange die Papiere von den Ratingagenturen noch vernachlässigt werden, sind institutionelle Anleger nahezu daran gehindert, in die vermeintlichen Wundermittel zur Bankenrettung zu investieren.

Matthias Heisse ist Managing Partner bei der Kanzlei Heisse Kursawe Eversheds und leitet vom Münchener Büro aus den Fachbereich Gesellschaftsrecht und M&A.

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