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Commerzbank erwägt offenbar Aufspaltung der Mittelstandsbank

Die Commerzbank will ihr Firmenkundengeschäft umbauen und Mittelstandssparten aufteilen.
Julia Schwager/Commerzbank AG

Die Commerzbank überlegt offenbar, ihre Mittelstandssparte aufzuteilen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertraute Personen. Die kleinen Firmenkunden der Mittelstandsbank würden künftig von der Privatkundensparte betreut werden, während die großen und internationalen Mittelständler an den Kapitalmarktbereich gingen. Deutschlands zweitgrößte Bank wollte den Zeitungsbericht gegenüber FINANCE nicht kommentieren.

Mit der Einsparung im Bereich von Mittelstandsbankchef Markus Beumer will die Commerzbank offenbar ihre Strukturen vereinfachen, unnötige Doppelarbeit reduzieren – und so letztlich eine maßgebliche Anzahl an Stellen einsparen, vor allem im Backoffice. Auch im Kapitalmarktgeschäft will das Geldhaus dem Handelsblatt zufolge kürzen: durch Stellenstreichungen, eine Reduktion des Wertpapierhandels und den Abbau von Risikopositionen.

Commerzbank leidet im Firmenkundengeschäft

Der Plan sei noch nicht beschlossene Sache, schreibt das Handelsblatt, gelte in der Bank aber als favorisierte Lösung. Die Commerzbank würde damit auf den anhaltenden Verfall der Rendite der Mittelstandsbank reagieren. Und es dem großen Konkurrenten gleichtun: Die Deutsche Bank betreut schon jetzt kleine Firmen aus dem Privatkundengeschäft und große Mittelständler sowie Konzerne aus dem Kapitalmarktbereich.

Es darf angenommen werden, dass die gebeutelten Investoren der Commerzbank den Kürzungskurs gutheißen würden. Das heißt aber nicht, dass auch die CFOs einen derart radikalen Wechsel begrüßen – zumal der Umbau bedeuten würde, dass es die Stelle von Firmenkundenchef Markus Beumer, so nicht mehr gäbe.

Das könnte mit den Interessen der Finanzchefs kollidieren. In einer Umfrage zur Lage der Bank aus der FINANCE-Ausgabe Mai/Juni hatte ein Drittel der befragten Finanzchefs sich sogar einen Firmenkundenvertreter als Chef der Bank gewünscht – der naheliegende Kandidat wäre Beumer gewesen, dem auch entsprechende Ambitionen nachgesagt wurden. Insofern ist bei vielen nicht mit Euphorie zu rechnen, wenn kleinere Firmen unter das Dach des Privatkundengeschäfts wandern würden. Noch in diesem Monat könnte feststehen, ob das passiert – Ende September treffen sich Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank, um über die Strategie der Bank zu beraten.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Info

Wie Deutschlands Banken um die wertvollen Firmenkunden konkurrieren, zeigt die FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.

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